Panorama
Muslyumovo im Uralgebirge ist seit einem Super-Gau in einer sowjetischen Wiederaufbereitungsanlage 1957 verstrahlt - das Dorf  liegt nahe des Gebiets, wo Forscher den Reaktorunfall vermuten.
Muslyumovo im Uralgebirge ist seit einem Super-Gau in einer sowjetischen Wiederaufbereitungsanlage 1957 verstrahlt - das Dorf liegt nahe des Gebiets, wo Forscher den Reaktorunfall vermuten.
Freitag, 10. November 2017

Radioaktive Wolke über Europa: Forscher vermuten Nuklearunfall am Ural

Seit Wochen registrieren Messstellen in Europa eine erhöhte Radioaktivität in der Luft - ohne die Ursache zu kennen. Französische Forscher vermuten, dass es einen Nuklearunfall in Russland oder Kasachstan gegeben hat. Ein Gesundheitsrisiko bestehe aber nicht.

Eine leicht radioaktive Wolke ist in den vergangenen Wochen über Europa gezogen und legt nach Angaben französischer Atomforscher nahe, dass es in Russland oder Kasachstan Ende September einen Unfall in einer Aufbereitungsanlage für nukleare Brennstoffe oder einem Zentrum für Radioaktive Medizin gegeben haben könnte. Wie das Institut de Radioprotection et de Sûreté Nucléaire (IRSN) mit Sitz in Fontenay-aux-Roses meldet, überschreitet die Radioaktivität aber keine für den Menschen gefährlichen Grenzwerte.

Nach Angaben des IRSN-Direktors Jean-Marc Peres hat Russland keine Kenntnis von einem nuklearen Zwischenfall. Eine Sprecherin des Russischen Notfallministeriums sagte, sie könne die Erkenntnisse der französischen Forscher zunächst nicht kommentieren. Mit den Behörden in Kasachstan und der kasachischen Botschaft in Moskau habe das IRSN bisher nicht in Kontakt treten können. Nach Wetterberechnungen des Instituts soll der Ursprung der Freisetzung radioaktiven Materials zwischen Ural und Wolga liegen.

Konkret hätten laut Peres mehrere europäische Messzentren eine erhöhte Konzentration von Ruthenium-106 festgestellt - ein radioaktives Nuklid nicht natürlichen Ursprungs, das vor allem bei Krebstherapien eingesetzt wird. Einen Unfall in einem Kernkraftwerk als Ursache schließen die Forscher deshalb aus. Nach Schätzungen des ISRN muss die Freisetzung des Stoffes am Unfallort aber "massiv" gewesen sein. Die Forscher gehen davon aus, dass die Werte zwischen 100 und 300 Terabecquerel pro Kubikmeter Luft lagen. In Frankreich hätte dies laut Peres Evakuierungen im Umkreis von mehreren Kilometern erfordert.

Keine Gefahr für deutsche Bevölkerung

Bereits Anfang Oktober waren auch in Deutschland - und vor allem in Sachsen - erhöhte Strahlenwerte gemessen worden. In Görlitz etwa betrug die Konzentration 5 Millibecquerel pro Kubikmeter Luft. "Selbst bei konstanter Einatmung über den Zeitraum von einer Woche ergibt sich daraus eine Dosis, die niedriger ist als die, die durch die natürliche Umgebungsstrahlung in einer Stunde aufgenommen wird", erklärte das Bundesamt für Strahlenschutz.

Den französischen Forschern zufolge ist die Strahlenbelastung in Europa seit dem 6. Oktober kontinuierlich zurückgegangen. Auch die Gefahr, dass möglicherweise kontaminierte Lebensmittel aus der Unfallregion - beispielsweise Pilze - importiert werden könnten, sei laut IRSN sehr gering. Ruthenium-106 hat zudem eine relativ kurze Halbwertszeit von lediglich einem Jahr. Zum Vergleich: Das bei der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986 freigesetzte Cäsium-137 hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren.

Quelle: n-tv.de

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