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Antisemitische Attacke in Berlin Gürtel-Schläger sitzt in U-Haft

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An dieser Straßenecke im Prenzlauer Berg kam es zu dem antisemitischen Angriff.

(Foto: picture alliance / Paul Zinken/d)

Er ruft auf arabisch "Jude" und schlägt auf einen jungen Mann, der eine Kippa trägt, mit einem Gürtel ein. Diese Attacke im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg sorgt bundesweit für Entsetzen. Nun liegt ein Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Täter vor.

Zwei Tage nach einem antisemitischen Angriff auf einen Israeli in Berlin ist gegen den mutmaßlichen Täter Haftbefehl erlassen worden. Das teilte ein Polizeisprecher mit. Der 19-Jährige befinde sich in Untersuchungshaft. "Er hat sich zur Sache nicht eingelassen", betonte der Sprecher. Der Beschuldigte hatte sich zuvor im Beisein einer Rechtsanwältin der Polizei gestellt. Der mutmaßliche Täter ist ein Flüchtling aus Syrien. Wie lange er bereits in Deutschland ist und wo er lebt, teilte die Polizei nicht mit. Auch zu seinen beiden Begleitern, die in den Angriff involviert gewesen sein sollen, gab es keine Informationen.

Der 21-jährige Israeli und sein Freund hatten am Dienstagabend im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg Kippas - traditionelle jüdische Kopfbedeckungen - getragen. Sie wurden von einer Gruppe arabisch sprechender Männer angegriffen und antisemitisch beschimpft. Sie riefen unter anderem "Yahudi", das arabische Wort für "Jude". Einer der Männer schlug mit einem Gürtel auf den 21-Jährigen ein und versuchte, ihn mit einer Flasche zu schlagen. Der Angreifer und seine zwei Begleiter flüchteten. Der 21-Jährige filmte die Tat und stellte das Video ins Netz.

Die Tat hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Bundesjustizministerin Katarina Barley sprach von einer "Schande für unser Land." Wie der Betroffene am Mittwoch klarstellte, trug er zum ersten Mal eine Kippa in der Öffentlichkeit. Er selbst sei kein Jude, sondern habe nur als Experiment ausprobieren wollen, ob es wirklich so schlimm in Berlin sei, mit einem Zeichen des jüdischen Glaubens auf der Straße herumzulaufen.

Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann verurteilte den antisemitischen Angriff. "Das Judentum gehört zu Deutschland. Wer das nicht akzeptiert, hat hier nichts verloren", sagte Oppermann der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Es muss klar sein: Für Antisemitismus gibt es keinen Platz in Deutschland", betonte er.

"Das ist ein gravierender Vorfall und leider kein Einzelfall", sagte Oppermann. Der Gefahr eines durch Zuwanderung erstarkenden Antisemitismus müsse die gleiche hohe Aufmerksamkeit zuteil werden wie dem bestehenden Antisemitismus in Deutschland, forderte er. "Einheimische müssen genau wie Einwanderer die Rechte Andersgläubiger respektieren." Während "viele arabische Jugendliche in einer antiisraelischen Grundstimmung" aufwachsen würden, relativierten "Rechtsextreme den Holocaust", beklagte Oppermann.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP

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