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Behörde vermeldet Negativrekord Hunderte Waldbrände wüten am Amazonas

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So viele Brände gab es in der Amazonas-Region seit Jahren nicht.

(Foto: REUTERS)

Brasiliens Präsident Bolsonaro glaubt nicht an den Klimawandel. Die Abholzung des Regenwaldes zugunsten von Farmland stellt für ihn kein Problem dar. Die Verantwortung für die Abertausenden Brände, die in diesem Jahr bereits im Amazonasgebiet aufgetreten sind, weist der Politiker von sich.

Die Zahl der Waldbrände im brasilianischen Regenwald hat in diesem Jahr eine Rekordhöhe erreicht. Insgesamt 72.843 Feuer registrierte das staatliche Raumfahrtforschungszentrum INPE mittels Satelliten-Aufnahmen bereits. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2018 stieg die Zahl der Brände um 83 Prozent - das entspreche einem Rekord, seitdem die Aufzeichnungen im Jahr 2013 begannen.

Das INPE entdeckte seit vergangenen Donnerstag bereits 9507 neue Brände, die vor allem Teile des Amazonas-Regenwaldes bedrohten. Satelliten-Aufnahmen zeigten zudem dichte Rauchwolken, die ganze Landstriche im nördlichen Bundesstaat Roraima verdunkelten. Die Behörden riefen in einzelnen Regionen den Notstand aus. In der Metropole Sao Paulo fiel am Montagabend durch die extreme Rauchentwicklung der Strom aus, wie der Sender BBC berichtete.

In den beiden von Landwirtschaft geprägten Staaten Mato Grosso und Para haben sich den Angaben zufolge in jüngster Zeit vermehrt verheerende Feuer ereignet. Die dortigen Wälder hätten erheblich unter Rodungen gelitten. Das illegale Abholzen, um etwa Weideflächen für Nutztiere zu schaffen, sowie die Trockenzeit begünstigten die Entwicklungen von Bränden in den besagten Gebieten.

INPE-Forscher Alberto Setzer wies jedoch daraufhin, dass natürliche Phänomene wie wenig Niederschlag die Situation nicht ausreichend erklären könnten. "Die Trockenzeit schafft hervorragende Bedingungen für das Entstehen und die Verbreitung der Flammen. Doch das Entzünden des Feuers ist das Werk von Menschen, entweder mutwillig oder durch einen Unfall."

Bolsonaro legt sich mit INPE an

Wegen der aktuellen Entwicklungen steht vor allem der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro in der Kritik. Seine Amtszeit, die im Januar begann, fällt genau in die nun rekordverdächtige Waldbrandsaison. Die Erschließung der Amazonas-Region für Farmer und Bergbauunternehmen rief in der Vergangenheit bereits den Protest von Umweltschützern hervor. Die momentane, unkontrollierte Situation erklärte der rechtsextreme Politiker mit Verweis auf die typische Landerschließung von Bauern und damit verbundene Feuer (Queimada genannt). Er verbat sich entsprechende Kritik. "Ich wurde einst Kapitän Kettensäge genannt. Jetzt bin ich Nero, der den Amazonas in Brand setzt. Dabei ist es die Saison der Queimada", sagte Bolsonaro Reportern.

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Das Bild der INPE zeigt in Gelb eine bis Juli 2018 abgeholzte Fläche im Amazonasgebiet von Humaitá (29,7 Hektar) und in rot die abgeholzte Fläche bis Juli 2019 (120,2 Hektar Fläche).

(Foto: picture alliance/dpa)

Der brasilianische Präsident zweifelt den menschengemachten Klimawandel an und ist ein Freund der Agrarindustrie. Umweltschützer werfen ihm vor, mit seinen Aussagen gegen den Umweltschutz Holzfäller, Bergleute und Bauern zum Raubbau am Amazonaswald zu ermutigen.

Den Direktor des INPE entließ Bolsonaro erst vor kurzem. Er warf ihm vor, falsche Informationen über die Entwicklung des Regenwaldes zu verbreiten. Satelliten-Aufnahmen der Behörde hatten gezeigt, dass der Baumbestand in der vergangenen Monaten an vielen Stellen erheblich reduziert wurde. Allein im Juli wurde in Brasilien demnach vier Mal so viel Wald abgeholzt wie im gleichen Monat des Vorjahres. Als Reaktion auf die verstärkte Rodung legten Deutschland und Norwegen die millionenschwere Förderung für Waldschutz- und Biodiversitätsprojekte in dem südamerikanischen Land auf Eis.

In einer gemeinsamen Mitteilung in der Nacht zu Montag kritisierten die Regionalregierungen von neun Bundesstaaten die "illegale wirtschaftliche Betätigung" in der Amazonasregion und kündigten an, künftig direkt mit den Geberländern des Amazonas-Fonds verhandeln zu wollen. So viele Waldbrände wie in Brasilien gab es in diesem Jahr nirgendwo sonst in der Region. Mehr als 26.000 Brände wüteten in Venezuela, rund 16.000 waren es in Bolivien.

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Quelle: n-tv.de, fzö/rts/AFP

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