Panorama

Nach Verschleppung in Nigeria Hunderte entführte Schülerinnen wieder frei

Bewaffnete Angreifer überfallen in Nigeria ein Internat und verschleppen mehr als 300 Mädchen. Die Dorfbewohner randalieren, Polizei und Militär suchen nach den Vermissten. Dann kommt die Nachricht: Die Schülerinnen sind wieder frei. In Nigeria ist diese Massenentführung kein Einzelfall.

Fünf Tage nach ihrer Entführung aus einem Internat im Norden Nigerias sind alle 279 Schülerinnen wieder frei. Die Mädchen seien am Dienstagmorgen freigelassen worden und bei guter Gesundheit, sagte der Gouverneur des Bundesstaats Zamfara, Bello Matawalle. "Ich freue mich, berichten zu können, dass die Mädchen freigelassen wurden", sagte Matawalle. Die Schülerinnen befänden sich derzeit im Regierungsgebäude in Zamfara.

Bewaffnete Angreifer hatten in der Nacht zum vergangenen Freitag das Mädcheninternat in Jangebe überfallen und 317 Schülerinnen verschleppt. Einigen Dutzend der Mädchen gelang die Flucht. Die Lage in dem Ort war nach der Tat angespannt: Wütende Dorfbewohner griffen einen Fahrzeugkonvoi mit Journalisten, Sicherheitskräften und Behördenvertretern an, der nach der Entführung in das Dorf kam. Die Polizei des Bundesstaates Zamfara startete mit dem Militär eine Such- und Rettungsaktion, der sich laut Augenzeugen auch Eltern und Bewohner von Jangebe anschlossen.

Bei dem Vorfall handelte es sich um den dritten Angriff auf eine Schule in Nigeria binnen drei Monaten. Mitte Februar waren im Nachbarbundesstaat Niger 42 Menschen aus einem Internat entführt worden, darunter 27 Schüler. Zehn Tage später wurden sie wieder freigelassen. Im Dezember waren zudem mehr als 300 Jungen einer Schule in Kankara im Bundesstaat Katsina verschleppt worden. Sie kamen später wieder auf freien Fuß.

Seit Jahren mehren sich die Angriffe krimineller Banden im Norden und im Zentrum Nigerias. Die in Nigeria als "Banditen" bezeichneten Gangs entführen Menschen, um Lösegeld zu erpressen, und sind für Plünderungen und Vergewaltigungen verantwortlich. Die Banden handeln vornehmlich aus finanziellen Motiven und haben keine bekannten ideologischen Ausrichtungen. Es gibt jedoch wachsende Bedenken, dass sie mit Dschihadisten aus dem Nordosten kooperieren könnten. Diese kämpfen seit Jahren für die Errichtung eines islamistischen Staats.

Die Hilfsorganisation Save the Children verurteilte die wiederholten Angriffe auf Schulen als "inakzeptabel". "Schulen dürfen keine Orte der Angst sein, sie müssen sichere Lernorte sein, in denen Kinder spielen, lernen, ihr volles Potenzial entfalten und ausleben können", erklärte Mercy Gichuhi, Länderdirektorin von Save the Children in Nigeria.

Quelle: ntv.de, chf/AFP