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Vorwürfe gegen Behörden Hunderte protestieren nach Flut in Darna

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Die Flut trifft die libysche Stadt Darna besonders massiv. Parallel zu den Aufräumarbeiten wächst die Wut in der Bevölkerung auf die lokale Politik und Behörden. Deren Versäumnisse hätten die Katastrophe verschlimmert, werfen die Demonstranten ihnen vor.

Gut eine Woche nach der Flutkatastrophe in Libyen mit Tausenden Toten haben Demonstranten in der besonders hart getroffenen Küstenstadt Darna schwere Versäumnisse der Behörden angeprangert. Hunderte Menschen versammelten sich vor der großen Moschee der 100.000-Einwohner-Stadt im Osten des Landes und skandierten Slogans gegen das dortige Parlament und dessen Vorsitzenden Aguilah Saleh.

In einer im Namen der Demonstranten verlesenen Erklärung wurden "eine rasche Untersuchung und rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen für die Katastrophe" gefordert. Die Protestierenden forderten die Einrichtung eines UN-Büros in Darna, den unverzüglichen Wiederaufbau der zerstörten Stadt und eine Entschädigung für die von der Katastrophe betroffenen Einwohner.

"Diejenigen, die in der Stadt überlebt haben, in dem, was von der Stadt übrig geblieben ist, gegen diejenigen, die Tod und Zerstörung in die Stadt gebracht haben", kommentierte der Experte Anas el-Gomati den Protest im Onlinedienst X, vormals Twitter.

Das Sturmtief "Daniel" hatte am Sonntag vergangener Woche heftige Überschwemmungen im Osten Libyens angerichtet. Darna wurde besonders schwer getroffen, da dort zwei Flussdämme brachen. Die Wucht, mit der die Wassermassen durch ein ausgetrocknetes Flussbett schossen, war mit der eines Tsunamis vergleichbar.

Knapp 3300 Tote in Darna

Bei den Überflutungen wurden zahlreiche Menschen ins Mittelmeer gerissen. Ein Teil der Stadt wurde unter Schlammmassen begraben. Weiterhin werden täglich Dutzende Leichen aus dem Wasser oder unter Trümmern und Schlammmassen herausgezogen. Nach den jüngsten Zahlen des Gesundheitsministeriums im Osten Libyens kamen in Darna mindestens 3283 Menschen ums Leben, Tausende weitere werden vermisst.

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Der UN-Unterstützungsmission für Libyen zufolge wurden rund 30.000 Einwohner durch die Katastrophe obdachlos. Vor allem verunreinigtes Wasser und der Mangel an Sanitäreinrichtungen bereiten demnach massive Probleme. Es drohe "eine zweite verheerende Krise", warnte die UN-Unterstützungsmission.

In Libyen herrschen seit dem Sturz und gewaltsamen Tod von Machthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos und Gewalt, bewaffnete Milizen und ausländische Söldner bekämpfen sich. Nach Einschätzung von Experten spielte seitdem die Instandhaltung der lebenswichtigen Infrastruktur eine eher untergeordnete Rolle.

Die von der UNO anerkannte Übergangsregierung in der Hauptstadt Tripolis im Westen ringt mit einer Gegenregierung im Osten um die Macht im Land. Die Gegenregierung wird vom dort ansässigen Parlament und dem mächtigen General Chalifa Haftar unterstützt. Geplante Wahlen wurden wiederholt verschoben.

Quelle: ntv.de, als/AFP

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