Panorama

Konsequenzen nach Fluchtversuch Halle-Attentäter war unzureichend bewacht

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Die JVA in Halle. Stefan B. kletterte hier unbemerkt über einen 3 Meter hohen Zaun.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eigentlich gelten für die Bewachung des mutmaßlichen Attentäters von Halle strenge Sicherheitsvorgaben. Trotzdem gelingt es ihm, kurzzeitig von der Bildfläche zu verschwinden und einen Fluchtversuch zu starten. Die Fahrlässigkeit der JVA hat nicht nur personelle Konsequenzen.

Nach dem Fluchtversuch des Terrorverdächtigen von Halle soll ein unabhängiges Expertengremium die Sicherheit in der Justizvollzugsanstalt in Halle überprüfen. Das kündigte Justizministerin Anne-Marie Keding in einer Sondersitzung des Rechtsausschusses im Magdeburger Landtag an. Das Gremium solle ausschließlich mit externen Experten besetzt werden und die Situation analysieren. "Wir sind dort nicht im Optimum." Die Rechtsexperten des Landtags hatten die Sitzung einberufen, um sich von Ministerium und Gefängnisleitung über den Ausbruchsversuch informieren zu lassen.

Dem 28-Jährigen war es Ende Mai bei einem Freigang gelungen, in einem unbeobachteten Moment über einen mehr als drei Meter hohen Zaun zu klettern. Danach versuchte er, Türen zu öffnen, ehe er gefasst wurde. Laut Keding wurde der Mann über längere Zeit nicht direkt bewacht. In der Justizvollzugsanstalt sei teilweise "eigenmächtig" gehandelt worden. B. wurde nach dem Vorfall ins Gefängnis nach Burg verlegt.

Die zuständigen Wächter hätten den Gefangenen auf seinem separaten Freiganghof nur wenige Sekunden wie vorgeschrieben mit zwei Beamten bewacht, sagte der Chef der JVA Halle, Thomas Naumann, dem Ausschuss. Ohne diese Pflichtverletzungen wäre der Fluchtversuch nicht möglich gewesen. Damit stützte Naumann die Darstellung von Keding. Sie hatte bereits am Dienstag die JVA verantwortlich gemacht. In einer ersten Konsequenz wurde die stellvertretende Anstaltsleiterin ins Justizministerium strafversetzt, wie Keding im Ausschuss sagte.

Am 9. Oktober 2019 versuchte der schwer bewaffnete Stefan B. , in eine gut besuchte Synagoge einzudringen. Als das misslang, erschoss er zwei Menschen und verletzte weitere Menschen schwer, ehe er festgenommen wurde. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm zweifachen Mord und 68-fachen Mordversuch "aus einer antisemitischen, rassistischen und fremdenfeindlichen Gesinnung heraus" vor. Der Prozess soll am 21. Juli beginnen.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa/AFP