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Missbrauchsopfer siegen Kirche in Chile muss für Vertuschung zahlen

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Späte Genugtuung für drei Opfer in Chile: James Hamilton (links) und Jose Andres Murillo, der ein Bild von Juan Carlos Cruz hält, bekommen jeweils 130.000 Euro.

(Foto: AP)

Drei Opfer eines Ex-Priesters in Chile haben eine Justiz-Odyssee hinter sich. Das Vatikangericht verurteilt den Kleriker nur zu einem "Leben in Gebet und Buße". Das sieht die chilenische Justiz anders: Wegen Vertuschung muss die Diözese eine hohe Summe an die Opfer zahlen.

Die chilenische Justiz hat die katholische Kirche wegen der Vertuschung von Sexualverbrechen eines Priesters zur Zahlung eines hohen Bußgelds verurteilt. Drei Missbrauchsopfer des ehemaligen Priesterausbilders Fernando Karadima sollen von der Erzdiözese von Santiago de Chile jeweils 100 Millionen Peso, umgerechnet 130.500 Euro, als Entschädigung erhalten, hieß es in dem Urteil eines Berufungsgerichts in der chilenischen Hauptstadt. Die Diözese erklärte, sie werde gegen das Urteil keine weitere Berufung einlegen.

Die katholische Kirche sei mitverantwortlich für den Schaden, den ihre Priester anderen Menschen zufügten, wenn sie keine angemessene Überwachung sicherstelle, befanden die Richter. Im Fall Karadima habe die Kirche nicht nur die Sexualverbrechen durch ihre Fahrlässigkeit zugelassen, sondern auch nach der Aufdeckung des Missbrauchs den Täter in Schutz genommen und den Opfern keinerlei Unterstützung angeboten.

Der Ex-Priester steht im Zentrum des Missbrauchsskandals in der chilenischen Kirche. Er war 2011 von der Vatikanjustiz wegen Kindesmissbrauchs in den 80er und 90er Jahren schuldig gesprochen. Allerdings verurteilte ihn das Kirchengericht nur zu einem "Leben des Gebets und der Buße". Erst im September versetzte Papst Franziskus den früheren Priesterausbilder in den Laienstand. Seine drei Opfer hatten ihn bereits vor zehn Jahren vor Kirche und Justiz angeklagt.

Aufarbeitung nach Papstbesuch in Chile

Die Aufarbeitung der Affäre um den Missbrauch durch Priester und die Vertuschung der Taten in der chilenischen Kirche war erst nach einem Besuch des Papstes in Chile Anfang 2018 in Gang gekommen. Alle 34 chilenischen Bischöfe reichten ihren Rücktritt ein. Acht von ihnen wurden seitdem von ihren Aufgaben entbunden, unter ihnen der Erzbischof von Santiago de Chile, Kardinal Ricardo Ezzati.

Die chilenische Justiz führt derzeit fast 160 Ermittlungsverfahren wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Erwachsenen innerhalb der Kirche. Die Vorwürfe reichen bis ins Jahr 1960 zurück.

Papst Franziskus hatte angesichts der Missbrauchsskandale in zahlreichen Ländern im Februar zu einem Krisengipfel in den Vatikan geladen. Er kündigte ein konsequentes Durchgreifen der Kirche an. Opferverbände zeigten sich aber enttäuscht und beklagten einen Mangel an wirklicher Veränderung.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa/AFP

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