Historiker wiegeln abInternet will Handy auf einem Bild von 1937 entdeckt haben

Ein fast 90 Jahre altes Gemälde sorgt im Internet für Aufsehen und löst eine bizarre Verschwörungstheorie aus. Ein auf dem Kunstwerk dargestellter indigener Mann soll ein modernes Smartphone in der Hand halten.
Das Gemälde "Mr. Pynchon and the Settling of Springfield" des italienisch-amerikanischen Wandmalers Umberto Romano dürfte den wenigsten ein Begriff sein. Das fast 90 Jahre alte Kunstwerk sorgt jedoch gerade im Internet für Aufregung. Ein X-Nutzer will auf dem Bild, das 1937 entstand und eine Szene aus dem 17. Jahrhundert zeigt, ein modernes Smartphone ausgemacht haben. "iPhone in Gemälde von 1937 GERADE ENTDECKT???", schrieb die Person auf X.
Das Bild zeigt im Zentrum William Pynchon, der als Gründer der heutigen Stadt Springfield im US-Bundesstaat Massachusetts gilt. Pynchon zog 1590 von England nach Nordamerika und kam in der Massachusetts Bay Colony an. 1636 kaufte er das Land, aus dem später Springfield werden sollte, von Indigenen.
Das Wandgemälde stellt nicht nur einen einzelnen Moment der Stadtgründung dar, sondern ein Mosaik der Entstehungsgeschichte der Siedlung. Pynchon spielt dabei die zentrale Rolle und überwacht die Interaktionen zwischen den englischen Siedlern und den einheimischen Völkern. Es befindet sich im Commonwealth of Massachusetts State Office Building, das früher das Hauptpostamt von Springfield war.
Historisch plausible Erklärung
Das Wandgemälde war eines von sechs, die für das Postamt geschaffen wurden und die Romano zusammen mit Studierenden fertigstellte. Finanziert wurde das Projekt vom Federal Arts Project, einem Regierungsprogramm von 1935 bis 1943, das während der Großen Depression bildende Künstler beschäftigte, so das Smithsonian National Postal Museum.
Auf dem Bild ist ein indigener Mann zu sehen, der auf einen rechteckigen Gegenstand schaut, dessen Rückseite schwarz und mit verschiedenen Zierelementen versehen ist. Mit den Sehgewohnheiten von heute könnte man es tatsächlich für ein Handy halten, die aber weder 1937 noch im 17. Jahrhundert existierten. Während einige Nutzer Zeitreisen und andere Verschwörungsmythen in Spiel bringen, haben Historiker eine sehr einfache Erklärung für den rätselhaften Gegenstand, der ein Handy sein könnte.
Sie vermuten, dass es sich um einen Spiegel handelt, in dem sich der Mann betrachtet. Spiegel waren demnach im 17. Jahrhundert in den amerikanischen Kolonien gängige Handelswaren. Um die historische Genauigkeit seines Bildes zu gewährleisten, hatte der Maler Romano den Lokalhistoriker Harry Andrews Wright und die Autorin Esther Forbes konsultiert. Dabei könnten auch solche Informationen ausgetauscht worden sein.