Panorama

Wetter ändert sich nachhaltigFolgt auf den Hitzesommer eine Unwetterphase?

19.08.2026, 14:41 Uhr
00:00 / 04:48
Unter-einem-Regenschirm-sind-Urlauber-am-Strand-von-Warnemuende-unterwegs-Mit-niedrigen-Temperaturen-und-teilweise-kraeftigen-Regenschauern-zeigt-sich-das-Sommerwetter-in-Norddeutschland-von-seiner-unfreundlichen-Seite
Am Strand von Warnemünde geht es heute nicht ohne Regenschirm. (Foto: picture alliance/dpa)

Endlich regnet es. Die extreme Hitze hat sich zurückgezogen und könnte es im Spätsommer schwer haben, wiederzukehren. Eher drohen als Folge dieser heißen Monate in Europa Unwetter. Also gleich wieder zu viel Regen? 

ntv.de: Was passiert da gerade am Himmel über unseren Köpfen? 

Paul Heger: Es ist endlich mal Bewegung ins Spiel gekommen, weil die Tiefs über dem Atlantik immer stärker wurden, nicht zuletzt gerade wegen dieser großen Hitze und folglich großen Temperaturkontrasten. Und nun ziehen die Ausläufer dieser Tiefs genau über Deutschland und haben die Hochs weiter nach Süden verdrängt. Heißt aber auch, dass der Süden, wie am Mittwoch, mal schnell zurückkehren kann in die Hitze. 

Das heißt, der Hitzesommer ist doch noch nicht vorbei? 

Die extreme Hitze mit Werten nahe 40 Grad sehe ich bei uns nicht mehr, weil das Wetter nicht mehr so stabil ist, die Luft sich also nicht mehr so lang aufheizen kann und weil es auch im Südwesten Europas deutlich abgekühlt hat. Wind aus Süd oder Südwest kann uns nicht mehr innerhalb eines oder zweier Tage 40 Grad bringen. Aber ja, 30 Grad und mehr können wieder in den Süden zurückschwappen. Das werden sie sicherlich auch weiterhin. 

Setzt sich damit die Dürre fort oder wird es weiter Regen geben? 

Das ist tatsächlich der Unterschied. Es wird in den nächsten Tagen weiterhin wechselhaft bleiben. Damit ist die große Trockenheit nicht sofort vorbei und damit sind auch Flüsse und Grundwasserspeicher nicht sofort wieder voll. Aber es gibt mindestens einen Stopp bei der Verschlimmerung, meist sogar eine zarte, schleichende Verbesserung. Regional kann es aber auch schon wieder zu viel des Guten sein. 

Wieso das denn? Wir brauchen doch Regen. 

Absolut, nur Starkregen ist nicht die Lösung. Der fließt zu großen Teilen oberirdisch ab. Und genau solche Starkregenereignisse drohen stellenweise. Zwei Dinge kommen nämlich zusammen: einmal feuchtere und kühlere Luft vom Atlantik, zum anderen aber auch warme und sehr feuchte Luft vom Mittelmeer. Das produziert aufgrund der sehr hohen Temperaturen mehr Wasserdampf als üblich. Und dieses Wasser will wieder runter. 

Welche Regionen sind von Starkregen-Unwettern betroffen? 

Das ist die große Frage. In den kommenden Tagen besonders der Alpenraum und die angrenzenden Regionen - nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich oder Italien. Danach hängt es davon ab, wie die Tiefs ziehen. Auch andere Regionen von Deutschland könnten von klitschnassen Tiefs getroffen werden, die in kurzer Zeit zig Liter, im Worst Case deutlich über 100 Liter Regen fallen lassen. Und solche Berechnungen sehen wir in den Wettermodellen Tag für Tag. Es ist nur noch völlig unklar wann, wo und wie heftig. 

Das klingt nach einem Unwetter-Spätsommer. 

Naja, zumindest sind die Gegebenheiten dafür vorhanden und man muss die Lage gut im Blick behalten. Jetzt schon von einem bevorstehenden Unwetter-Spätsommer zu sprechen, geht vielleicht zu weit. Vor allem wird es zwischendurch auch immer wieder ruhige, teils sonnige und angenehm warme Sommertage geben. Und ob dann nicht Ende August oder Anfang September nochmal ein Hoch vorbeischaut, ist die nächste Frage. 

Kann man für das Wetter im September schon Aussagen treffen? 

Bisher berechneten die Langfristmodelle, deren Aussagen man ja immer etwas kritisch sehen muss, einen zu trockenen September, sogar einen zu trockenen Oktober. Das wäre natürlich fatal in unserer jetzigen Situation. Aktuell korrigieren sich diese Langfristmodelle aber immer mehr. Der September könnte vielleicht doch eher durchschnittlich ausfallen, also immer wieder mal Regen bringen. Ich rechne dennoch mit ein, zwei trockenen und vielleicht nochmal heißen Phasen. Der Oktober scheint dann aber immer mehr in Richtung nass zu kippen. 

Ein verregneter Herbst wäre ja, trotz aller persönlicher Befindlichkeiten, genau das, was wir bräuchten. 

Absolut. Kaum einer mag einen grauen, nassen, dunklen Herbst, aber er wäre die richtige Antwort der Natur auf die letzten Monate. Und es würde auch ein bisschen ins Schema passen. Denn wir sehen immer wieder, dass Wetterlagen mittlerweile sehr lang anhalten. Den ganzen Sommer über kamen immer wieder von Südwesten heiße Luftblasen und es blieb trocken. Jetzt übernehmen Tiefs, und wenn diese genauso lang bleiben würden, wäre der September, aber vielleicht auch noch der Oktober eher wechselhaft bis nass. Und worauf ich mich dann schon freue, das sind die plötzlich wieder ergrünten Wiesen im September. Schauen wir mal, ob das klappt. 

Quelle: ntv.de

MeteorologieKlimawandelWetter