Panorama

Bis zuletzt Unschuld beteuert Fünf Jahre Haft für 101-jährigen Ex-KZ-Wachmann

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"Ich weiß nicht, warum sitze ich hier auf der Strafbank", klagte der Verurteilte zuletzt noch. "Ich habe doch gar nichts damit zu tun."

(Foto: dpa)

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In dem Prozess gegen einen 101-jährigen Mann, der als KZ-Wachmann für den Mord an Tausenden Häftlingen mitverantwortlich sein soll, fällt das Urteil: fünf Jahre Haft. Der greise Angeklagte bestreitet bis heute, im KZ Sachsenhausen tätig gewesen zu sein. Das Gericht überzeugt er damit nicht.

Ein 101-jähriger Mann ist in Brandenburg wegen Beihilfe zum Mord an Tausenden Häftlingen im Konzentrationslager Sachsenhausen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann hatte in dem Prozess vor dem Landgericht Neuruppin bis zuletzt bestritten, in dem KZ Wachmann gewesen zu sein. Dagegen stützte sich die Anklage auf zahlreiche Dokumente mit dem Namen, Geburtsdatum und Geburtsort des Angeklagten sowie auf weitere Unterlagen.

Der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann sagte: "Das Gericht ist zur Überzeugung gelangt, dass Sie entgegen Ihren gegenteiligen Beteuerungen rund drei Jahre lang in dem Konzentrationslager als Wachmann tätig waren." Damit habe der Angeklagte den Terror und die Mordmaschinerie der Nationalsozialisten mitgetragen. "Sie haben mit Ihrer Tätigkeit diese Massenvernichtung bereitwillig unterstützt."

In dem Konzentrationslager, das im Sommer 1936 von Häftlingen aus den Emslandlagern errichtet worden war, waren in der Zeit von seiner Errichtung bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 mehr als 200 000 Menschen inhaftiert - unter ihnen politische Gegner des NS-Regimes sowie Angehörige der von den Nationalsozialisten verfolgten Gruppen wie Juden und Sinti und Roma. Zehntausende Häftlinge kamen durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit, medizinische Versuche und Misshandlungen ums Leben oder wurden Opfer von systematischen Vernichtungsaktionen der SS.

Der Prozess begann im Oktober vergangenen Jahres. Mehrfach musste er wegen Erkrankungen des Angeklagten ausgesetzt werden und stand zwischenzeitlich sogar gänzlich auf der Kippe. Der Prozess wird aus organisatorischen Gründen am Wohnort des Angeklagten in Brandenburg/Havel und nicht in Neuruppin geführt. Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre Gefängnis für den Mann gefordert. Nebenklage-Vertreter Thomas Walther hatte auf eine mehrjährige Haftstrafe plädiert, die ein Maß von fünf Jahren nicht unterschreiten solle.

Die Verteidigung hatte dagegen Freispruch gefordert. Laut Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs sei allein eine Tätigkeit im Wachdienst eines KZ für eine Verurteilung nicht ausreichend, sagte Verteidiger Stefan Waterkamp. Konkrete Taten der Beihilfe seien dem Angeklagten nicht nachgewiesen worden.

Der Angeklagte hatte in seinem Schlusswort am Montag erneut seine Unschuld beteuert. "Ich weiß überhaupt nicht, was ich getan haben soll", sagte der 101-Jährige. Er komme aus Litauen und wisse nicht, wovon im Prozess gesprochen worden sei. "Ich weiß nicht, warum sitze ich hier auf der Strafbank", klagte er. "Ich habe doch gar nichts damit zu tun."

Quelle: ntv.de, jog/dpa

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