Gedenken von Mussolini-AnhängernHunderte zeigen bei Versammlung in Rom Faschistengruß

In Rom wurde vor 48 Jahren auf drei Neofaschisten geschossen, sie starben sofort beziehungsweise nach kurzer Zeit. Bis heute wird an den Vorfall erinnert. Dabei kommt es mehrmals zum Zeigen einer unter Umständen verbotenen Geste.
Bei einer neofaschistischen Versammlung in Rom haben Hunderte Menschen ihre rechten Arme in die Höhe gestreckt und den Faschistengruß gezeigt. Die Geste ist in Italien als "saluto romano" (römischer Gruß) bekannt. Obwohl das Zeigen der Geste unter bestimmten Umständen strafbar ist, wird sie bei Zusammenkünften von Neofaschisten und Anhängern des früheren italienischen Diktators Benito Mussolini immer wieder gezeigt.
In Italien ist das Zeigen des Faschistengrußes bei reinen Gedenkveranstaltungen erlaubt, wenn keine politische Absicht dahintersteckt. Das geht auf eine Entscheidung des obersten italienischen Gerichts aus dem Januar 2024 zurück. Wenn der "saluto romano" jedoch Teil einer politischen Aktion ist, die zum Ziel hat, die faschistische Partei wieder an die Macht zu führen, kann er bestraft werden. Bei Demonstrationen wie dieser sind die ausgestreckten Arme deshalb in der Regel erlaubt.
Mit der Kundgebung vor dem ehemaligen Sitz der neofaschistischen Bewegung Movimento Sociale Italiano (MSI) in der Via Acca Larentia wurde an den 7. Januar 1978 erinnert. Damals erschossen dort Linksterroristen zwei junge Neofaschisten, ein dritter starb später. Seither finden alljährlich Gedenkfeiern von Mussolini-Anhängern statt, die stets nach dem gleichen Muster ablaufen. Jedes Jahr sorgt das Gedenken und die Kundgebung bei linken Gruppen und der Opposition für Empörung.
Die Zeitung "La Stampa" veröffentlichte ein Video von der Szene aus der Vogelperspektive. Zu sehen ist, wie zumeist schwarz gekleidete Menschen auf den Ruf "Für alle gefallenen Kameraden" mit dem Zuruf "Presente" (zu Deutsch: anwesend) antworten und dabei ihre rechten Arme zum Faschistengruß in die Höhe strecken. Insgesamt drei Wiederholungen dieser Szene gibt es.
In der vergangenen Nacht wurden vier Aktivisten der Jugendorganisation der rechten Partei Fratelli d'Italia (Brüder Italiens) von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bei einer Plakataktion für den Jahrestag der Morde in der Via Acca Larentia angegriffen. Die Täter sind unbekannt.
Meloni schrieb anlässlich des Jahrestages in den sozialen Medien: "Wenn Dissens zur Aggression wird, wenn eine Idee mit Gewalt zum Schweigen gebracht wird, verliert die Demokratie. Immer." Politische Gewalt sei in jeder ihrer Formen eine Niederlage, so Meloni weiter. Sie steht seit drei Jahren an der Spitze einer Dreierkoalition aus rechten und konservativen Parteien. Die Politikerin war als Jugendliche selbst Mitglied der MSI-Jugendbewegung.