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Montag, 13. November 2017

"Der Kragen geplatzt": Feuerwehr rechtfertigt Aktion gegen Gaffer

Nach einem Unfall auf der A3 in Unterfranken geht ein Feuerwehrmann auf ungewöhnliche Weise gegen Gaffer vor: Er bespritzt die vorbeifahrenden Fahrzeuge mit Wasser. Die Aktion bringt ihm nicht nur Lob ein.

Die Strafen steigen und mancherorts werden Sichtschutzwände in Stellung gebracht - doch durchschlagenden Erfolg zeigen die Maßnahmen gegen Gaffer bislang nicht. Nach einem schweren Unfall auf der A3 in Unterfranken ergriff ein Feuerwehrmann am Donnerstag die Initiative und bespritzte Schaulustige mit Wasser. Die Polizei kritisiert nun diese Aktion, die nicht abgesprochen gewesen sei. "Für die Unterbindung und Ahndung bei Verkehrsbehinderungen sind ausschließlich wir zuständig", betonte ein Sprecher des unterfränkischen Präsidiums. So sieht das auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Bei dem schweren Unfall auf der A3 kamen drei Menschen ums Leben. Gaffer filmten die Bergung der Leichen.
Bei dem schweren Unfall auf der A3 kamen drei Menschen ums Leben. Gaffer filmten die Bergung der Leichen.(Foto: dpa)

Die Feuerwehr habe Aufgaben übernommen, die eindeutig bei der Polizei lägen, sagte ein Sprecher. "Es muss klare Abläufe an der Unfallstelle geben." Eigentlich sind Feuerwehrleute für den Brandschutz verantwortlich, kümmern sich um Verletzte oder Eingeklemmte. Häufig unterstützen sie auch die Polizei bei der Sicherung der Unfallstelle und der Verkehrslenkung. "Das war natürlich keine geplante Aktion", erklärte Otto Hofmann, der den Einsatz der Freiwilligen Feuerwehren bei Weibersbrunn im Landkreis Aschaffenburg geleitet hatte. "Dem Feuerwehrmann ist der Kragen geplatzt."

Ungefähr jeder dritte Lastwagenfahrer habe versucht, Bilder von den Toten und der Unfallstelle zu machen. In einem Fall lag ein Fahrer laut Polizei sogar quer im Führerhaus, um bessere Aufnahmen machen zu können. Schließlich habe der Brandschützer den Schlauch eingesetzt. Er bespritzte die Seitenfenster der Fahrzeuge, die sehr langsam an der Unfallstelle vorbeifuhren oder gar stehenblieben. Für Feuerwehrmann Hofmann und seine Truppe war es ein außergewöhnlicher Einsatz. Bei dem schweren Unfall starben drei Menschen.

Sichtschutzwände gegen Gaffer

Fast zwölf Stunden am Stück arbeiteten manche der ehrenamtlichen Feuerwehrleute an der Unfallstelle. Der Sprecher der Polizei Unterfranken lobte insgesamt die Zusammenarbeit. Die Spritzaktion sei eine Ausnahme gewesen, die er zuvor in seiner Laufbahn auch noch nie erlebt habe. Grundsätzlich funktioniere die Arbeitsteilung, betonte auch der GdP-Sprecher. "Polizei, Rettungskräfte und Feuerwehr haben an der Unfallstelle ja das gleiche Ziel: Menschenleben retten." Und sie alle leiden unter den Schaulustigen, die den Verkehr behindern oder mit ihrem Verhalten sogar weitere Unfälle provozieren.

Die Politik hat bereits darauf reagiert: Seit vergangenem Mai gilt es als Straftat, bei Unglücksfällen vorsätzlich Einsatzkräfte zu behindern, die Hilfe leisten wollen. Darauf stehen nun Geldstrafen oder bis zu ein Jahr Haft. Seit rund drei Monaten testet die Polizei in Bayern zusätzlich spezielle Sichtschutzwände, die Unfallstellen vor neugierigen Blicken abschirmen sollen. Die Konstruktionen sind allerdings bislang nur auf der A6 und A9 im Einsatz, wie ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums mitteilte.

Polizeigewerkschaft fordert Umdenken

Einsatzleiter Hofmann hat nach dem Vorfall das Gespräch mit seinem Feuerwehrmann gesucht. "Solche Aktionen dürfen auf keinen Fall Schule machen", sagte er - auch wenn dieser Fall bei Kollegen und in der Bevölkerung durchaus auf Sympathie traf. Hofmann stellte klar, es sei zwar menschlich nachvollziehbar, gegen Gaffer einschreiten zu wollen, aber "die gehen uns eigentlich nichts an". Von mehr als zehn Lastwagenfahrern hatten Polizeibeamte schon während der Unfallarbeiten die Personalien aufgenommen.

Im Anschluss wurden noch Videoaufnahmen gesichtet, um weitere mutmaßliche Täter zu überführen, erklärte der Sprecher. "Um alle direkt anzuhalten, haben wir nicht genug Leute." Auch die GdP beklagte, dass Gaffer die Beamten zunehmend von ihrer eigentlichen Arbeit an Unfallstellen abhielten. Dass die Vergehen nun stärker geahndet werden, sei nicht nur ein gutes Mittel zur Abschreckung, sondern ein wichtiges Zeichen. Denn nötig sei vor allem ein Umdenken in der Gesellschaft.

Quelle: n-tv.de

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