Panorama

Von Hängebrücke gefallen Journalist stirbt im Hambacher Forst

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An dieser Stelle stürzte der Journalist in die Tiefe.

(Foto: dpa)

Seit Tagen räumt die Polizei den Hambacher Forst. Zahlreiche Einsatzkräfte sind vor Ort, auch etliche Medienvertreter. Nun kommt es zu einem tragischen Unglück. Ein Journalist stirbt.

Bei einem Sturz aus etwa 15 Metern Höhe ist ein Journalist im Hambacher Forst ums Leben gekommen. Das sagte ein Polizeisprecher vor Ort. Der Mann war zwischen zwei Baumhäusern durch eine provisorische Hängebrücke gebrochen und in die Tiefe gestürzt. Der Unfall habe sich nicht bei einem polizeilichen Zugriff ereignet, betonte der Sprecher. Es "fanden keine polizeilichen Maßnahmen in der Nähe der Unglücksstelle und am genannten Baumhaus statt".

Der Unfall geschah am siebten Tag des großangelegten Polizeieinsatzes, mit dem derzeit Baumhäuser von Klimaaktivisten im Hambacher Forst westlich von Köln geräumt werden. Zuvor hatten die Beamten zwei Sitzblockaden von Kohlegegnern gewaltfrei aufgelöst, wie ein Polizeisprecher sagte. An einer Mahnwache im Hambacher Forst nahmen Beamte einen Kohlegegner fest, der einen Polizisten an der Hand verletzt hatte. Bis zum Nachmittag waren weiterhin 39 der gut 50 errichteten Baumhäuser geräumt. Alle Arbeiten seien nach dem Unfall sofort eingestellt worden, hieß es in einer Mitteilung der Polizei. "Lediglich eine Rettungsmaßnahme in einem Erdschacht in dem Bereich 'Cosy-Town' wurde zu Ende geführt."

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Der Energiekonzern RWE schrieb auf Twitter: "Wir sind zutiefst erschüttert und bedauern den tragischen Unfall im Hambacher Forst sehr." Das Aktionsbündnis "Hambi bleibt" verlangte als Konsequenz einen sofortigen Stopp der Räumung. "Wir fordern die Polizei und RWE auf, den Wald sofort zu verlassen und diesen gefährlichen Einsatz zu stoppen. Es dürfen keine weiteren Menschenleben gefährdet werden", schrieb die Initiative in ihrem Blog.

Zu dem Unglück war es nach Darstellung der Aktivisten vermutlich gekommen, weil der Journalist einen SEK-Einsatz in der Nähe beobachten wollte. Über die zwischen zwei Baumhäusern gespannte Brücke habe er anscheinend näher an den Einsatz herangehen wollen, schrieb die Initiative in ihrem Blog. Dabei sei er aus über 20 Metern Höhe abgestürzt. Der Tote sei "ein Freund, der uns seit längerer Zeit im Wald journalistisch begleitet", betonte das Aktionsbündnis "Hambi bleibt". Auf einer Pressekonferenz sagten die Aktivisten überdies, dass das SEK versucht habe, einen Menschen, der sich in der Nähe des Verunglückten befand, festzunehmen. Warum der Journalist nicht gesichert war, konnte nicht erklärt werden.

500.000 Unterschriften gesammelt

Umweltschützer protestieren im Hambacher Forst zwischen Köln und Aachen seit Jahren dagegen, dass der Energiekonzerns RWE im Herbst weite Teile des Forstes abholzen und die Braunkohleförderung fortsetzen will. In bis zu 25 Metern Höhe hatten sie rund 55 Baumhäuser errichtet und halten den Wald damit seit sechs Jahren besetzt.

Vier Waldbesetzer - zwei Frauen und zwei Männer - sind mittlerweile in Untersuchungshaft. Drei von ihnen verweigerten die Feststellung ihrer Personalien, der Vierte habe einen knienden Polizisten von hinten angegriffen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Aachen. Mit mehr als 500.000 Unterschriften wollen Umweltschützer die NRW-Landesregierung dazu bringen, die geplante Rodung doch noch zu stoppen. Für diesen Donnerstag planen BUND, Campact und Greenpeace die Übergabe der im Internet gesammelten Unterschriften an Ministerpräsident Armin Laschet. Das Motto der Aktion: "Armin lasset!"

Aus Sicht von RWE ist die Abholzung des Hambacher Forsts unvermeidbar, um die Stromproduktion in den Braunkohlekraftwerken zu sichern. Vor Beginn der Kohleförderung war der Wald 4100 Hektar groß; nach Angaben des Tagebau-Betreibers RWE Power wurden bislang 3900 Hektar für den Kohleabbau gerodet, nun soll noch einmal gut die Hälfte des verbliebenen Waldes abgeholzt werden.

Der Wald hat nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) eine 12.000 Jahre lange Geschichte. Es gibt dort Vorkommen streng geschützter Arten wie Bechsteinfledermaus, Springfrosch und Haselmaus. Der Protest vor Ort richtet sich auch gegen den Abbau von Braunkohle allgemein.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP

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