Panorama

Folterer aus Homs? Haftbefehl gegen Arzt in Hessen erweitert

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Bilder von Folteropfern werden im Juli 2020 in einer Ausstellung der Universität in Sarmada, Syrien, gezeigt.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Ein Arzt aus Syrien, der seit 2015 in Deutschland lebt und praktiziert, soll an weitaus mehr Folterungen in seiner Heimat beteiligt gewesen sein als bisher angenommen. Der Generalbundesanwalt geht davon aus, dass der Mann mindestens einen Mord zu verantworten hat.

Ein im Juni festgenommener syrischer Arzt aus Hessen soll in seiner Heimat an deutlich mehr Folterungen beteiligt gewesen sein als ursprünglich bekannt. Der Generalbundesanwalt geht inzwischen von dem dringenden Tatverdacht aus, dass der Mann in einem Gefängnis des Militärischen Geheimdienstes mindestens einen Menschen ermordet, den Tod eines zweiten verursacht und etliche andere Opfer - mindestens 18 Menschen - gefoltert und schwer misshandelt haben soll.

Der Haftbefehl gegen den Mann, der in Deutschland als Arzt praktizierte, sei deshalb im Dezember erweitert worden, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Ihm werden nun mehrere Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt. Der Mann befindet sich weiter in Untersuchungshaft.

Alle Taten sollen sich 2011 und 2012 in der westsyrischen Stadt Homs im Gefängnis oder im dortigen Militärkrankenhaus ereignet haben, wo der Geheimdienst mutmaßliche Oppositionelle festhielt. Dort soll der Arzt einem Gefangenen, der sich gegen Schläge und Tritte wehrte, eine tödliche Substanz gespritzt haben, an der er binnen Minuten starb. Hintergrund der Taten ist nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft die brutale Unterdrückung regierungskritischer Aktivitäten in Syrien spätestens seit Ende April 2011. Den Geheimdiensten sei dabei eine wesentliche Rolle zugekommen. "Überall im Land wurden tatsächliche oder vermeintliche Oppositionelle ohne Rechtsgrundlage festgenommen, inhaftiert, gefoltert und teilweise getötet", hieß es.

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Der Arzt habe im Gefängnis des militärischen Geheimdiensts in Homs sowie im dortigen Militärkrankenhaus Zivilisten gefoltert, die an Demonstrationen teilgenommen hatten oder auch allein wegen ihres Herkunftsorts der Opposition zugerechnet wurden, hieß es weiter. Seine Opfer habe er unter anderem mit einem Schlagstock traktiert sowie auch gegen den Kopf und ins Gesicht getreten.

In anderen Fällen soll der Mann seinen Opfern Körperteile mit brennbaren Flüssigkeiten übergossen und angezündet haben. Bereits im Juni hatten die Ermittler dem Arzt vorgeworfen, einen Gefangenen schwer misshandelt zu haben, der kurz darauf gestorben war. Der Mann, dessen Alter nicht mitgeteilt wurde, hatte Syrien 2015 verlassen. Seither hatte er in Deutschland gelebt und gearbeitet.

Quelle: ntv.de, soe/dpa/AFP