Panorama

40 Badetote in FrankreichHitzewelle in Westeuropa: Fällt Deutschlands Temperaturrekord?

23.06.2026, 16:22 Uhr
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Sonnenanbeterinnen am Strand von Tynemouth in England. (Foto: picture alliance / PA Images)

Extreme Temperaturen belasten Europa von Spanien bis Deutschland. Während in Frankreich ein Atomkraftwerk vom Netz genommen wird, fällt in England teilweise der Unterricht aus. Hierzulande dürfte die Hitzewelle zum Wochenende ihren Höhepunkt erreichen.

Hitzewarnungen fast überall in Deutschland, Frankreich, Spanien und in zahlreichen italienischen Städten: Extrem hohe Temperaturen haben Westeuropa bis hinauf nach England weiter im Griff. Der Deutsche Wetterdienst veröffentlichte Warnungen vor extremer Hitze für weite Teile Nordrhein-Westfalens sowie für Teile von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Eine einfache Hitze-Warnung gilt fast im gesamten Rest des Landes, nur nicht im Norden von Brandenburg, im Großteil von Mecklenburg-Vorpommern und dem Norden von Schleswig-Holstein. Es ist bereits die zweite Hitzewelle in Westeuropa in nur knapp einem Monat.

Hierzulande werden die Temperaturen am morgigen Nachmittag laut den ntv-Meteorologen 30 bis 35 Grad Celsius erreichen, im Südwesten sind sogar 36 bis 39 Grad möglich. Damit ist der Höhepunkt der Hitzewelle aber noch nicht erreicht. Bis Samstag seien sogar 41 Grad möglich, so die Wetterexperten. Damit könnte der bisherige deutsche Hitzerekord für den Monat Juni von 2019 gebrochen werden. Der insgesamt höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen wurde nur knapp vier Wochen später, am 25. Juli 2019, mit 41,2 Grad gemessen. Erst im Laufe des Wochenendes steigt von Westen das Gewitterrisiko deutlich an. 

Frankreich meldete bereits heute die heißeste Nacht seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Mehr als die Hälfte des Landes sind von der höchsten Hitzewarnstufe Rot betroffen, in zahlreichen weiteren Départements gilt die zweithöchste Warnstufe. Damit sind etwa 90 Prozent der Bevölkerung von potenziell gesundheitsschädlichen Extremtemperaturen betroffen. Wegen der extremen Hitze wurde das südfranzösische Atomkraftwerk Golfech heruntergefahren.

Die Hitzewelle in Frankreich mit Temperaturen von bis zu 43 Grad bremst voraussichtlich einige der Atomkraftwerke aus. Angesichts der extremen Temperaturen fuhr der staatliche Stromkonzern EDF das Kernkraftwerk Golfech im Süden des Landes in der Nacht zu Dienstag herunter. Für drei weitere Kraftwerke kündigte EDF ebenfalls Einschränkungen des Betriebs an. Grund dafür sei die gestiegene Wassertemperatur in den Flüssen, aus denen das Kühlwasser für die Kraftwerke entnommen wird. Die Auswirkungen der Maßnahmen auf die Stromproduktion seien aber zu vernachlässigen, hieß es.

Die spanische Wetterbehörde Aemet rief die höchste Alarmstufe Rot für Gebiete rund um das südspanische Córdoba sowie im Norden des Landes für Bilbao und Teile der Region Kantabrien aus. Für weite Teile von Zentral- und Nordspanien gilt die zweithöchste Alarmstufe Orange, für fast den gesamten Rest des Landes die Hitze-Warnstufe gelb. Für das im Norden gelegene Baskenland wurden Temperaturen von bis zu 40 Grad im Schatten vorhergesagt.

Am Montag hatten 101 der 828 Aemet-Wetterstationen im Land Temperaturen von mindestens 40 Grad registriert. Bei etwa 30 Messstationen sanken die Temperaturen in der Nacht zu Dienstag nicht unter 25 Grad. An der Küste von Almeira in der südlichen Region Andalusien lagen die Temperaturen die dritte Nacht in Folge auch nach Sonnenuntergang bei über 30 Grad.

In Italien rief das Gesundheitsministerium für 15 Städte, darunter Rom und Mailand, die höchste Hitze-Alarmstufe aus. Ab Mittwoch gelte die Alarmstufe Rot zudem für eine 16. und ab Donnerstag für eine 17. Stadt. Zu den damit verbundenen Empfehlungen gehört es, sich in den heißesten Stunden des Tages drinnen aufzuhalten, viel zu trinken und besonders auf gefährdete Mitmenschen zu achten. Wegen der übermäßigen Nutzung von Klimaanlagen kam es in Mailand und Turin zu Stromausfällen. In der Zeitung "Corriere della Sera" beschwerte sich ein Ärzteverband über schlecht oder gar nicht funktionierende Klimaanlagen in sieben staatlichen Kliniken in Rom.

Mehr als 25 Grad in Rhein und Mosel

Die Hitzewelle, die am Wochenende begonnen hatte, führt außerdem zu mehr tödlichen Badeunfällen. Auch in Deutschland wird die Liste solcher Unglücke immer länger. In Nordrhein-Westfalen starb ein 14-Jähriger nach einem Badeunfall im Rhein-Herne-Kanal, wie die Polizei in Gelsenkirchen mitteilte. Ein gemeinsam mit ihm verunglückter 19-Jähriger schwebte demnach weiter in Lebensgefahr. In Hessen wurden zudem drei im Rhein bei Biblis vermisste Männer tot geborgen. Ein anderer Mann starb nach dem Schwimmen in der Regattastrecke Oberschleißheim bei München im Krankenhaus, in Heddesheim in Baden-Württemberg wurde zudem ein vermisster Schwimmer tot aus einem Badesee gezogen. In Frankreich kamen seit Donnerstag vergangener Woche 40 zumeist junge Menschen bei Badeunfällen ums Leben.

Wegen der Hitze-Belastung wurde in England an einigen Schulen der Unterricht verkürzt oder gestrichen. Für Mittwoch und Donnerstag rief die britische Wetterbehörde Met Office für Gebiete in Südengland die höchste Hitzewarnstufe Rot aus, die im Vereinigten Königreich bislang nur ein Mal, und zwar im Juli 2022, ausgerufen worden war. Wegen der Hitze strichen mehrere Bahn-Unternehmen bis Donnerstag einen Teil ihrer Verbindungen. In Belgien sagte das Meteorologie-Institut IRM eine Woche mit den höchsten Temperaturen seit Aufzeichnungsbeginn voraus.

Unterdessen haben die Behörden in Rheinland-Pfalz bereits die erste Warnstufe ausgerufen, weil sich Rhein und Mosel stellenweise auf mehr als 25 Grad Celsius erwärmt haben. Die Temperatur im Rhein wird sich voraussichtlich noch weiter auf 27 Grad Celsius erhöhen, wie das rheinland-pfälzische Umweltministerium in Mainz mitteilte. Dem Ministerium zufolge kann durch höhere Temperaturen der Sauerstoffgehalt in den Flüssen sinken. Das könne das ökologische Gleichgewicht empfindlich stören. 

Wissenschaftlern zufolge werden derartige Hitzewellen im Zuge des Klimawandels häufiger und heftiger. "Das Klima-Chaos beschleunigt sich vor unseren Augen", warnte UN-Generalsekretär António Guterres bei der Londoner Klima-Aktionswoche. Die internationale Gemeinschaft müsse daher viel entschlossener gegen die Erderwärmung vorgehen und die Nutzung klimaschädlicher fossiler Energieträger drastisch zurückfahren.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa/AFP

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