Panorama

Nach Kämpfen in Äthiopien Flüchtlingskrise im Sudan befürchtet

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Durch die Kämpfe in ihrem Land sind bereits 31.000 Äthiopier in das Nachbarland Sudan geflohen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Machtkampf zwischen der Zentralregierung und der Region Tigray kämpft das äthiopische Militär seit Wochen in einer groß angelegten Offensive gegen die Rebellen. Zehntausende Menschen fliehen in das Nachbarland Sudan. Die UN warnen vor einer humanitären und politischen Katastrophe.

Durch den militärischen Vormarsch der äthiopischen Regierung gegen die Region Tigray bahnt sich im Nachbarland Sudan eine Flüchtlingskrise an. Die Vereinten Nationen stellen sich auf 200.000 Flüchtlinge ein, wie Vertreter des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, des UN-Kinderhilfswerks Unicef und des Welternährungsprogramms WFP per Videolink aus Khartoum nach Genf berichteten. Die UN-Organisationen brauchen für die direkte Nothilfe dringend 50 Millionen Dollar (rund 42 Millionen Euro).

"Wenn wir nicht schnell reagieren, könnte nicht nur Äthiopien, sondern auch der Sudan zerfallen", warnte Unicef-Vertreter Abdullah Fadil. Durch die Corona-Krise erlebe Sudan selbst bereits eine beispiellose Wirtschaftskrise. Die Organisationen brauchten dringend Geld, um sich auf den erwarteten Ansturm einzustellen. Jeden Tag kämen 4000 bis 5000 Menschen über die Grenze, die vor dem Konflikt in Äthiopien in das nördliche Nachbarland flüchteten. Zurzeit befänden sich im Sudan bereits 31.000 Flüchtlinge.

Darunter seien viele schwangere Frauen mit kleinen Kindern, sagte der WFP-Vertreter Hameed Nuru. Innerhalb der letzten Tage seien in einem Flüchtlingslager zwölf Babys zur Welt bekommen. Das WFP verteilt Essen und Energiekekse. Es seien genügend Nahrungsmittel für 60.000 Menschen für einen Monat vor Ort, aber die Organisationen gingen davon aus, dass das nicht reiche.

Äthiopiens Regierung hatte nach Monaten der Spannungen zwischen Addis Abeba und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) jüngst eine Offensive gegen die Rebellengruppe und Regierungspartei von Tigray begonnen. Die TPLF und viele Menschen in Tigray fühlen sich von der Zentralregierung nicht vertreten und wünschen sich größere Autonomie. Unter Abiy Ahmed - der 2019 den Friedensnobelpreis erhielt - sind ethnische Spannungen in dem Vielvölkerstaat mit rund 112 Millionen Einwohnern gestiegen.

Quelle: ntv.de, jhe/dpa