Panorama

Nächtliche Bestrafungsaktion Fünfjähriger muss für Einnässen sterben

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Die Familie war vor Yanis' Tod nicht aufgefallen.

(Foto: imago/blickwinkel)

Die letzten Stunden des kleinen Yanis waren ein schreckliches Martyrium. Weil der Junge ins Bett gepullert hatte, jagte der Stiefvater den Fünfjährigen nur im Schlüpfer kilometerweit durch die Nacht. Der Tod des Kindes erschüttert Frankreich.

Weil er ins Bett genässt hat, soll ein Fünfjähriger in Nordfrankreich so brutal bestraft worden sein, dass er starb. Die Ermittler verdächtigen seinen Stiefvater und seine Mutter der vorsätzlichen Tötung, wie die Staatsanwaltschaft in Saint-Omer mitteilte. Der Stiefvater gab an, er habe den Jungen maßregeln wollen, weil dieser ins Bett uriniert hatte.

Deshalb habe er ihn gezwungen, in der Nacht mehrere Kilometer an einem Kanal in der Gemeinde Aire-sur-la-Lys entlangzulaufen. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Stiefvater den kleinen Yanis verfolgte, vermutlich mit dem Fahrrad. Der Junge wurde in der Nacht zu Montag leblos in der Nähe des Kanals aufgefunden, nachdem der Stiefvater die Polizei alarmiert hatte. Der Junge hatte lediglich eine Unterhose an und war während der Bestrafungsaktion mindestens zweimal hingefallen.

Die Autopsie ergab, dass der Fünfjährige an einem Schädeltrauma nach vorsätzlicher Gewalteinwirkung starb. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Junge regelmäßig misshandelt wurde. Französischen Medienberichten zufolge hatte er Prellungen im Gesicht, außerdem war seine Nase gebrochen. Die 23 Jahre alte Mutter und der 30-jährige Stiefvater bleiben vorerst in Polizeigewahrsam.

Den Sozialbehörden der Gemeinde war die Familie nicht bekannt. Im Kindergarten, den der Junge besuchte, waren nie Spuren von Gewalt aufgefallen. Dem "Figaro" zufolge waren sowohl die Mutter als auch der Stiefvater arbeitslos. Das Paar war demnach seit dem Sommer 2015 zusammen. Nachbarn  berichteten, der Junge sei immer gut gekleidet gewesen, die Nachbarn beschrieben die Mutter als freundlich und zurückhaltend. Der Stiefvater sei gelegentlich durch Wutanfälle aufgefallen.

Quelle: ntv.de, sba/AFP