Panorama

Deutscher Sexualstraftäter Ist das der Täter im Fall Maddie?

Nach Jahren scheinbar erfolgloser Ermittlungen gibt es im Vermisstenfall Maddie McCann einen Tatverdächtigen. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen einen 43-jährigen Deutschen. Doch gelöst ist der Fall damit noch nicht.

Wie ist es zu dieser Entwicklung gekommen?

Es gab einen neuen internationalen Aufruf, um die Ermittlungen in dem inzwischen 13 Jahre zurückliegenden Vermisstenfall wieder anzukurbeln. Im Zentrum dieser Überlegungen standen bekannte Sexualstraftäter. Die damals dreijährige Madeleine McCann war am 3. Mai 2007 aus einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz verschwunden. Das Mädchen war dort mit seinen Eltern und den kleinen Geschwistern im Urlaub. Während die Eltern zum Abendessen waren, schlief sie in ihrem Bett. Als die Eltern nach ihr sahen, war sie verschwunden.

Ist ein Täter gefasst?

Nein, aber die Polizei hat einen Tatverdächtigen identifiziert.

Was ist bisher über diese Person bekannt?

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Maddie verschwand kurz vor ihrem vierten Geburtstag.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen einen 43-Jährigen, der bereits mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft sei. Er verbüßt derzeit wegen einer Sexualstraftat und Rauschgifthandels eine längere Haftstrafe in Kiel. RTL/ntv-Informationen zufolge handelt es sich um Christian B. Der Mann ist deutscher Staatsbürger und war zum Zeitpunkt von Maddies Verschwinden 30 Jahre alt. Einem Bericht der "Salzgitter Zeitung" zufolge deutet vieles darauf hin, dass der Verdächtigte identisch ist mit dem Mann, der sich Ende 2019 wegen der Vergewaltigung einer Amerikanerin in Praia da Luz vor dem Braunschweiger Landgericht verantworten musste. Die im Dezember 2019 verhängte siebenjährige Freiheitsstrafe gegen den Mann ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

Wie sind die Ermittler auf diesen Mann gekommen?

Gemeinsame Ermittlungen der britischen, portugiesischen und deutschen Polizei haben zu dieser Person geführt, teilte Christian Hoppe vom BKA in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" mit. Nach einer Sendung im Oktober 2013, bei der die Eltern von Maddie zu Gast waren, war schon einmal ein Hinweis zu dem heutigen Tatverdächtigen eingegangen.

Warum gab es nicht schon 2013 die Festnahme?

Die damaligen Erkenntnisse reichten dafür nicht aus. Es gab später noch einen weiteren Hinweis auf den jetzigen Verdächtigen zum 10. Jahrestag des Verschwindens, aber auch da fehlten Beweise.

Gibt es denn jetzt Beweise?

Bisher reichen die Beweise nicht aus. Trotzdem wurde ein Verfahren wegen Mordverdachts eingeleitet. Hoppe zufolge sind die deutschen Ermittler aber überzeugt, dass "es sich bei dem Tatverdächtigen um den Täter handeln könnte".

Was haben die Ermittler gegen den Mann in der Hand?

Der BKA-Mitteilung zufolge lebte der Mann "zwischen 1995 und 2007 regelmäßig an der Algarve, unter anderem für einige Jahre in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz". In dieser Zeit habe er auch immer wieder Gelegenheitsjobs in der Gastronomie gehabt. Außerdem gebe es Anhaltspunkte, dass er seinen Lebensunterhalt auch durch Straftaten, darunter Einbruchdiebstähle in Hotelanlagen und Ferienwohnungen sowie Drogenhandel, bestritt. Der Verdächtige wurde schon mehrfach wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern zu Freiheitsstrafen verurteilt.

Was erhoffen sich die Ermittler von ihrem Aufruf an die Öffentlichkeit?

Die Polizei geht davon aus, dass viele Bekannte des Mannes nichts von seinen Verurteilungen als Sexualstraftäter wussten. Durch die Ermittlungen gibt es inzwischen Erkenntnisse über die Autos, die der Mann in Portugal genutzt hatte. Gefragt wird jetzt unter anderem nach einem "dunkelfarbenen Jaguar XJR 6", dessen letzte bekannte Zulassung nach dem Tattag von der Stadt Augsburg stammte. Außerdem fuhr er einen weiß-gelben VW T3 Westfalia. Dieser hatte eine portugiesische Zulassung. "Es liegen Hinweise vor, wonach er eines dieser Fahrzeuge zur Begehung der Tat genutzt haben könnte." Deshalb werden Zeugen, die die Autos im Tatzeitraum gesehen haben, gebeten, sich bei der Polizei zu melden. Weitere Fragen beziehen sich auf die portugiesische Mobilfunknummer des Verdächtigen. Von der Telefonnummer + 351 912 730 680 wurde am 3. Mai 2007 zu einer "tatrelevanten Zeit im Bereich von Praia da Luz" mit einer noch unbekannten Person ein Telefonat geführt. Diese Person nutzte die portugiesische Rufnummer + 351 916 510 683. Den Nutzer dieser Nummer, der sich während des Telefonats nicht in dem Bereich aufhielt, sieht die Polizei als wichtigen Zeugen an. Die Ermittler haben zudem zwei Häuser ausfindig gemacht, die der Verdächtige immer wieder in Portugal genutzt hatte. Auch dazu bitten die Ermittler jetzt um Zeugenaussagen.

Wurde Madeleine McCann gefunden?

In der ZDF-Sendung beantwortet Hoppe die Frage mit einem klaren Nein. Trotzdem sind die Ermittler sicher, dass das Mädchen "einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen ist".

Was könnte das Motiv des Mannes gewesen sein?

Das wissen die Ermittler noch nicht. Infrage kämen der beabsichtigte sexuelle Missbrauch eines Kindes oder auch ein Einbruch, bei dem der Täter auf eine Sexualstraftat wechselte.

Könnte es Mitwisser oder weitere Opfer des Mannes geben?

Beides kann die Polizei nicht ausschließen. Auch dazu werden Zeugen gebeten, sich zu melden.

Quelle: ntv.de