Spanier positiv getestetHantavirus: Alle Passagiere evakuiert, "Hondius" fährt in die Niederlande

Es ist geschafft: Die letzten Passagiere und der Großteil der Crew haben die vom Hantavirus betroffene "Hondius" verlassen. Vier von ihnen in Richtung Deutschland, wo sie jetzt in häuslicher Quarantäne bleiben. Derweil ist ein spanischer Rückkehrer positiv getestet worden.
Vier der vom Hantavirus-Ausbruch auf einem Schiff betroffenen deutschen Passagiere stammen dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) zufolge aus Berlin, Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen. Keiner von ihnen habe bisher Symptome. Die Passagiere wurden zunächst im Uniklinikum Frankfurt aufgenommen und sollten dann in die jeweiligen Bundesländer gebracht werden.
Laut dem Ministerium kommen die Menschen voraussichtlich an ihren Wohnorten in häusliche Quarantäne. "Während der nächsten Wochen werden die Kontaktpersonen kontinuierlich und engmaschig auf Symptome überwacht", hieß es. Über die konkreten Maßnahmen entscheiden die jeweils zuständigen Gesundheitsämter.
Wochen bis zum kompletten Aufatmen
Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit kann es Experten zufolge bei diesem Erreger bis zu 45 Tage dauern. Falls doch noch eine Person erkranken sollte, könne sie in speziellen Zentren nach besten medizinischen Standards und sicher behandelt werden, teilte das BMG mit. Insgesamt starben bisher drei Passagiere der "Hondius", bei denen eine Infektion mit der Unterart Andesvirus nachgewiesen wurde oder vermutet wird.
Ein fünfter deutscher Passagier war nach Großbritannien geflogen worden, wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtete. Der Deutsche lebe in Großbritannien. Vom Landesgesundheitsamt Niedersachsen hieß es, eine Person aus Niedersachsen sei auf dem Schiff gewesen und befinde sich nach Absprache im Ausland - ob Großbritannien gemeint war oder es sich um einen weiteren Menschen handelte, blieb zunächst unklar.
Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von einem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien mit dem südamerikanischen Andesvirus angesteckt haben könnte. Insgesamt gibt es bisher drei Todesopfer, nämlich das niederländische Ehepaar und eine deutsche Passagierin. Das Andesvirus wird wie alle Hantaviren in der Regel von Nagetieren übertragen. Es ist das einzige Hantavirus, das auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann. In den vergangenen Jahrzehnten gab es jedoch nur einige wenige erfasste Ausbrüche in Südamerika, die alle rasch wieder abebbten.
Die Besonderheit diesmal ist lediglich, dass das Virus zufällig auf einem Kreuzfahrtschiff mit vielen Passagieren aufgetreten ist. Da die Symptome denen verschiedener Atemwegserkrankungen ähneln, war erst verzögert auf das Hantavirus getestet worden. Erst dann kamen strengere Isolierungs- und Überwachungsmaßnahmen in Gang. Dadurch war es anfangs zu einigen Ansteckungen gekommen.
Kapitän der "Hondius" lobt "Zusammenhalt" der Passagiere
Am Sonntag waren erste Sonderflüge von der Kanareninsel Teneriffa - wo die "Hondius" nach mehreren Wochen auf See angelegt hatte - gestartet, um die Menschen vom Schiff aus insgesamt 23 Nationen unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen in ihre Heimat zu bringen.
Der Kapitän der "Hondius", Jan Dobrogowski, hat sich erstmals in einer Videobotschaft zu der Krise geäußert. Er bedankte sich bei seiner Besatzung und den Passagieren für "Geduld, Disziplin und Freundlichkeit". "Diese vergangenen Wochen waren extrem anstrengend", sagte der aus Polen stammende Kapitän. Die Menschen hätten aber unter diesen schwierigsten Umständen "Fürsorge, Zusammenhalt und Kraft" gezeigt.
Er habe gesehen, dass "Menschen einander vertrauen können, auch wenn nicht sofort Hilfe bereitsteht". Allen Menschen an Bord wünschte der Kapitän eine sichere Heimreise.
