Panorama

Nicht mit der "Brechstange" Karagiannidis rät zu Vorsicht bei Quarantäne-Regeln

Karagiannidis

Intensivmediziner Karagiannidis rät zu einer vorsichtigen Verkürzung der Quarantäne-Dauer.

(Foto: Kliniken Köln/Felix Schmitt)

Intensivmediziner Karagiannidis äußert Zurückhaltung bei der geplanten Verkürzung der Quarantäne. Als mahnendes Beispiel nennt er Dänemark. Zudem verdeutlicht er, dass die Omikron-Variante "milder", aber eben nicht "mild" verlaufe.

Der Intensivmediziner Christian Karagiannidis hat sich für ein bedachtsames Vorgehen bei einer möglichen Verkürzung der Corona-Quarantäne ausgesprochen. Daten insbesondere aus Dänemark legten nahe, "dass man die Quarantänezeit schon verkürzen kann", sagte Karagiannidis dem Radiosender WDR 5. "Wir sollten aber auf der anderen Seite nicht ganz vergessen, dass Omikron sehr infektiös ist. Wir haben in Dänemark gesehen, dass man über sieben Tage hinweg auch noch andere Menschen anstecken kann."

Man spreche dabei von der sogenannten "secondary attack rate", also der Frage, wie viele man in seinem Umkreis noch anstecken könne. Und diese Rate habe in Dänemark bei 30 Prozent gelegen. Führe man sich nun die hohen Todeszahlen in Alten- und Pflegeheimen in der Pandemie vor Augen, dann sei es wichtig, bei einer Quarantäneverkürzung nicht mit der "Brechstange" vorzugehen. "Wir müssen uns auch darum kümmern, dass möglichst wenig vulnerable Gruppen, das heißt Ältere und Kinder, angesteckt werden", so Karagiannidis.

Er betonte nochmals, dass die Omikron-Variante nicht "mild", sondern "milder" verlaufe im Vergleich zur Delta-Variante, die extrem aggressiv war. Wenn dann zeitgleich viele Patienten in den Krankenhäusern liegen, kann es dort sehr voll werden. Er rechne damit, dass insbesondere die Notaufnahmen und die normalen Stationen sehr voll werden, und ein wenig nachgeordnet auch die Intensivstationen, einfach aufgrund der extrem hohen Zahl an Covid-Patienten. Eine Überlastung der Kliniken sei nach seiner Meinung daher nicht auszuschließen. Er verwies etwa auf US-Kliniken, die nicht mehr in der Lage seien, infizierte von nicht-infizierten Patienten zu trennen, weil es insgesamt zu viele geworden seien.

Die Regierungschefs der Länder wollen im Laufe des Tages mit Kanzler Olaf Scholz über weitere Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Omikron-Welle beraten. Dabei steht auch eine Verkürzung der Quarantäne im Raum. Karagiannidis ist Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und auch Mitglied des Corona-Expertenrates der Bundesregierung.

Karagiannidis betonte des Weiteren die Bedeutung des Tragens von Masken. Bislang vorliegende Daten legten nahe, "dass die Masken bei Omikron doch eine extrem gute Wirksamkeit haben. Wir hatten erst so ein bisschen die Befürchtung, dass das so infektiös ist wie zum Beispiel Masern oder Windpocken. Der Verbreitungsmechanismus bei Omikron scheint aber doch etwas anders zu sein. Und deswegen haben Masken einen unglaublich hohen Stellenwert." Karagiannidis empfahl, nach Möglichkeit sollte man FFP2-Masken wählen, wenn es irgendwie geht. Er rief zugleich zu Kontaktbeschränkungen auf.

Quelle: ntv.de, als/dpa

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