Panorama

"Viel zu früh für Absage" Karnevalisten entsetzt über Spahns Aussagen

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Volle Straßen, Bützje und Alkohol - das passt nicht in die Zeit.

(Foto: picture alliance/dpa)

Gesundheitsminister Spahn findet es "bitter", aber Karneval in Coronazeiten könne in seinen Augen nicht stattfinden. Karnevalisten sind alarmiert und wehren sich gegen eine pauschale Absage. Sicher scheint: Wenn die närrischen Tage kommen, wird nichts so, wie es sonst gewohnt ist.

Rufe nach einer kompletten Absage der kommenden Karnevalssaison versetzen Vertreter der närrischen Zunft in Aufregung. Der Präsident des Bunds Deutscher Karneval, Klaus-Ludwig Fess, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Es ist im August viel zu früh, Veranstaltungen abzusagen." Und weiter: "Einer Pauschalabsage der Session können wir nicht zustimmen."

Fess reagiert damit auf eine Aussage von Gesundheitsminister Jens Spahn. Dieser hatte laut "Rheinischer Post" in einer Schaltkonferenz des Gesundheitsausschusses des Bundestags für einen Ausfall des Karnevals plädiert. Demnach sagte Spahn: "Ich war selbst Kinderprinz und komme aus einer Karnevalshochburg - ich weiß also, wie wichtig Karneval für viele Millionen Deutsche ist, aber ich kann mir Karneval in diesem Winter, mitten in der Pandemie schlicht nicht vorstellen." Dies sei "bitter, aber so ist es".

Neben Fess wehrten sich Vertreter der Karnevalshochburgen gegen Spahns Forderung. "Eine pauschale Absage mehrere Monate vor der Session halten wir für wenig zielführend", sagte dessen Präsident Christoph Kuckelkorn dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Im WDR-Radio räumte Kuckelkorn jedoch ein: "Der Straßenkarneval, der Kneipenkarneval, das sind so Elemente, die wir uns nicht vorstellen können." Er ergänzte: "Auch Ballveranstaltungen können wir uns nicht vorstellen." Anders sei es bei Karnevalssitzungen mit Hygienekonzept. Man könne ja auch mit Maske in ein Restaurant gehen und diese dann am Platz abnehmen.

Natürlich müsse der Sicherheitsabstand eingehalten werden, sagte Kuckelkorn. Alkohol sei sicherlich eine Komponente, die man berücksichtigen müsse. "Vielleicht gibt es ja auch Veranstaltungen, in denen es auch gar keinen Alkohol mehr gibt oder nur noch eingeschränkt Alkohol." Künstler würden vielleicht anteilsmäßig auf ihre Gage verzichten. Die Vereine müssten jetzt herausarbeiten, was der Kern des Karnevals sei und diesen klein inszenieren. "Das ist auch eine große Chance."

Walter-Borjans: "Karneval mit Abstand geht nicht"

Kuckelkorn sagte, Mitte September werde man vom Landesgesundheitsministerium die vorgelegten Hygienekonzepte bewertet zurückbekommen. Dann werde sich zeigen, wie der Karnevalsbeginn am 11.11. ablaufen werde. "Nach dem 11.11. wissen wir die Auswirkungen, wissen, wie's funktioniert hat, und das sind dann die Erfahrungswerte, die wir für die Session brauchen."

Auch der Präsident des Gonsenheimer Carneval Vereins aus Mainz, Martin Krawietz, erteilte Spahns Überlegungen eine Absage. Im Südwestrundfunk sagte Krawietz, Spahns Aussagen seien nur Meinungsäußerungen gewesen - aber kein konkretes Verbot. "Fakt ist, dass die Fastnacht viele Facetten hat", sagte Krawietz. Dabei sei zu unterscheiden, ob die Fastnacht auf der Straße oder im Saal gefeiert werde. "Es besteht bei allen Vereinen ein Konsens darüber, dass wir die kommende Kampagne nicht so feiern können, wie wir es die vergangenen Jahrzehnte gemacht haben."

Auch SPD-Chef Norbert Walter-Borjans äußerte sich skeptisch über Karneval zu Corona-Zeiten: "Das, was Karneval ausmacht, gerade in den Zentren des Karnevals, das wird nicht gehen", sagte der Rheinländer am Mittwoch im "ntv Frühstart". Er sei "tief traurig, wenn er nicht in der üblichen Form ablaufen kann". Walter-Borjans betonte aber: "Karneval, so wie er ist, geht nicht mit 1,50-Abstand und Schutzmaske." Auch Veranstaltungen, wie man sie kenne, würden so nicht gehen. Am Ende sei das gar nicht kontrollierbar. Deswegen müsse man neue Formen finden.

Quelle: ntv.de, jog/dpa/AFP