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Unwissen oder Täuschungsabsicht? Krankenkasse entlässt Chef nach Impf-Analyse

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In Deutschland wurden bislang rund 150 Millionen Corona-Impfungen durchgeführt.

(Foto: imago images/photothek)

Mit der Analyse zu angeblich zu selten erfassten Impfnebenwirkungen sorgt Krankenkassen-Vorstand Andreas Schöfbeck für Aufsehen. Die Kritik an seiner Auswertung ist riesig, die BKK Provita reagiert umgehend: Schöfbeck ist seinen Job los. Ärztevertreter halten seine Äußerungen für "kompletten Unfug".

Die Krankenkasse BKK Provita hat sich nach einer umstrittenen Analyse zu Impfnebenwirkungen von ihrem Vorstand getrennt. Auf seiner Sitzung am Dienstag habe der Verwaltungsrat beschlossen, "sich mit sofortiger Wirkung vom bisherigen Vorstand Andreas Schöfbeck zu trennen", wie die Versicherung mit Hauptsitz in Bergkirchen nahe München mitteilte. Nachfolger wurde sein Stellvertreter Walter Redl.

"Die gemachten Aussagen spiegeln nicht den aktuellen Wissensstand und die Haltung der Kasse wider. Die BKK ProVita wird die Vorgänge intern aufarbeiten und lehnt eine Vereinnahmung durch die sogenannte „Querdenker“-Bewegung deutlich ab", positionierte sich die Krankenkasse in einer Mitteilung dazu.

Etwa eine Woche zuvor war die BKK Provita wegen eines Briefes von Schöfbeck an den Präsidenten des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Klaus Cichutek, in die Schlagzeilen geraten. Schöfbeck hatte darin nach einer eigenen Auswertung der Arztabrechnungen von knapp elf Millionen Versicherten verbreitet, es gebe in Deutschland "eine sehr erhebliche Untererfassung von Verdachtsfällen für Impfnebenwirkungen". "Die zu Grunde liegende Datenerhebung, Interpretation und auch Veröffentlichung erfolgten unabgestimmt" betonte die BKK ProVita. Offiziell listet das PEI Verdachtsfälle in Deutschland auf.

Kritik an der BKK-Provita-Analyse gab es unter anderem vom PEI, dem Virchowbund, der niedergelassene Ärztinnen und Ärzte vertritt, und dem Bundesgesundheitsministerium, da die Krankenkasse nicht unterschied zwischen vorübergehenden Symptomen nach einer Impfung wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Schmerzen an der Einstichstelle und tatsächlich schweren und anhaltenden Gesundheitsproblemen.

Virchowbund-Vorsitzender macht Schöfbeck schwere Vorwürfe

Kurz gesagt: In der BKK-Provita-Erhebung wurden auch milde und erwartbare Impfreaktionen erfasst, etwa wenn ein Patient wegen Unwohlsein nach einer Corona-Impfung eine Krankschreibung für einen oder zwei Tage benötigte. Solche Symptome sind aber nach dem Infektionsschutzgesetz nicht meldepflichtig beim PEI.

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Schöfbeck hatte in seinem Brief von einem "erheblichen Alarmsignal" gesprochen. Der Bundesvorsitzende des Virchowbundes, Dirk Heinrich, warf daraufhin der BKK Provita "peinliches Unwissen oder hinterlistige Täuschungsabsicht" vor. Die Schlussfolgerungen aus der Datenlage seien "kompletter Unfug".

Bei den 150 Millionen Corona-Impfungen in Deutschland bis Ende 2021 sind dem PEI 244.576 Verdachtsfälle einer Nebenwirkung gemeldet worden, das entspricht einer Quote von 0,16 Prozent. Das heißt aber nicht, dass eine Impfung tatsächlich jeweils die Ursache für die Symptome gewesen sein muss.

Quelle: ntv.de, tsi/dpa

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