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Dieudonné leugnet Holocaust Französischer Komiker muss in den Knast

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Komiker Dieudonné: Nach den Anschlägen auf das Satire-Magazin "Charlie Hebdo" wurde er wegen "Verherrlichung des Terrorismus" verhaftet.

(Foto: AP)

Dieudonné ist einer der umstrittensten Komiker Frankreichs. Kontakte zum rechtsextremen Front National werden ihm nachgesagt, sein Humor sei antisemitisch. Mehrere Auftrittsverbote hat er bereits erhalten, jetzt wird er wegen Leugnung des Holocausts verurteilt.

Der französische Komiker Dieudonné ist nach Angaben von Anwälten in Belgien wegen Anstiftung zum Hass zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Ein Lütticher Gericht habe festgestellt, dass Dieudonné Hassreden gehalten und sich der Leugnung des Holocausts schuldig gemacht habe, sagte der Anwalt Eric Lemmens als Vertreter jüdischer Organisationen, die in dem Prozess als Nebenkläger aufgetreten waren, der Nachrichtenagentur AFP.

Das Gericht verurteilte den umstrittenen Franzosen demnach außerdem zu einer Geldstrafe von 9000 Euro. Dieudonné, der nicht anwesend war, kann das Urteil anfechten. Sein Anwalt war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Den Behörden kein Unbekannter

In dem Prozess ging es um einen Auftritt im März 2012 in Herstal in der Region von Lüttich vor etwa 1000 Zuschauern. Er war von der Polizei aufgezeichnet worden. Richter Franklin Kuty stellte in seiner ausführlichen Urteilsbegründung besonders die in der Rede verwendeten rassistischen, hasserfüllten und stigmatisierenden Äußerungen Dieudonnés heraus, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete.

Es ist nicht das erste Mal, dass Dieudonné in den Fokus der Behörden gerät. Seit Jahren sorgt er mit seinen antisemitischen und rassistischen Äußerungen für Kontroversen in Frankreich und darüber hinaus und wurde deshalb bereits wiederholt zu Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt.

Nach den Anschlägen auf das Satire-Magazin "Charlie Hebdo" wurde er wegen eines Facebook-Posts unter dem Vorwurf der Verherrlichung des Terrorismus festgenommen. Gleichzeitig machte sich Dieudonné über die Massenkundgebungen in Frankreich lustig, bei denen etwa vier Millionen Franzosen ihre Solidarität mit den Opfern der Anschläge bekundeten. Auch spottete er über den Tod des US-Journalisten James Foley, welcher von Anhängern der Terrormiliz "Islamischer Staat" enthauptet wurde.

Gruß der Rechtsextremen?

Dieudonné machte auch den sogenannten Quenelle-Gruß bekannt, der an den Hitler-Gruß erinnert. Rechtsextreme Politiker wie Jean-Marie Le Pen ließen sich mit dem Gruß fotografieren. Dieudonné selbst bezeichnet den Gruß als "gegen das Establishment gerichtet". Die Geste wird jedoch oftmals in Situationen gezeigt, die einen antisemitischen Zusammenhang haben. Auch Fußballprofi Nicolas Anelka zeigte den Gruß während einer Partie und wurde dafür vom Verband suspendiert.

Erst vor zwei Wochen hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eine Klage des Franzosen gegen seine Verurteilung wegen der Einladung eines Holocaust-Leugners abgewiesen. Das Gericht in Straßburg erklärte dazu, es schütze keine Aufführungen, die den Holocaust leugnen und Antisemitismus verbreiten.

Quelle: n-tv.de, spt/AFP

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