Panorama

Robert-Koch-Institut zu Corona Keine Panik, aber die Welt tut nicht genug

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In Panik müsse man nicht verfallen, heißt es vom Robert-Koch-Institut, das Risiko, sich in Deutschland mit dem Coronavirus zu infizieren, sei gering.

(Foto: dpa)

Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen steigt kräftig an, auch mehr und mehr Menschen sterben. Wie gefährlich ist das Virus denn nun wirklich? Dazu äußert sich der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Weiler. Er warnt vor Panikmache - einerseits.

Nach dem ersten Coronavirus-Toten in Europa hat der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Weiler, vor Panikmache gewarnt. "Wir schätzen das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland weiter als niedrig ein", sagte Weiler der Nachrichtenagentur Reuters. Der Verstorbene in Paris sei ein 80-jähriger Chinese, der infiziert worden sei und dann eine komplizierte Lungenentzündung gehabt habe. Weiler sprach von einem tragischen Fall. Man wisse, dass einige ältere und kranke Menschen an dem Virus sterben könnten.

"Aber wenn Sie die Zahl der Fälle außerhalb von China sehen, wird deutlich, dass die Eindämmungsmaßnahmen ziemlich erfolgreich sind", sagte er mit Blick auf die Zahl der Erkrankten in China selbst, die mittlerweile über 68.000 liegt. Im Ausland wurden etwas über 600 Fälle registriert. Das Robert-Koch-Institut analysiere die Lage täglich. Derzeit gebe es kein Land außer China, in dem eine weitere Übertragung des Virus' durch Erkrankte festgestellt worden sei. Weiler erinnerte zudem daran, dass es in der Öffentlichkeit eine verzerrte Wahrnehmung der Gefahren gebe. Als Vergleich nannte er, dass man in Deutschland seit Jahresbeginn bereits 40.000 Influenza-Fälle registriert habe, 60 Erkrankte seien gestorben.

Dennoch warnte auch Weiler vor einer Verharmlosung beim Coronavirus (Covid-19) und forderte vor allem verstärkte Anstrengungen in ärmeren Ländern für den Fall, dass das Virus auch dort auftreten sollte. "Das ist eine sehr dynamische Situation. Die Möglichkeit der Verbreitung ist groß", sagte er. Die Welt unternehme bereits eine Menge. "Aber es ist noch nicht genug. Man muss mehr tun, um die Gesundheitssysteme in ärmeren Ländern zu stärken", sagte Weiler.

Auf Impfstoff noch rund ein Jahr warten

Ein gutes Gesundheitssystem sei in der Lage, einen Ausbruch einzudämmen. "Und wenn sich das Virus nicht verbreitet, braucht es nicht so viele Ärzte für Patienten", sagte er in Anspielung auf die sehr viel dramatischere Lage in China, wo bereits 1700 Ärzte und medizinische Helfer an dem Virus erkrankt sind. "Aber wir brauchen öffentliche, funktionierende Gesundheitssysteme und starke Institutionen wie das Robert-Koch-Institut in jedem Land. Das ist das Wichtigste."

Weiler dämpfte die Hoffnung auf schnelle Erfolge bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Covid-19. "Wenn man optimistisch schätzt, dann braucht es mindestens ein Jahr, bis eine Impfung der Bevölkerung angeboten werden kann", sagte er. Ein Impfstoff könne zwar in drei bis vier Monaten entwickelt werden. "Aber dann braucht es eine klinische Erprobungsphase, die acht bis zehn Monate dauert. Wichtiger sind deshalb derzeit Arbeiten an einer Therapie." In China gebe es schon klinische Studien. Zudem gebe es bereits einige Therapien auf dem Markt gegen andere Viren, die möglicherweise auch gegen Covid-19 wirkten. "Falls sich die Epidemie ausbreitet, kommen Impfungen also auf jeden Fall zu spät. Aber bei den Therapien bin ich viel optimistischer."

Weiler nahm die chinesischen Behörden gegen Kritik an mangelnder Kooperation in Schutz. "Wir haben nicht alle Informationen, die man braucht. Aber man muss verstehen, dass es ein massiver Ausbruch ist", sagte er. Die chinesischen Behörden stünden vor einer Mammutaufgabe, müssten Tausende Ärzte und Pfleger organisieren. "Das ist eine massive Epidemie, die die chinesischen Behörden eindämmen wollen." Er verwies darauf, dass gerade eine Delegation unter der Führung der WHO nach Peking gereist sei, um den Ausbruch zusammen mit den chinesischen Behörden zu untersuchen.

Quelle: ntv.de, vpe/rts