Panorama
Donnerstag, 26. März 2015

Auswahlverfahren für Piloten: Intensive Checks gibt es nur am Karrierebeginn

Pilotenanwärter müssen hohe Hürden überwinden. Doch im Lauf ihrer oft langjährigen Karriere wird ihre psychische Verfassung nicht noch einmal überprüft. Betriebsinterne Meldemechanismen sollen dennoch Sicherheit garantieren.

Piloten bei der Ausbildung
Piloten bei der Ausbildung(Foto: picture alliance / dpa)

Nach allem was bisher bekannt ist, war Andreas Lubitz ein unauffälliger Pilot. Bei Beginn seiner Ausbildung hat er laut Lufthansa alle nötigen Untersuchungen erfolgreich absolviert. Auch als er nach einer Unterbrechung die Ausbildung wieder aufnahm, seien alle Kriterien erfüllt worden. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte: "Er hat alle Tests und Checks in der Folgezeit bestanden, war 100-prozentig flugtauglich. Seine fliegerische Leistung war immer einwandfrei."

Doch was bedeutet das konkret? Verkehrspiloten werden zu Beginn ihres Berufslebens und bei Neueinstellung intensiv auf ihre psychische Eignung und Stabilität getestet. Die Lufthansa und andere Airlines arbeiten dabei schon seit langem mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zusammen. Es konfrontiert die Bewerber im Rahmen mehrtägiger Tests mit komplizierten Aufgaben, unter anderem um ihr Konzentrationsvermögen, ihre Fähigkeit zum Multitasking, ihre Stressresistenz und ihr technisches Verständnis generell einzuschätzen.

Teil des Auswahlverfahrens ist aber auch eine Analyse persönlichkeitsbezogener Merkmale. Dabei wird laut DLR und Lufthansa mittels Einzelgesprächen und Gruppenaufgaben unter anderem geprüft, ob ein Bewerber belastbar, kooperationsfähig und zur Selbstreflektion in der Lage ist. Auch seine Motivation ist Thema in dieser Runde. Besteht er nicht, akzeptiert ihn das Unternehmen nicht.

Später folgen regelmäßige medizinische Checks, in denen auch Gespräche über die allgemeine Lebenssituation der Piloten geführt werden. Regelmäßige Persönlichkeitstests gibt es aber nicht. In Europa ist ein Flugtauglichkeitszeugnis der sogenannten Klasse 1 erforderlich, das von amtlich als geeignet definierten Einrichtungen und Medizinern anhand festgelegter Kataloge vergeben wird. Dieses Zeugnis ist zwischen sechs und zwölf Monate gültig, dann muss es erneuert werden. Bestandteil der regelmäßigen Tests sind unter anderem Blut- und Urinanalysen. Hinzu kommen je nach Alter und persönlichem Gesundheitsstatus weitere Untersuchungen in unterschiedlichen Intervallen - etwa Überprüfungen der EKG-Werte, der Sehkraft und der Lungenfunktion.

Spohr bestätigt dieses Prozedere auch für Lufthansa und Germanwings. "Wir werden uns hinsetzen und sehen: Was können wir besser machen bei der Ausbildung?", kündigte Spohr an. Konkrete Schritte nannte er zunächst nicht.

Spohr ist von Mechanismen überzeugt

Wie lässt es sich verhindern, dass sich psychisch labile Piloten ins Cockpit setzen. Wissler beschreibt: Es gibt bei der Lufthansa wie auch bei anderen Fluggesellschaften klare Vorgaben an die Crews, auffälliges Verhalten bei Kollegen zu melden, was auch anonym geschehen könne, berichtet der Experte.

Die Beschäftigten seien dazu angehalten, schon bei kleinsten Anzeichen etwa von Alkoholismus, Depressionen oder psychischer Instabilität Alarm zu schlagen. "Das geschieht auch. Selbst beim Briefing vor dem Start kann der Kapitän noch jedes Besatzungsmitglied vom Flug ausschließen, wenn es sich auffällig verhält." Auch habe der Co-Pilot das Recht, den Kapitän abzulehnen.

Nach seiner Kenntnis gebe es bei Lufthansa in dieser Beziehung sehr hohe Sicherheitsstandards, sagte Wissel. Auch Lufthansa-Chef Spohr berief sich immer wieder auf den guten Ruf der Fluglinie in dieser Hinsicht. "Das Cockpit-Personal wird bei uns sehr, sehr sorgfältig ausgewählt. Trotz dieses fürchterlichen Einzelfalles haben ich und meine Kollegen im Vorstand und bei der Germanwings festes Vertrauen in dieses seit Jahren erprobte Verfahren", sagte Spohr weiter. "Sie sind und bleiben die besten der Welt."

Quelle: n-tv.de