Panorama

90 Prozent Impfbereitschaft Impfpflicht für Lehrer läuft ins Leere

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Die Hauptinfektionsgefahr für Kinder und Jugendliche in Schulen drohe nicht von Lehrkräften, sondern von Gleichaltrigen, meint Lehrerpräsident Meidinger.

(Foto: imago images/spfimages)

In Deutschland wird eine Corona-Impfpflicht als Mittel gegen die Pandemie diskutiert. Dabei rücken bestimmte Berufsgruppen wie Pflegekräfte oder Schulpersonal in den Fokus. In Berufsverbänden und Politik stößt die Idee auf wenig Gegenliebe.

Frankreich erhöht in der Corona-Krise den Druck: Sind Beschäftigte im Gesundheitswesen nicht geimpft, müssen sie bald um ihren Job fürchten. In Deutschland wird es zu einem ähnlichen Szenario wohl nicht kommen. Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, hält eine Corona-Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen in Deutschland für unnötig. Auch vom Lehrerverband und aus der Politik gibt es kaum Zuspruch.

Äußerungen von Lehrerpräsident Heinz-Peter Meidinger zufolge haben sich die meisten Lehrer ohnehin bereits die erste Spritze geben lassen. Er argumentierte in der "Augsburger Allgemeinen": "Nach unserem Kenntnisstand ist die Impfbereitschaft bei Lehrkräften sehr hoch, so liegt die Quote der bereits erstgeimpften Lehrkräfte in einigen Bundesländern bei nahe 90 Prozent." Die Hauptinfektionsgefahr für die Kinder und Jugendlichen drohe also nicht von Erwachsenen und schon gar nicht von Lehrkräften, sondern von Gleichaltrigen.

Im ZDF wies Buyx darauf hin, dass der Ethikrat zwar ganz vorsichtig erklärt habe, unter bestimmten Umständen könnte man über solche berufsbezogenen, sehr eng begrenzten Impfpflichten nachdenken. "Allerdings würde ich sagen, dass diese Umstände gar nicht zutreffen", betonte sie. Erstens gebe es für die meisten vulnerablen - also besonders gefährdeten - Gruppen andere Möglichkeiten zum Schutz. "Und: Wir haben viel bessere Impfraten bei den unterschiedlichen Berufsgruppen als beispielsweise in Frankreich. Beim Gesundheitspersonal und bei den Lehrerinnen und Lehrern haben wir wirklich super Impfraten. Deswegen brauchen wir das gar nicht, glaube ich."

In Deutschland hatte der Humangenetiker Wolfram Henn vom Deutschen Ethikrat eine Corona-Impfpflicht für Beschäftigte in Schulen und Kitas gefordert. Buyx erklärte, der Kollege spreche für sich. "Ich glaube nicht, dass das kommt, weil wir das wirklich nicht brauchen werden." Allerdings mache auch ihr die Situation der jungen Generation Sorgen. Sie verwies darauf, dass es für die 12- bis 17-Jährigen derzeit keine allgemeine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission gibt und für Kinder unter 12 noch keinen in der EU zugelassenen Impfstoff. "Man kann ja nicht sagen, wir lassen das Virus jetzt durch diese Gruppen krachen oder wir schauen zu, wie die Schulen wieder zumachen müssen, weil da einfach völlig ungeregelte Infektionen stattfinden", sagte Buyx. "Da muss jetzt unbedingt was passieren, um diese Gruppen auch gut zu schützen."

Söder schlägt "Impfen to go" vor

Auch aus der Politik kam vorwiegend Kritik an einer möglichen Impfpflicht. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sprach sich deutlich dagegen aus: "Ich halte eine Impfpflicht in Deutschland für falsch, aber wir müssen die Impfbereitschaft erhöhen", sagte er RTL/ntv. Man müsse nun kreative Wege finden, um die Menschen zu erreichen und zu überzeugen, dass Impfen der Weg aus der Krise sei. Als Beispiel nennt er den Einsatz von mobilen Impfteams und ein Angebot von Impfungen an Urlaubsorten.

Bei den Anreizen soll es laut CSU-Chef Markus Söder aber Grenzen geben. Geldzahlungen als Anreiz seien nicht sinnvoll. Nicht ein Hundert-Euro-Schein müsse der größte Gewinn sein, sondern "der größte Gewinn ist Freiheit". Geimpfte müssten mehr Freiheitsrechte haben als Ungeimpfte, sagte Söder im Deutschlandfunk. Söder sprach sich dafür aus, niederschwelligere Angebote für Corona-Impfungen zu machen, etwa durch ein "Impfen to go".

Quelle: ntv.de, mba/dpa

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