Panorama

Studie zeigt großes Desinteresse Jugend fehlt Alltagsbezug in Nachrichten

236577334.jpg

58 Prozent der jungen Menschen informieren sich auch durch nicht-journalistische Akteure wie Influencer.

(Foto: picture alliance / PHOTOPQR/LE TELEGRAMME/MAXPPP)

Ihrem Alltag zu fern: Die Hälfte aller Jugendlichen hält Nachrichten für uninteressant, heißt es in einer Studie. Influencer spielen dagegen eine große Rolle bei der Meinungsbildung. Experten sehen das kritisch. Die "Wellenlänge junger Menschen" wollen sie anders treffen.

Vielen Jugendlichen in Deutschland geht einer Studie zufolge das Nachrichtenangebot an ihrer eigenen Lebenswelt vorbei. "Die Hälfte der Jugendlichen hält es nicht für wichtig, sich über Neuigkeiten und aktuelle Ereignisse zu informieren. Bei journalistischen Nachrichten fehlt ihnen oft der Bezug zu ihrem persönlichen Alltag", heißt es in einer Studie zur Nachrichtenkompetenz Jugendlicher und junger Erwachsener in der digitalen Medienwelt.

Die Studie mit repräsentativer Befragung ist Teil des Projekts #UseTheNews. Journalistische Angebote sind demnach nur noch eine von vielen genutzten Informationsquellen. 46 Prozent der 14- bis 17-Jährigen widmen sich mehrmals pro Woche journalistischen Angeboten, 58 Prozent schauen auch auf nicht-journalistische Akteure. "Auffällig ist die hohe Relevanz von Influencern auf die Meinungsbildung", heißt es in der Untersuchung. Dies gelte für alle, die sich auch oder ausschließlich im Social-Media-Bereich informierten.

Die Studie beschreibt zudem, dass für junge Leute der wichtigste Grund, sich auf dem Laufenden zu halten, ist, sich an Gesprächen und Diskussionen im Freundes- und Familienkreis beteiligen zu können. "Auffällig ist zudem, dass die Jugendlichen, die das Gefühl haben, politisch etwas bewirken zu können, deutlich mehr Interesse an Informationen über das aktuelle Geschehen äußern."

Strategien von Influencern "nicht vorschnell übernehmen"

Der Medienforscher und Studienleiter Uwe Hasebrink vom Leibniz-Institut betont, dass es innerhalb derselben Altersgruppe sehr unterschiedliche Typen bei der Nachrichtenorientierung gebe. "Der Anteil derjenigen, die als journalistisch-informationsorientiert zu bezeichnen sind, steigt kontinuierlich an." Er steige mit dem Alter an, aber auch innerhalb der Altersgruppen mit der Bildung.

Hasebrink betonte bei der Vorstellung der Studie auch, dass Journalismus zwar in den sozialen Medien vorhanden, aber dort als solcher erkennbar sein müsse. Er sollte Strategien der zahlreichen nicht-journalistischen Akteure in den sozialen Medien nicht vorschnell übernehmen.

Die Aufsichtsratsvorsitzende der Funke Mediengruppe, Julia Becker betonte, es brauche einen solide recherchierten Journalismus, gerade weil die Jugendlichen soziale Medien so intensiv nutzen. "Wir müssen bei aller Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit jedoch auch die Wellenlänge junger Menschen treffen - etwa durch digitale Formate wie Podcasts, Videos oder Online-Beiträge direkt aus der Lebenswelt dieser Generation."

Für eine bessere Übersetzungsleistung plädiert auch ZDF-Chefredakteur Peter Frey. Journalismus solle "erklären, welche konkreten Auswirkungen Nachrichten aus Politik und Wirtschaft auf den Alltag von jungen Menschen haben."

Das bundesweite Projekt ist von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und der Hamburger Behörde für Kultur und Medien initiiert und koordiniert, zahlreiche Partnerinstitutionen unter anderem aus Medien und Wissenschaft beteiligen sich. Das Leibniz-Institut für Medienforschung erstellte die Studie.

Quelle: ntv.de, spl/dpa

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.