Panorama

Pandemie verschärft Situation Immer mehr Kinder in Psychotherapie

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Anlass für eine Therapie sind häufig Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen, etwa nach Trauererlebnissen oder Mobbing.

(Foto: imago images/Westend61)

Immer mehr Kinder und Jugendliche sind in psychotherapeutischer Behandlung - laut einem neuen Bericht der Barmer-Krankenkasse hat sich ihre Zahl in elf Jahren mehr als verdoppelt. Auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie bereiten Grund zur Sorge.

Unabhängig von der Corona-Krise sind immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland in psychotherapeutischer Behandlung. Im Corona-Jahr 2020 gingen laut dem neu veröffentlichten Barmer-Arztreport insgesamt 6,3 Prozent mehr Anträge von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 24 Jahre ein als im Vorjahr - insgesamt 44.000. Berücksichtigt wurden neben Anträgen auf eine klassische Psychotherapie auch Anträge auf Akutbehandlungen, die auf eine kurzfristige Verbesserung der Symptomatik ausgerichtet sind.

Innerhalb von elf Jahren hat sich die Zahl der Patienten mehr als verdoppelt, wie aus dem Bericht hervorgeht. Im Jahr 2019 benötigten rund 823.000 Kinder und Jugendliche psychotherapeutische Hilfe. Anlass für eine solche Therapie sind dem Bericht zufolge häufig Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen, etwa nach Trauererlebnissen oder Mobbing, Depressionen, Angststörungen sowie emotionale Störungen des Kindesalters.

Die Corona-Pandemie samt strikter Kontaktbeschränkungen dürfte nach Einschätzung der Experten die Situation weiter verschärfen. Gerade jetzt seien die Kinder und Jugendlichen stark psychisch belastet. "Die Corona-Pandemie hinterlässt besonders bei den jungen Menschen Spuren, die ohnehin schon psychisch angeschlagen sind", erklärte Barmer-Chef Christoph Straub. Hier sei eine schnelle und unkomplizierte Hilfe besonders wichtig.

Größter Bedarf in Berlin

Insgesamt gibt es ein regionales Gefälle bei der Inanspruchnahme psychotherapeutischer Leistungen. Am größten war im Jahr 2019 demnach der Bedarf in Berlin mit 5,19 Prozent aller Kinder und Jugendlichen, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Hessen. Den geringsten Anteil verzeichnete Mecklenburg-Vorpommern mit 3,33 Prozent aller jungen Menschen. Allerdings war hier die Steigerungsrate bei der Inanspruchnahme seit dem Jahr 2009 mit 239 Prozent am größten, gefolgt von Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Die niedrigste Steigerungsrate verzeichnete Bremen mit 52 Prozent.

Psychische Probleme haben heute insgesamt einen höheren Stellenwert als früher. Die Reform der Psychotherapierichtlinie erleichterte Straub zufolge im Jahr 2017 zudem den Zugang zu psychotherapeutischen Angeboten. Nach Angaben von Joachim Szecsenyi, Autor des Reports und Geschäftsführer des Aqua-Instituts in Göttingen, sind die regionalen Unterschiede allerdings rein medizinisch nicht erklärbar. Hier seien weitere Analysen erforderlich.

Behandlung dauert oft Jahre

Viele junge Menschen leiden den Ergebnissen zufolge über Jahre an psychischen Störungen. Bei Kindern und Jugendlichen, die 2014 erstmals eine Psychotherapie erhalten hatten, wurde in mehr als jedem dritten Fall bereits fünf Jahre vor Start der Therapie zumindest eine psychische Störung dokumentiert.

Zudem dauert die Therapie oft Jahre. Bei knapp 41 Prozent beschränkten sich die Psychotherapiesitzungen auf maximal ein Jahr, mehr als ein Drittel (36,4 Prozent) erhielten auch mehr als zwei Jahre nach Start der Behandlung noch Psychotherapien. Bei 62,5 Prozent aller Betroffenen wurden auch noch fünf Jahre nach Therapiebeginn psychische Störungen diagnostiziert.

Quelle: ntv.de, hek/AFP/dpa

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