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250 Kriterien bei der Vergabe Hotel-Union legt neue Sterne-Regeln fest

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Hotels in der Kölner Innenstadt. In Deutschland sind etwa 8000 Hotels klassifiziert.

(Foto: imago images / Future Image)

Wer ein gutes Hotel sucht, orientiert sich oft an Sterne-Bewertungen. Die für die Einstufung zuständige Hotelstars Union überarbeitet nun ihre Kriterien. Service und Zimmerausstattung sollen die wichtigsten Kategorien bleiben, aber manche Anforderungen ändern sich auch.

Plastikstühle auf dem Balkon, dürftige Zimmerausstattung, keine deutschen TV-Sender: Manche Urlauber wundern sich, wenn ein Vier-Sterne-Hotel in Spanien oder Italien unter ihren Erwartungen bleibt. Schließlich sind viele Reisende aus Deutschland und 16 weiteren europäischen Staaten anderes gewohnt. Hier müssen Hotels den einheitlichen Standard halten, den ihre Sterne auf den Schildern im Eingangsbereich versprechen. Bald könnten sich die Kriterien dafür ändern.

Die Mitgliedstaaten der sogenannten Hotelstars Union, zu denen etwa Spanien und Italien jedoch nicht gehören, testen zurzeit neue gemeinsame Maßstäbe für die Zertifizierung ihrer Hotels. Seit der Gründung 2009 werden Hotelsterne in dieser Union einheitlich vergeben - zuvor herrschte ein Bewertungs-Wirrwarr in ganz Europa. Der neue Kriterienkatalog soll Mitte Oktober final verabschiedet werden und grundsätzlich ab dem kommenden Jahr bis 2025 gelten. Die zuständigen Stellen der Mitgliedsländer haben aber noch bis 2021 Zeit, ihn komplett anzuwenden.

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Bis Mitte 2021 haben Mitglieder der Hotelstars Union Zeit, den neuen Kriterienkatalog komplett anzuwenden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein "harmonisierter Kriterienkatalog" biete Gästen und Hoteliers "mehr Transparenz und Sicherheit", erklärt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), der hierzulande Hotels zertifiziert. Ob die Sterneunion bei der Bewertung aber mit der Zeit geht, ist Ansichtssache. WLAN auf dem Zimmer und Fernseher "angemessener Größe" dürften als Kriterien nicht mehr reichen, um Gäste zu locken.

Punkte für Apps und Ökolabel

Der Katalog, der im Oktober zur Abstimmung steht, wurde von 270 auf 250 Kriterien reduziert und greift "die fast alle Hotelbereiche durchdringende Digitalisierung und die immer mehr auch in den Gästefokus rückenden Nachhaltigkeitsaspekte auf", sagt Markus Luthe, Geschäftsführer des Hotelverbands Deutschland. Aber nur wenige der Neuerungen sind verbindlich.

So sollen Hoteliers zwar künftig mehr Punkte erhalten, wenn sie Ökolabel vorweisen oder Ladestationen für Elektroautos installieren. Sie werden auch motiviert, ihre Website für das Smartphone zu optimieren und ihren Gästen online das Ein- und Auschecken zu ermöglichen. Aber keine dieser Kategorien ist für einen, drei oder fünf Sterne obligatorisch.

Häuser ohne Sterneangabe sind indes nicht automatisch schlecht: "Jeder Betrieb kann selbst entscheiden, ob er sich am Verfahren beteiligen möchte oder aus den unterschiedlichsten Gründen wie Kosten, Kriterien oder Zielgruppenausrichtung nicht", teilt der Dehoga mit. Demnach waren zu Beginn des Jahres etwa 8000 Hotels klassifiziert, rund 40 Prozent der gut 20.000 Hotels in Deutschland.

Beliebte Reiseländer machen nicht mit

Eine Sternebewertung ist drei Jahre lang gültig und basiert unter anderem auf Service, Zimmerausstattung, Gastronomie und Freizeitangebot eines Hotels. Für jede Kategorie legt die Sterneunion im Katalog entsprechende Kriterien fest und ordnet diesen Punktzahlen zu. Wer eine bestimmte Anzahl an Sternen ergattern will, muss in den ersten beiden Kategorien besonders viele Pflichtkriterien erfüllen; außerdem gibt es Mindestpunktzahlen. Hotels, die die erforderlichen Punkte für eine höhere Sternebewertung haben, aber nicht alle Pflichtkriterien dafür erfüllen, erhalten den Zusatz "Superior".

Der Hotelstars Union gehören neben den Gründungsmitgliedern Deutschland, Österreich, Schweden, Tschechien, Ungarn, der Schweiz und den Niederlanden auch Länder wie Estland, Griechenland, Litauen, Malta oder Slowenien an. Doch nicht alle beliebten Reiseziele der Deutschen sind dabei: Frankreich und Italien haben mittlerweile den "Beobachter-Status", Spanien beispielsweise ist kein Mitglied.

Quelle: n-tv.de, Daniel Wolf, AFP

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