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Alva Campbell soll mit den Tränen gekämpft haben, als seine Hinrichtung nicht klappte.
Alva Campbell soll mit den Tränen gekämpft haben, als seine Hinrichtung nicht klappte.(Foto: AP/ntv.de)
Donnerstag, 16. November 2017

Fast zweistündige Tortur in Ohio: Hinrichtung von Todeskandidat scheitert

In einem Gefängnis im US-Bundesstaat Ohio soll Alva Campbell durch die Giftspritze sterben - doch der 69-Jährige ist schwer krank. Fast zwei Stunden lang versuchen Mediziner, eine geeignete Vene für die Injektion zu finden. Dann brechen sie die Hinrichtung ab.

Im US-Bundesstaat Ohio ist die Hinrichtung eines Mannes nach fast zwei Stunden abgebrochen worden, nachdem die Mitarbeiter des Gefängnisses bei dem 69-Jährigen keine geeignete Vene für die Giftspritze finden konnten. Das bestätigte eine Sprecherin der Gefängnisbehörde. "Diese Form der staatsfinanzierten Folter ist nicht akzeptabel", erklärte Mike Brickner von der American Civil Liberties Union (ACLU). "Der Staat hat ein Spektakel aus dem Tod eines Mannes gemacht."

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Alva Campbell ist für den Mord an einem 18-Jährigen im Jahr 1997 zum Tode verurteilt worden. In der vergangenen Woche lehnte Ohios Gouverneur John Kasich ein Gnadengesuch des Mannes ab. Seine Anwälte hatten argumentiert, dass er zu krank sei, um während der Hinrichtung flach auf dem Tisch zu liegen, ohne dabei zu keuchen. Ihren Angaben zufolge musste bei dem 69-Jährigen der Großteil des rechten Lungenflügels entfernt werden.

Campbell hatte im Rollstuhl in den Hinrichtungsraum gebracht werden müssen - und hatte ein Atemhilfegerät dabei. Nach Angaben seiner Anwälte leidet der Mann an schwerem Lungenversagen und ist täglich auf Hilfe beim Atmen angewiesen. Außerdem habe er ein Lungenemphysem.

Campell kamen die Tränen

Die Zeitung "Columbus Dispatch" berichtete, die Hinrichtung sei zunächst für mindestens 45 Minuten verschoben worden, während Mitarbeiter des medizinischen Teams nach einer geeigneten Vene gesucht hätten. Campell sei zweimal in den linken und zweimal in den rechten Arm gestochen worden sowie einmal ins rechte Bein. Irgendwann habe er seine Brille abgezogen und sich die Augen gerieben. Es habe den Anschein gemacht, als ob er weine, schrieb die Zeitung weiter.

Nach jedem Versuch habe ein Mitglied des medizinischen Teams dem Todeskandidaten auf die Schulter geklopft. Als die Hinrichtung abgebrochen wurde, hätten die Mitarbeiter dem Todeskandidaten die Hand geschüttelt, hieß es in dem Bericht. Ein neuer Termin für die Hinrichtung steht noch nicht fest. Die ACLU forderte, die "grausame und anormale Praxis" der Hinrichtung per Giftspritze müsse beendet werden.

Quelle: n-tv.de