Globale VerbreitungHier sind Hantaviren besonders gefährlich

Hantavirus ist nicht gleich Hantavirus: Hinter dem Namen steckt eine ganze Gruppe von Erregern, die sich in ihrer Gefährlichkeit teils stark unterscheiden. Wo welche Variante vorkommt - und wie man sich am besten schützen kann.
Seit dem Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius" ist ein Erreger wieder in den Fokus gerückt, den viele bis dato kaum gekannt haben dürften: das Hantavirus. Der Name klingt nach einem einzelnen Virus, tatsächlich steckt dahinter aber eine ganze Gruppe von Erregern. Und die unterscheiden sich deutlich - je nachdem, wo auf der Welt sie vorkommen, welche Tiere sie übertragen und welche Krankheit sie beim Menschen auslösen.
Vertreter des Hantavirus findet man auf jedem Kontinent. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) bevorzugen verschiedene Typen unterschiedliche Nagetiere als Wirt. Deshalb tauchen sie jeweils nur dort auf, wo diese Tiere heimisch sind. Grob teilen Fachleute Hantaviren in zwei Gruppen ein: In Europa und Asien verursachen die sogenannten "Old World"-Hantaviren meist das hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS), also eine Erkrankung, die vor allem die Nieren betrifft. In Nord- und Südamerika verursachen "New World"-Hantaviren häufiger das Hantavirus-Lungensyndrom (HPS), das die Lunge angreift und oft schwerer verläuft.
Eine dieser Varianten ist das Andesvirus, das derzeit besonders viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Es ist die Variante, die hinter dem Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff steht. Sie kommt primär in Südamerika vor, insbesondere in Argentinien und Chile, und wird hauptsächlich von der Langschwanz-Zwergreisratte (Oligoryzomys longicaudatus) übertragen. Die Krankheit, die sie auslösen kann, beschreibt die US-Gesundheitsbehörde CDC als eine "schwere und potenziell tödliche Erkrankung", bei der sich die Lunge mit Flüssigkeit füllen kann. Bis zu 38 Prozent der Infizierten mit diesen Atemwegssymptomen sterben demnach.
Hinzu kommt: Das Andesvirus ist bislang die einzige Hantavirus-Variante, für die eine Übertragung von Mensch zu Mensch nachgewiesen ist. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind solche Übertragungen zwar selten, wurden aber bereits mehrfach bei früheren Ausbrüchen unter engen und länger andauernden Kontakten beobachtet.
Puumalavirus kommt in Deutschland am häufigsten vor
Somit ist eine Ansteckung mit dem Andesvirus deutlich gefährlicher als eine Infektion mit seinen Verwandten in Europa und Asien. In Deutschland verursachen vor allem das Puumalavirus und das Dobrava-Belgrad-Virus Erkrankungen. Dem Bundesgesundheitsportal zufolge gehen mehr als 90 Prozent aller Hantavirus-Fälle in der Bundesrepublik auf das Puumalavirus zurück. Es ist vor allem im Nordwesten, Westen und Süden verbreitet und wird von der Rötelmaus übertragen. Das Dobrava-Belgrad-Virus kommt eher im Norden und Osten vor - sein Wirt ist die Brandmaus. Daneben wurden in Deutschland auch Infektionen mit dem Seoulvirus beschrieben, das vor allem bei Wild- und Zuchtratten vorkommt, sowie vereinzelt mit dem Tulavirus.
Im Krankheitsbild unterscheiden sich die verschiedenen Virustypen in Deutschland aber kaum voneinander. Hier verläuft eine Hantavirus-Infektion oft zunächst wie eine Grippe - mit Fieber, Kopf-, Rücken- und Gliederschmerzen. Bei einem schweren Verlauf können Komplikationen wie Nieren- und Lungenversagen auftreten.
Todesfälle durch Hantavirus-Infektionen wie auf dem Kreuzfahrtschiff kommen in Deutschland allerdings extrem selten vor. Seit der Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 wurde lediglich ein Todesfall registriert. Die meisten Infektionen verlaufen mild oder asymptomatisch und schwerere Verläufe treten vor allem bei Menschen mit Vorerkrankungen auf. Außerdem können die Viren hierzulande nach derzeitigem Wissensstand nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden - im Gegensatz zum Andesvirus. Erkrankte gelten deshalb nicht als ansteckend.
Wie kann man sich schützen?
Besonders aufmerksam sollten Menschen im Frühjahr und Sommer sein. Laut Bundesgesundheitsportal ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung von April bis September am größten. Besonders häufig betroffen sind Männer mittleren Alters. Ein erhöhtes Risiko besteht bei Tätigkeiten in der Forst- und Landwirtschaft, beim Reinigen von Schuppen, Dachböden oder Ställen sowie allgemein bei Arbeiten im Freien mit möglichem Kontakt zu Nagern - etwa im Garten, beim Zelten, Joggen oder Jagen.
Vor einer Ansteckung kann man sich dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) zufolge am besten schützen, indem man sein Zuhause frei von Mäusen hält. Das Institut gibt folgende Tipps:
Bewahren Sie Lebensmittel für Nager unzugänglich auf (dicht schließende Schränke, Metall- oder Plastikbehälter).
Lassen Sie Tierfutter und Wasser nicht über Nacht offen stehen.
Beseitigen Sie Abfall in verschließbaren Mülleimern.
Geben Sie Essensreste und tierische Abfälle nicht auf den Hauskompost.
Machen Sie mögliche Eintrittsstellen ins Haus ausfindig und dichten Sie Ritzen und Fugen an Türen, Fenstern und Wänden mit Stahlwolle oder Beton ab.
Beseitigen Sie Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten für Nager (zum Beispiel Sperrmüll, Altreifen und Abfallhaufen).
Eine spezifische Behandlung für eine Hantavirus-Infektion gibt es nicht. Und auch keine Impfung. Eine Erkrankung wird symptomatisch behandelt, wie das RKI schreibt. Die Behandlung konzentriere sich auf die Linderung der Symptome. In schweren Fällen kann eine intensivmedizinische Betreuung mit künstlicher Beatmung oder Dialyse notwendig sein.