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Daten aus Lügde verschollen Kommissaranwärter sichtete Beweismittel

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Beamte des Landeskriminalamtes untersuchten Anfang der Woche die Parzelle des verdächtigen Campingplatz-Bewohners.

(Foto: picture alliance/dpa)

155 Datenträger mit mutmaßlich belastendem Material im Missbrauchsfall auf einem Campingplatz in Lügde sind spurlos verschwunden. Mit ihrer Sichtung war auch ein Polizist in Ausbildung beauftragt. Von einem Diebstahl geht die Staatsanwaltschaft nicht aus.

Im Fall des vielfachen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde ist ein Polizist in Ausbildung mit der Auswertung von sichergestelltem Datenmaterial beauftragt worden. Es handele sich um einen Kommissaranwärter, der mit der Sichtung der Beweismittel betraut gewesen sei, sagte eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Innenministeriums. "Dieses Vorgehen verstößt zwar nicht gegen Dienstvorschriften, ich halte es aber trotzdem für unverantwortlich - gerade in einem derart anspruchsvollen und sensiblen Fall", sagte Landesinnenminister Herbert Reul der "Rheinischen Post".

Der Landrat des Kreises Lippe und Leiter der zuständigen Kreispolizei, Axel Lehmann, sagte zu der Sichtung des Materials durch einen Polizeianwärter: "Das darf nicht normal sein." Dies sei eine handwerkliche Fehlleistung. CDU-Politiker Reul hatte am gestrigen Donnerstag eingeräumt, dass 155 Datenträger, die als Beweismaterial gelten, seit Wochen verschwunden seien. Ein Sonderermittler mit vier Mitarbeitern des Landeskriminalamts soll den Verbleib der Datenträger klären. Die Beamten überprüften nun auch den Einsatz des Polizeianwärters, sagte die Ministeriumssprecherin. Sie machte keine Angaben, ob weitere Ermittler mit der Sichtung der großen Datenmengen betraut gewesen seien.

Als Konsequenz aus dem unter anderem tagelang verschwiegenen Fehlen der Daten entband SPD-Politiker Lehmann den Leiter der Direktion Kriminalität Lippe von der Wahrnehmung seiner Aufgabe, wie er auf einer Pressekonferenz bekannt gab. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft Detmold hat derweil keine Hinweise auf einen Diebstahl der Daten. Bis zum jetzigen Zeitpunkt gehe die Behörde "davon aus, dass die Asservate aufgrund nachlässigen Umgangs nicht auffindbar sind und nicht entwendet wurden". Natürlich werde aber auch die Möglichkeit eines Diebstahls nicht ausgeschlossen. "Bislang haben sich dafür allerdings zureichende tatsächliche Anhaltspunkte nicht ergeben."

Dementsprechend sei im Fall der verschwundenen Beweismittel derzeit auch kein Ermittlungsverfahren anhängig. "Es existiert lediglich ein Prüfvorgang, in dem die laufenden Erkenntnisse gesammelt werden", hob die Behörde hervor. Die nicht auffindbaren Datenträger hatten Ermittler im Fall der jahrelangen Kindesmissbrauchsserie auf dem Campingplatz "Eichwald" in Lügde-Elbrinxen bei dem 56-jährigen Hauptverdächtigen beschlagnahmt.

Es gelte die Unschuldsvermutung

Die Missbrauchsserie von Lügde war am 30. Januar bekannt geworden. Nach jüngstem Ermittlungsstand wurden auf dem dortigen Campingplatz über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren mindestens 31 Kinder missbraucht. Die meisten waren zur Tatzeit zwischen vier und 13 Jahre alt. Neben dem 56-Jährigen sitzen zwei weitere Tatverdächtige in Untersuchungshaft.

Der NRW-Vorsitzende des Bunds deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler, warf Reul im Fall Lügde vor, trotz mehrfacher Warnung nichts gegen personellen Notstand bei der Polizei unternommen zu haben. "Ich selbst habe den Minister schon oft darauf hingewiesen", sagte Fiedler der "Westdeutschen Zeitung". "Und es gab offene Briefe. Da bekommt man warme Worte, aber es passiert nichts. Es fehlt jeder Akt der Wertschätzung."

Der NRW-Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Erich Rettinghaus, forderte in der "Rheinischen Post" eine lückenlose Aufklärung des Verbleibs der Beweismittel. "In keinem Strafverfahren dürfen Beweismittel verschwinden - das geht überhaupt nicht", sagte Rettinghaus. Nun müsse gründlich ermittelt werden, sagte Rettinghaus. "Nichts darf unter den Tisch gekehrt werden, man muss transparent mit dem Fall umgehen." Zunächst aber gelte die Unschuldsvermutung.

Der Missbrauchsskandal von Lügde war am heutigen Freitag auch Thema in einer Plenarsitzung des Düsseldorfer Landtags. Nach dem Willen von SPD und Grünen wird sich nun kurzfristig der Innenausschuss des Landesparlaments mit dem Verschwinden der CDs und DVDs beschäftigten. Die AfD-Opposition forderte die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP

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