Positive Tests in Frankreich, Spanien den USA
Einer der 14 spanischen Passagiere ist derweil ist in der Quarantäne in Madrid positiv getestet worden. "Die Person ist isoliert, ohne Symptome und wohlauf", schrieb Gesundheitsministerin Mónica García auf mX. Die PCR-Tests der anderen 13 Spanier im Militärkrankenhaus Gómez Ulla in Madrid hätten ein negatives Ergebnis gezeigt.
Zuvor hatten bereits Frankreich und die USA je einen positiven Test bei Passagieren gemeldet, die am Sonntag von der "Hondius" evakuiert und in die Heimat geflogen worden waren. Der Zustand der Frau in Frankreich habe sich in der Nacht verschlechtert, sagte Frankreichs Gesundheitsministerin Stéphanie Rist.
Das US-Gesundheitsministerium hatte mitgeteilt, bei einem der 17 von Teneriffa zurückgeholten Landsleute habe ein PCR-Test "mild positiv" auf das Hantavirus angeschlagen. Weitere Erläuterungen gab es zunächst nicht. PCR-Tests können bereits eine sehr geringe Virenmenge nachweisen.
Einen größeren Anstieg der Fallzahl gibt es weiterhin nicht - und Experten rechnen wegen der geringen Ansteckungsfähigkeit des Erregers auch nicht damit. Mit Blick auf den dieser Tage mitunter gezogenen Vergleich mit dem Coronavirus sagte Lars Schaade, Leiter des Robert Koch-Instituts (RKI) im ZDF-"heute journal": "Das ist ein ganz anderes Virus, und die Gefahr ist überhaupt nicht vergleichbar." Sehr viele andere Erreger wie etwa das Masernvirus sind wesentlich - um ein Vielfaches - ansteckender als das Andesvirus.
Das Andesvirus sei zudem schon lange bekannt und gut einschätzbar, hieß es weiter. Bislang sei es immer gelungen, "die Ausbruchssituation entsprechend unter Kontrolle zu bringen".
Schiff machte doch noch an Pier fest
Am Abend war die die Ausschiffung der verbliebenen Passagiere und Besatzungsmitglieder abgeschlossen. Eine letzte Gruppe von 28 Menschen verließ das Schiff unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Sie wurden am Abend mit zwei Maschinen Richtung Eindhoven ausgeflogen.
Vom Flughafen Teneriffa Süd hob zunächst ein Passagierjet ab. An Bord waren nach Angaben von García 22 Besatzungsmitglieder der "Hondius" verschiedener Nationalitäten. Mit dabei sollte auch ein deutsches Crewmitglied sein, wie das niederländische Außenministerium mitteilte. Beim zweiten Flugzeug handelte es sich um ein kleineres Sanitätsflugzeug, mit dem laut García vier Australier, ein Neuseeländer und ein Brite ausgeflogen werden sollten. Auch diese Maschine sollte zunächst nach Eindhoven fliegen.
Damit sind seit Sonntag insgesamt 122 Menschen unter strikten Sicherheitsvorkehrungen von dem Schiff an Land und dann per Flugzeug in Richtung ihrer Heimatländer geflogen worden. Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García dankte allen Beteiligten und äußerte "Stolz" darüber, dass Spanien zu einer derartig komplizierten und "einzigartigen" Aktion in der Lage gewesen sei. Das sei ein großer Erfolg.
Damit die Menschen das Schiff verlassen konnten, musste es doch noch an einem Pier festgemacht werden. Grund war zunehmend stürmischer Wind, der die Ausschiffung von der bisher im Hafen vor Anker liegenden "Hondius" zu riskant gemacht hätte. Kurz nachdem die Menschen von Bord gegangen waren, stach die "Hondius" mit einer Restbesatzung in See, um nach Rotterdam zu fahren.
Die Tatsache, dass das Schiff nun doch mit dem Land verbunden war, könnte für Kritik und neue Ängste auf der Insel sorgen. Die Regionalregierung der Kanaren hatte im Vorfeld darauf bestanden, dass die "Hondius" nicht anlegt, weil sie Sorge hatte, Mäuse mit dem Hantavirus könnten an Land gelangen. Gesundheitsministerin García bezeichnete das unter Berufung auf Experten allerdings als "ausgeschlossen". Zudem gab es keine Informationen, dass überhaupt Mäuse an Bord seien.