Panorama

45 Millionen Kubikmeter pro Jahr Größter Kunst-See Deutschlands entsteht

Blick über den ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord. Foto: Patrick Pleul

Der Ostsee - nicht zu verwechseln mit der Ostsee.

(Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa)

Ostsee oder Ostsee? In Ostdeutschland werden das künftig zwei verschiedene Orte sein. Denn in Brandenburg soll nach jahrelanger Flutung einer klaffenden Wunde, die der Braunkohletagebau geschlagen hat, ein neues Tourismus-Idyll entstehen.

Er soll Deutschlands größer künstlicher See werden und zugleich Naherholungsgebiet zwischen Spreewald und Lausitzer Seenland - der Cottbuser Ostsee. Er entsteht in der riesigen Grube des ehemaligen Tagebaus Cottbus Nord. Am Freitagabend hat die Flutung begonnen. Ministerpräsident Dietmar Woidke sagte: "Das neue Naherholungsgebiet wird der Lausitz guttun." Das Wasser stammt zu 80 Prozent aus der Spree und zu 20 Prozent aus aufsteigendem Grundwasser.

In den nächsten Jahren soll die riesige Grube sich in einen See mit einer Wasserfläche von 19 Quadratkilometern verwandeln. Rund 45 Millionen Kubikmeter fließen jährlich in die Tagebaugrube. Der Ostsee wird etwa 1,5 Mal größer als der Scharmützelsee, Brandenburgs "Märkisches Meer" und gut zweieinhalb Mal so groß wie der Große Müggelsee, Berlins größter See.

Im Jahr 2025 wird das Wasser nach Angaben des Betreibers Leag die notwendige Mindesthöhe von 2,70 Meter in der Mitte des Sees erreicht haben. An den Rändern des ehemaligen Tagebaus kann das Wasser durch die Gräben bis zu 30 Meter tief sein.

Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch will das geplante Hafenquartier zu einem Öko-Stadtteil machen - CO2-neutral. Die Vorbereitungen liefen bereits, sagte er. Kelch nannte als Ideen für das neue Viertel Hochhäuser in Holzblockbauweise, Radwege auf Photovoltaik-Platten und Fernwärme aus Seewasser-Pumpen. Ihm sei bewusst, dass mit jedem Tropfen Wasser, der in den entstehenden See fließe, auch die Ungeduld wachse. Die Stadtverwaltung wolle deshalb zusätzliche Planungsmitarbeiter einstellen, um das Konzept voranzutreiben.

Die Grünen in Brandenburg sehen den Start der Wassereinleitung in den zukünftigen Ostsee kritisch. Unklar sei, ob das Wasserangebot ausreiche, teilte deren bergbaupolitische Sprecherin Heide Schinowsky mit. Sie erinnerte an die Dürreperiode im vergangenen Jahr. "Auch deshalb muss mit dem Wasser der Spree sorgsam umgegangen werden." Von der Grünen Liga hieß es dazu, selbst ohne Klimawandel reiche das Wasser der Spree im Sommerhalbjahr in der Regel nicht für die Flutung von Tagebauseen.

Quelle: jwu/dpa

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