"Viel Spaß, Datenjäger"Hacker veröffentlichen weitere Berliner Behördendaten im Darknet

Cyberkriminelle stehlen Daten aus Landesbehörden und erpressen erfolglos die Stadt Berlin. Die Hacker veröffentlichen daraufhin sensible Unterlagen, unter anderem zu Wasserwerken. Nun taucht ein zweites Datenpaket auf.
Nach dem großangelegten Hackerangriff auf die Berliner Senatsverwaltung haben die Täter ein weiteres Datenpaket unter anderem mit Zugangsdaten veröffentlicht. Das teilte der Senat am Sonntag in der Bundeshauptstadt mit. Die nach der ersten Veröffentlichung gestohlener Informationen am Freitag ergriffenen Maßnahmen seien vorsorglich nochmals "in einigen Aspekten nachgeschärft" worden. Bei der Nutzung von Fachverfahren der betroffenen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen seien deshalb kurzfristige Einschränkungen möglich, hieß es weiter.
Mitte August war bekannt geworden, dass es eine Cyberattacke auf Berliner Landesbehörden gegeben hatte. Die Hacker wollten zwei Millionen Euro Lösegeld in Bitcoin erpressen - die Summe sollte bis Freitag gezahlt werden. Doch die Berliner Landesregierung erklärte, dass sie sich nicht erpressen lasse. Nach Ablauf der Frist - ohne Zahlung - wurden rund 1,4 Millionen Dateien zum Download angeboten - laut "Spiegel" versehen mit dem Kommentar "Viel Spaß, Datenjäger".
Der "Tagesspiegel" schrieb, dass im ersten Datenpaket interne behördliche Dokumente zu finden seien, welche Schwachstellen in der Berliner Infrastruktur offenlegten. Außerdem stünden private Handynummern und Adressen von Menschen, die im Krisenfall eingreifen sollen, nun im Darknet. Hinzu kämen private Daten wie Geburtsurkunden der Kinder von städtischen Angestellten, Scans von Personalausweisen, Personalakten oder Führungszeugnisse.
Auch Daten zum Kanzleramt-Ausbau dabei
Auch der "Spiegel" sichtete die ersten Dateien und fand in einer ersten Stichprobe unter anderem Daten zum Gefahrenschutz bei der Berliner Feuerwehr, Gehaltslisten, Kontoinformationen und vertrauliche Personalangelegenheiten wie Vorwürfe zu Dienstvergehen und Disziplinarangelegenheiten. Auch zahlreiche Bundesbelange seien betroffen - der "Spiegel" berichtete am Samstag von mehr als 550 Dateien zur Kanzleramtserweiterung - darunter Gutachten, Pläne und Stellungnahmen etwa des Landeskriminalamts.
Am Wochenende schaltete sich auch die Bundesregierung ein. Sie verfolge die Informationen und Ermittlungen zu dem Datenabfluss genau, erklärte ein Regierungssprecher. Die Sicherheitsbehörden von Bund und Land werteten die Informationen zu dem Datenabfluss aus. Zwischen den beteiligten Behörden würden die Informationen kontinuierlich abgeglichen, auch über das Nationale Cyberabwehrzentrum.
"Nach der Analyse potenzieller Sicherheitsrisiken werden entsprechende Maßnahmen zur Wahrung der militärischen Sicherheit eingeleitet." Auch die Bundesregierung "führte eine intensive Prüfung der eigenen Datensysteme durch", führte der Sprecher aus. Diese seien "nach bisherigem Kenntnisstand" aber nicht betroffen.
Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz sprach im "Handelsblatt" von einem "echten Daten-Super-Gau". Ihm zufolge rückt der Berliner Fall "massive Versäumnisse der Bundesregierung in den Fokus". Trotz wiederholter Warnungen seien "bekannte Sicherheitslücken" nicht geschlossen worden, sagte er der Zeitung. Von Notz warnte auch vor möglichen finanziellen Folgen. "Der jüngste Fall in Berlin wird die Steuerzahler Millionen kosten", sagte er.
Wegen des Hackerangriffs waren die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz am 14. August für rund eine Woche vom Landesnetz isoliert worden. Tagelang konnte wegen der Cyberattacke in Berlin unter anderem kein Wohngeld beantragt oder ausgezahlt werden.