Panorama

Ethikrat-Mitglied fordert Impfgegner sollen auf Beatmung verzichten

Bald soll die Corona-Impfkampagne auch in Deutschland an den Start gehen. Doch die Skepsis in der Bevölkerung ist hoch. Ethikrat-Professor Henn wendet sich nun an alle Impfverweigerer und stellt offen die Frage, ob diese im Falle einer Erkrankung lebensrettende Maßnahmen erhalten sollten.

In einem Brandbrief fordert der Humangenetiker und Mitglied des Ethikrats der Bundesregierung, Wolfram Henn, Verweigerer einer Corona-Impfung dazu auf, auch auf Notfallmaßnahmen im Krankheitsfall zu verzichten. "Wer partout das Impfen verweigern will, der sollte, bitte schön, auch ständig ein Dokument bei sich tragen mit der Aufschrift: Ich will nicht geimpft werden! Ich will den Schutz vor der Krankheit anderen überlassen! Ich will, wenn ich krank werde, mein Intensivbett und mein Beatmungsgerät anderen überlassen", zitiert die "Bild-Zeitung" den 59-Jährigen.

Eine grundlegende Skepsis könne er verstehen, offene Fragen sollten aber an Experten gerichtet sein. Vorurteilen gegenüber dem schnell entwickelten Impfstoff widerspricht er deutlich: "Forscher weltweit haben mit riesigem Aufwand das Tempo erhöht, aber nicht auf Kosten der Sicherheit." Eine Impfpflicht schließt Henn jedoch aus.

Der Professor der Universität des Saarlandes richtet einen Appell an Verschwörungsideologen und Impfgegner: "Diesen Panikmachern empfehle ich dringend, mal ins nächste Krankenhaus zu gehen und ihre Verschwörungstheorien den Ärzten und Pflegern zu präsentieren, die gerade völlig ausgepowert von der überfüllten Intensivstation kommen."

Viele sind noch unsicher

Laut RTL/ntv-Trendbarometer wollen sich 47 Prozent der Deutschen schnellstmöglich impfen lassen. 40 Prozent wollen erst einmal abwarten. 11 Prozent schließen eine Impfung aus. Ein Urteil über die Zulassung des Biontech/Pfizer-Impfstoffes durch die europäische Arzneimittelbehörde Ema wird nächste Woche erwartet.

Auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, fordert Konsequenzen für Gegner einer Corona-Impfung. "Zu prüfen wäre daher, ob Impfverweigerer wegen der aus ihrem Verhalten resultierenden externen Effekte dadurch sanktioniert werden können, dass bei ihnen kein Versicherungsschutz im Falle einer Covid-19-Erkrankung besteht", schreibt der Ökonom im "Handelsblatt".

Eine Impfverweigerung sei nicht nur ein unsolidarisches Verhalten, im Krankheitsfall verursache die Person zusätzlich enorme Kosten für die Allgemeinheit. Impfgegner aus dem solidarischen Finanzierungsprinzip herauszunehmen, hält Hüther daher für gerechtfertigt. "Natürlich, das geht erst einmal nur in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Und ja, es ist eine teilweise Abkehr des Solidarprinzips. Dem steht aber das Schutzinteresse der Solidargemeinschaft vor übergebührlicher Inanspruchnahme entgegen", heißt es.

Quelle: ntv.de, mdi