Mann "durch und durch unehrlich"Frau erstreitet nach Jahrzehnten Millionen aus Scheidung

Anfang der 2000er Jahre geht die Ehe eines Paars in Großbritannien in die Brüche. Doch bei der Aufteilung der Familienfinanzen gibt es Probleme - offenbar hat der Mann deutlich mehr Vermögen, als er angibt. Mehr als 20 Jahre später gibt ein Gericht der Frau Recht.
Nach einem mehr als 20-jährigen Rechtsstreit sind einer Frau in Großbritannien in einem Scheidungsverfahren mehrere Millionen Pfund zugesprochen worden. Ein Richter des High Court entschied, dass der inzwischen 61-jährigen Varsha Gohil 6,6 Millionen Pfund (umgerechnet etwa 7,6 Millionen Euro) aus dem Vermögen ihres Ex-Mannes zustehen.
Gohil hatte im Mai 2002 die Scheidung von Rechtsanwalt Bhadresh Gohil eingereicht und gab Ehebruch und unzumutbares Verhalten als Trennungsgründe an. Die dreifache Mutter aus Nordlondon akzeptierte damals eine finanzielle Abfindung in Höhe von 270.000 Pfund (312.000 Euro) und den Familien-Peugeot, obwohl sie bereits den Verdacht hatte, ihr Mann habe das wahre Ausmaß seines Vermögens verschwiegen. Im Jahr 2007 focht sie auf der Basis neuer Beweise die ursprüngliche Einigung an.
Kurz darauf wurde der Ex-Mann als zentrale Figur in einem großen Betrugs- und Geldwäschefall entlarvt und wegen mehrfacher Geldwäschedelikte, Urkundenfälschung und Verschwörung zum Betrug 2011 zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. Die britische Staatsanwaltschaft fror daraufhin Vermögenswerte im Wert von rund 28 Millionen Pfund ein, die über ein Netzwerk von Unternehmen und Organisationen auf der ganzen Welt versteckt waren. 2015 entschieden die Richter des Obersten Gerichtshofs, dass die Ex-Frau die ursprüngliche Vereinbarung anfechten kann, da Ehepartner, die ihre finanziellen Verhältnisse nicht vollständig offenlegen, nicht von ihrer Täuschung profitieren sollten.
Gericht zieht Schlussstrich
Trotzdem zogen sich die juristischen Auseinandersetzungen weiter hin, unter anderem, weil der Ex-Mann argumentierte, dass ihm diese Vermögenswerte nicht selbst gehörten. Die Staatsanwaltschaft versuchte parallel, Betrugsgewinne einzuziehen.
Das Berufungsgericht beendete nun die außergewöhnliche juristische Auseinandersetzung, indem es weitere Rechtsmittel von beiden Seiten ablehnte und somit die Veröffentlichung des bereits im Mai letzten Jahres verkündeten Finanzurteils ermöglichte. Darin kam der Richter zu dem Schluss, dass die Vermögenswerte dem Ex-Mann gehörten und es der Staatsanwaltschaft nicht gelungen sei, nachzuweisen, dass das gesamte Vermögen aus kriminellen Machenschaften stammte.
Einige der Unternehmen und Vermögenswerte während der Ehe seien rechtmäßig gewesen, deshalb stehen der Frau 6,6 Millionen Pfund aus diesen nicht angegriffenen Vermögenswerten zu. Der Ex-Mann sei "durch und durch unehrlich" und "seine Darstellung, er sei ein hart arbeitender, familienorientierter und mittelloser Mann, der von anderen missbraucht und vom Staat und seiner Frau schrecklich ungerecht behandelt worden sei, so weit von der Wahrheit entfernt, dass es schwer zu begreifen ist, wie er sie überhaupt vorbringen kann".