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Zweifel an Zahl der Todesopfer Fast 200.000 Corona-Infizierte in Russland

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Wegen der Corona-Beschränkungen bleibt es bei der Feier zum "Tag des Sieges" einsam auf dem Roten Platz.

(Foto: picture alliance/dpa)

Knapp 200.000 Menschen haben sich in Russland bislang mit dem Coronavirus infiziert. Innerhalb von 24 Stunden vermelden die Behörden erneut 10.000 neue Ansteckungen, haben dafür aber auch eine Erklärung parat. Die Zahl der Todesopfer bleibt weiter niedrig - was Kritiker bezweifeln.

In Russland steigt die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus weiter rasant: Innerhalb von 24 Stunden wurden mehr als 10.000 neue Ansteckungen gemeldet, wie die Behörden mitteilten. Damit sind nun 198.676 Fälle bestätigt - die fünfthöchste Zahl weltweit.

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Die russischen Behörden erklären den massiven Anstieg der Fallzahlen mit den deutlich ausgeweiteten Tests. Mehr als fünf Millionen Virus-Untersuchungen wurden demnach inzwischen vorgenommen. Die Hauptstadt Moskau ist mit mehr als 100.000 Infizierten und mehr als tausend Toten am stärksten betroffen. Die Ausgangssperre war dort zuvor bis Ende Mai verlängert worden.

Gemessen an der Infektionszahl ist Russland weltweit unter den fünf am meisten von der Corona-Pandemie betroffenen Ländern. Nur die USA, Spanien, Italien und Großbritannien haben mehr bestätigte Fälle.

Zweifel an Zahl der Todesopfer

Die offizielle Zahl der Todesopfer bleibt mit 1827 aber vergleichsweise niedrig. Doch Kritiker verweisen auf fragwürdige Feststellungen von Todesursachen bei den Opfern. "Wenn jemand an einem Herzinfarkt stirbt, aber auch Covid-19 diagnostiziert wurde, dann ist die offizielle Todesursache der Herzinfarkt", sagte Sergej Timonin vom Internationalen Laboratorium für Bevölkerung und Gesundheit an der Moskauer Higher School of Economics (HSE). "Mit anderen Worten: Nicht alle Todesfälle von Personen mit Corona werden als Todesfälle durch Corona gelistet."

Örtliche Medien berichteten über Fälle, bei denen als Todesursache Lungenentzündung angegeben wurde, obwohl der Verstorbene positiv auf Corona getestet worden war. So etwa bei Anastasia Petrowa: Die 36-jährige Journalistin verstarb am 31. März in Perm im Ural. Als Todesursache wurde "doppelseitige Lungenentzündung" festgehalten. Dies wurde erst auf Covid-19 geändert, als eine ihrer Freundinnen öffentlich von einem positiven Test kurz vor ihrem Tod berichtete.

Den ersten Corona-Todesfall, eine 79-jährige Frau, gab Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin am 19. März bekannt. Noch am selben Tag revidierten die Behörden diese Darstellung: Todesursache sei laut Autopsie ein Blutgerinnsel und nicht das Coronavirus. Timonin von der Moskauer HSE erklärte, in Russland werde die Todesursache erst nach der Autopsie bestimmt. "Erst Ende Mai, wenn die April-Statistik herauskommt, werden wir die wahre Todeszahl von Covid-19 in Russland kennen."

Quelle: ntv.de, ara/AFP