Polizei: Verdacht auf BrandstiftungGroßflächiger Stromausfall in Berlin: Zehntausende bis Donnerstag ohne Strom
Ein Stromausfall in Berlin sorgt für verheerende Auswirkungen. Zehntausende Betroffene könnten noch bis Donnerstag ohne Energieversorgung ausharren müssen. Nach dem Brand sind umfangreiche Baumaßnahmen erforderlich.
Der Stromausfall im Südwesten Berlins könnte nach Einschätzung von Stromnetz Berlin für viele der Zehntausenden Betroffenen bis nächsten Donnerstag dauern. Grund ist der sehr aufwendige Bau von Ersatzleitungen nach dem Brand einer Kabelbrücke über den Teltow-Kanal, wie ein Sprecher mitteilte. Der Netzbetreiber hofft aber, rund 10.000 Haushalte ab dem Abend aus anderen Netzteilen wieder zu versorgen.
Wegen des Stromausfalls funktionieren auch viele Heizungen nicht. Der Mobilfunk ist ebenfalls gestört. Im betroffenen Gebiet haben Läden geschlossen, Ampeln sind ausgefallen. Wenn die Lage über Tage andauert, müssen viele Menschen überlegen, ob sie woanders Unterschlupf finden.
"Das Ausmaß ist größer, als bei dem Stromausfall in Adlershof im September 2025. Die Reparaturarbeiten sind anspruchsvoll und werden durch die Witterung und den Bodenfrost zusätzlich erschwert", erklärte Energiesenatorin Franziska Giffey auf Instagram. "Wer kann, sollte bei Freunden oder Familienangehörigen außerhalb der betroffenen Gebiete unterkommen."
Aufbau eines Provisoriums
Der Strom war am frühen Morgen in den Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde ausgefallen. Betroffen waren laut Stromnetz Berlin 45.400 Haushalte und 2200 Gewerbebetriebe. Ursache ist der Brand an der Kabelbrücke zum nahegelegenen Kraftwerk Lichterfelde. Dadurch seien mehrere Hochspannungskabel beschädigt worden.
"Aufgrund der entstandenen erheblichen Schäden wird die Reparatur der Kabel sehr lange dauern", teilte Stromnetz Berlin mit. "Aktuell arbeitet Stromnetz Berlin am Aufbau eines Provisoriums. Wir rechnen mit einer vollständigen Wiederversorgung aller Kundinnen und Kunden bis kommenden Donnerstagnachmittag (8. Januar 2026)." Nötig sei umfangreicher Tiefbau und Kabelzug. Dies werde durch das Winterwetter erschwert. Außerdem laufe noch die Spurensicherung am Brandort.
Die Polizei ermittelt nach eigenen Angaben wegen des Verdachts der Brandstiftung. Bei dem für politische Straftaten zuständigen Staatsschutz ist ein Bekennerschreiben eingegangen. Derzeit werde geprüft, ob das Schreiben authentisch sei, schreibt die Polizei auf X.
Vergleichbar mit letztem Stromausfall
Von der Dimension ist der Stromausfall nach Angaben von Stromnetz Berlin vergleichbar mit einem ähnlichen Fall im September im Südosten Berlins, als anfangs 50.000 Kunden betroffen waren. Auch damals zog sich der Stromausfall über Tage hin. Ursache damals war ein politisch motivierter Brandanschlag auf zwei Strommasten.
Die Feuerwehr benennt jedoch einen entscheidenden Unterschied: "Anders als im Sommer wird es um 16 Uhr dunkel, es wird kalt", sagte Feuersprecher Adrian Wentzel. Ihm zufolge richtet sich die Feuerwehr auf einen langen Einsatz ein, "der sich auch garantiert noch bis in die Morgenstunden mindestens ziehen wird".
Berlin will Stromleitungen unter die Erde verlegen
Zuletzt hatte die Berliner Wirtschaftssenatorin Giffey bereits Maßnahmen im Nachgang des letzten Brandanschlags angekündigt. "Es wird nie 100-prozentigen Schutz geben, aber man kann einiges verbessern. In den vergangenen Jahren ist auch schon viel passiert. Früher gab es viele Überlandleitungen. Stromleitungen in der Luft sind ein absoluter Gefährdungspunkt", so die SPD-Politikerin bei ntv.de.
"In Berlin haben wir inzwischen gut 90 Prozent der Stromkabel unter die Erde verlegt. Letztlich sollen es fast alle Leitungen sein. Das schafft Sicherheit", so Giffey. "Gleichzeitig reduziert man Angriffspunkte, denn Verteilmasten muss man in der freien Fläche zusätzlich sichern. "
