Panorama

Ansteckungsrisiko im Urlaub? Kretschmer: "Zweite Welle ist schon da"

Steht Deutschland vor dem Beginn einer neuen Pandemie-Phase? Die Zahl der Neuinfektionen geht kaum zurück. Überall im Land verzeichnen die Gesundheitsämter auffallend viele neue Fälle. Sachsens Regierungschefs Kretschmer ist sich sicher: "Die zweite Welle ist schon da."

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland bewegt sich nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) auch zum Wochenende hin auf unverändert hohem Niveau. Wie aus den aktuellen RKI-Daten (Stand: 25. Juli, 0.00 Uhr) hervorgeht, meldeten die Gesundheitsämter zuletzt 781 neue Infektionsfälle.

Damit waren seit Beginn der Corona-Krise mindestens 204.964 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI am Morgen mitteilte. Die Zahl der Verstorbenen stieg um sieben auf insgesamt 9118 Personen.

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Bei den Neuinfektionen ist seit Tagen ein deutlich erkennbarer Aufwärtstrend zu beobachten. Auf Basis der von ntv ausgewerteten Länderdaten lag der Sieben-Tage-Schnitt zuletzt bei 492 neu gemeldeten Fällen pro Tag. Vor einer Woche lag das mehrtägige Mittel in der ntv-Berechnung noch bei 387 Fällen. Mitte Juni hatte der Trend bei den Neuinfektionen seinen bisherigen Tiefststand bei 315 Neuinfektionen pro Tag erreicht.

Das RKI wiederum hatte am Freitag einen Anstieg der neu nachgewiesenen Infektionen um 815 Fälle bekannt gegeben. Auch der aktuelle Tageszuwachs vom Samstag liegt weit über dem Durchschnitt der zurückliegenden Tage. "Diese Entwicklung ist sehr beunruhigend und wird vom RKI weiter sehr genau beobachtet", hieß es dazu aus dem RKI. "Eine weitere Verschärfung der Situation muss unbedingt vermieden werden."

Der jüngste Anstieg der Fallzahlen löst offenbar auch in den Reihen der Landespolitiker Unruhe aus. Nach den Worten von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ist die zweite Infektionswelle der Corona-Pandemie bereits in Deutschland angekommen. "Die zweite Corona-Welle ist schon da. Sie findet bereits jeden Tag statt", sagte Kretschmer der "Rheinischen Post".

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"Wir haben jeden Tag neue Infektionsherde, aus denen sehr hohe Zahlen werden könnten", warnte der CDU-Politiker. Die Aufgabe bestehe nun darin, mit den Gesundheitsämtern diese Welle jeden Tag neu zu brechen. Der Freistaat Sachsen konnte bislang vergleichsweise glimpflich durch die Corona-Krise steuern. Mit bisher insgesamt 5510 Fällen unter 4,1 Millionen Einwohnern zählt Sachsen zu den weniger belasteten Bundesländern. Das Fallaufkommen liegt bei 135,1 Infektionen je 100.000 Einwohnern. Nur drei Bundesländer schneiden hier im Direktvergleich besser ab.

Große Sorge bereitet den Experten das Risiko aus dem Ausland eingeschleppter Ansteckungen. Vor allem die Urlaubssaison mit Hunderttausenden Reisen ins Ausland gilt als mögliche Gefahrenquelle für eine zweite Welle der Epidemie. Mit gelockerten Corona-Auflagen und nachlassender Vorsicht steigt jedoch auch innerhalb der deutschen Grenzen die Anzahl der Alltagskontakte in der Bevölkerung.

Unabhängig von etwaig infizierten Reiserückkehrern besteht damit nach wie vor auch im Inland ein unverändertes Ansteckungsrisiko, wie zahlreiche kleinere Ausbrüche in nahezu allen Bundesländern belegen. Durch den in der Urlaubssaison anschwellenden Reiseverkehr besteht jedoch die Gefahr, dass es zu vermehrten Übertragungen des Erregers aus dem Ausland kommen könnte. In einer Reihe europäischer Staaten sowie einigen außereuropäischen Nachbarländern ziehen die Infektionszahlen derzeit wieder an. Weltweit steigt die Zahl der Ansteckungen derzeit so stark an wie noch nie zuvor.

Ein erhöhtes Fallaufkommen verzeichnen die Behörden unter anderem in Luxemburg, Serbien, Montenegro und einigen Regionen in Spanien. Wiederholt gab es zudem Kritik an einem angeblich fahrlässigen Verhalten deutscher Urlauber etwa in Kroatien oder auf Mallorca.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa/rts