Panorama

Raketenfeuer auf beiden Seiten Krawalle in Israel spitzen sich zu

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Die Proteste dauerten bis in die Morgenstunden an.

(Foto: REUTERS)

Israel erlebt die heftigsten Auseinandersetzungen seit Jahren. In Jerusalem leisten sich Palästinenser erneut Straßenschlachten mit der Polizei. Nach einem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen schlägt das israelische Militär zurück.

Die Lage im Gazastreifen hat sich erneut gefährlich zugespitzt. Militante Palästinenser feuerten nach israelischen Militärangaben bis zum Morgen 36 Raketen auf israelische Ziele. Israels Luftwaffe beschoss daraufhin nach Militärangaben mehrere Ziele der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas, darunter eine unterirdische Anlage und Abschussrampen für Raketen.

Seit Freitagabend waren aus dem Gazastreifen immer wieder Raketen in Richtung Israel abgefeuert worden, sodass Familien im Süden Israels gezwungen waren, Schutzräume aufzusuchen. "Wir werden weiterhin israelische Zivilisten vor dem Terror schützen", schreiben Israels Streitkräfte auf Twitter. Der Beschuss war nach Angaben des israelischen Militärs der heftigste seit Beginn des Jahres. Ein Teil der Geschosse sei vom Raketenabwehrsystem "Iron Domes" abgefangen worden, weitere seien auf freiem Feld eingeschlagen.

Die schwerste Eskalation seit Langem folgte auf andauernde heftige Konfrontationen in Jerusalem. In der Altstadt lieferten sich erneut bis zum Morgen überwiegend palästinensische Jugendliche und Hunderte Bereitschaftspolizisten Straßenschlachten. Die Protestierer bewarfen die Beamten mit Steinen, die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Ein israelisches Gerichtsgebäude wurde mit Steinen beworfen, die Sicherheitskameras zerstört.

Tausende Palästinenser versammelten sich zudem am Grenzübergang Kalandija zwischen Jerusalem und dem von Israel besetzten Westjordanland, wie die israelische Polizei mitteilte. In Bethlehem im Westjordanland warfen den Angaben zufolge Palästinenser Steine und Brandsätze auf das Grab der biblischen Matriarchin Rachel, das für Juden, aber auch Muslime eine Pilgerstätte ist.

Abbas appelliert an Weltgemeinschaft

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte "die zunehmende Aufhetzung durch extremistische rechte israelische Siedlergruppen, die für die Tötung von Arabern eintreten". Nach Angaben der amtlichen palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa forderte er die internationale Gemeinschaft auf, sich für den Schutz der Palästinenser einzusetzen.

Washington zeigte sich angesichts des jüngsten Gewaltausbruchs "zutiefst besorgt" und mahnte zur Ruhe. "Die Rhetorik extremistischer Demonstranten, die hasserfüllte und gewaltsame Parolen skandieren, muss entschieden zurückgewiesen werden", schrieb der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price, im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Dutzende Verletzte nach Zusammenstößen

Bereits am Freitag waren nach Zusammenstößen Dutzende Verdächtige vorläufig festgenommen worden. Auseinandersetzungen am Freitag begannen nach einer Veranstaltung von rechten Israelis. Dutzende Israelis und Palästinenser wurden bei Konfrontationen verletzt. Nach Angaben der Polizei erlitten auch rund 20 Beamte Verletzungen.

Das Auswärtige Amt in Berlin weist in seinen Reisehinweisen darauf hin, dass während des Fastenmonats Ramadan die Lage in der Altstadt und deren unmittelbarer Umgebung besonders angespannt ist. Im August 2020 hatte die Hamas nach Vermittlung Katars eine Waffenruhe mit Israel verkündet. Aber auch danach gab es immer wieder Verstöße.

Israel hatte 2007 eine Blockade des Gazastreifens verschärft, die inzwischen von Ägypten mitgetragen wird. Beide Länder begründen die Maßnahme mit Sicherheitserwägungen. In dem Küstengebiet leben etwa zwei Millionen Menschen unter sehr schlechten Bedingungen, gegenwärtig sind dort auch die Corona-Infektionszahlen sehr hoch. Die Hamas wird von Israel, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa/AFP

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