Panorama

Zwei Menschen erschossen Höchststrafe in Prozess um Anschlag in Halle

3ca6c7060b8042ea162f7b6d6e6d6904.jpg

B. bei seiner Ankunft in Magdeburg.

(Foto: dpa)

14 Monate nach dem rechtsterroristischen Anschlag von Halle steht das Urteil gegen den Angeklagten fest. Stephan B. muss lebenslang hinter Gitter und anschließend in Sicherungsverwahrung.

Im Prozess um den rechtsextremen Anschlag auf die Synagoge in Halle an der Saale hat das Oberlandesgericht Naumburg die Höchststrafe verhängt. Der Angeklagte Stephan B. wurde in Magdeburg zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Das Urteil erging unter anderem wegen zweifachen Mordes, vielfachen Mordversuchs und Volksverhetzung. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest.

Gegen das Urteil kann Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt werden. Es sei ein "feiger Anschlag" gewesen, sagte die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens bei der Urteilsverkündung. Der Angeklagte habe an vielen Stellen seine Taten und Motive relativiert. Der Mann reagierte mit ausdruckslosem Gesicht auf den Urteilsspruch und begann, sich Notizen zu machen.

Mit dem Richterspruch geht gut 14 Monate nach dem rechtsterroristischen Anschlag von Halle der Prozess zum Attentat zu Ende. Bundesanwaltschaft und Nebenklage hatten eine lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld beantragt. Die Verteidigung hatte dem in ihrem Plädoyer nicht widersprochen.

Am 9. Oktober 2019 hatte der Terrorist versucht, 51 Menschen zu töten, die in der Synagoge von Halle den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur feierten. Er scheiterte an der massiven Tür, erschoss daraufhin die Passantin Jana L. und später in einem Döner-Imbiss Kevin S.. Auf der anschließenden Flucht verletzte er weitere Menschen.

Der Prozess läuft seit Juli vor dem OLG Naumburg, aus Platzgründen findet er jedoch in Magdeburg statt. Der 28-jährige Deutsche Stephan B. hat die Taten gestanden und mit antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Verschwörungstheorien begründet. Das Verfahren ist einer der größten und meist beachteten Prozesse in der Geschichte Sachsen-Anhalts. An 25 Prozesstagen befragte das Gericht dort insgesamt 86 Zeugen und 8 Sachverständige. 45 Überlebende und Hinterbliebene hatten sich der Nebenklage angeschlossen, sie wurden von 23 Anwälten vertreten.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa