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Freitag, 21. September 2018

Moorbrand bei Meppen: Landkreis Emsland ruft Katastrophenfall aus

Im Emsland müssen sich Anwohner auf Evakuierungen vorbereiten: Die Behörden in der Region stufen den Moorbrand auf einem Bundeswehr-Testgelände bei Meppen als Katastrophenfall ein. Zwei Ortschaften, heißt es, müssen womöglich geräumt werden.

Wegen des Moorbrandes auf einem Bundeswehr-Testgelände in Niedersachsen hat der Landkreis Emsland den Katastrophenfall ausgerufen. Eine Evakuierung der Gemeinden Groß Stavern und Klein Stavern könne nicht mehr ausgeschlossen werden, teilte Landrat Reinhard Winter vor dem Wochenende mit. Zu befürchtet stand, dass Starkwinde des heraufziehenden Sturmtiefs "Elena" den Brand weiter anfachen.

Moorbrand bei Meppen: Auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 im Emsland stehen seit Anfang September mehrere Hektar Moorland in Flammen.
Moorbrand bei Meppen: Auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 im Emsland stehen seit Anfang September mehrere Hektar Moorland in Flammen.(Foto: picture alliance/dpa)

Die Behörden sorgen sich zudem um gesundheitliche Belastungen für die Bevölkerung durch den vom Brandherd aufsteigenden Qualm. Landesinnenminister Boris Pistorius kündigte an, die Lage auch auf Landesebene untersuchen zu wollen. Zur Begründung verwies er darauf, dass der Kreis Emsland und die Bundeswehr etwas abweichende Angaben zur Belastung gemacht hätten. Laut Bundeswehr gebe es keine Gefahr, der Kreis spreche zumindest von einer "Gesundheitsbelastung", sagte der Minister. "Wir werden sehen, dass wir eigene Erkenntnisse bekommen."

Der Landkreis hatte unter Verweis auf Luftmessungen der Feuerwehr vor zwei Tagen noch mitgeteilt, dass nach der Einschätzung der befragten Fachleute keine Gesundheitsgefahren für die Anwohner bestünden. "Die Rauchentwicklung ist das aktuell dringlichste Problem für die Anwohner, gleichwohl weisen wir darauf hin, dass unser Fachbereich Gesundheit aktuell keine Gesundheitsgefährdung durch den Qualm erkennt", hatte Landrat Reinhard Winter erklärt.

Am Wochenende wird Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen in Meppen erwartet. Als oberste Dienstherrin der Bundeswehr will sie sich vor Ort selbst ein Bild von dem Moorbrand auf einem Bundeswehr-Testgelände in Niedersachsen machen. Die Ministerin komme am Samstag nach Meppen, sagte ein Sprecher ihres Ministeriums. Wann genau die Ministerin eintreffen werde, sei noch nicht klar, fügte er hinzu. Der Brand auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 bei Meppen war vor mehr als zwei Wochen infolge eines Raketentests ausgebrochen.

Hunderte Brandbekämpfer im Einsatz

Die Feuerwehr versucht derzeit, mit 500 zusätzlich angeforderten Einsatzkräften ein Übergreifen des Moorbrandes auf zivile Flächen außerhalb des betroffenen Bundeswehrgeländes zu verhindern. Vier Kreisfeuerwehren mit insgesamt 500 Mann seien angefordert worden, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums in Hannover.

Rauchschwaden aus dem All erkennbar: Das Satellitenbild des Wettersatelliten Suomi NPP zeigt den Stand der Qualmwolken vom vergangenen Dienstag.
Rauchschwaden aus dem All erkennbar: Das Satellitenbild des Wettersatelliten Suomi NPP zeigt den Stand der Qualmwolken vom vergangenen Dienstag.(Foto: picture alliance/dpa)

Die Feuerwehrmänner würden in der Nähe des Bundeswehrgeländes postiert, hieß es, um sofort reagieren zu können, sollte der Brand auf den zivilen Flächen übergreifen.  Insgesamt sind nach Angaben des Innenministeriums derzeit 782 Kräfte auf dem Bundeswehrgelände mit einem großen Löscheinsatz beschäftigt.

Der Katastrophenschutz ist in Deutschland Ländersache. Durch die Einstufung des Großbrands im Moor bei Meppen als Katastrophenfall wird die Zusammenarbeit der beteiligten Behörden zusammengefasst und üblicherweise von einer zentralen Einsatzleitung koordiniert. Wie aus dem niedersächsischen Katastrophenschutzgesetz (NKatSG) hervorgeht, können die Behörden im Katstrophenfall jedoch auch Privatpersonen und Unternehmen sowie deren Fahrzeuge und Maschinen für Hilfsdienste einspannen. Laut Gesetz ist im Katastrophenfall "jedermann verpflichtet, bei der Katastrophenbekämpfung Hilfe zu leisten, wenn vorhandene Einsatzkräfte nicht ausreichen."

Stichwort: Katastrophenfall

"Der Katastrophenfall ist die landesrechtliche Feststellung einer Katastrophe, die zur Anwendung des Katastrophenschutzgesetzes des jeweiligen Landes führt."

Quelle: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

An der Brandstelle im Emsland sind neben den Kräften der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks seit Tagen auch Soldaten der Bundeswehr im Dauereinsatz, um das Feuer einzudämmen. Die Grünen im niedersächsischen Landtag forderten vom Land bereits zuvor, alle Messdaten zu veröffentlichen und weitere Analysen zu machen. Die Regierung müsse "Verantwortung" übernehmen, sagte deren Expertin Meta Janssen-Kucz der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Es müsse "dringend" geklärt werden, ob Schul- und Kindergartenkinder sowie Arbeitnehmer sich unbedenklich im Freien aufhalten könnten.

Brandgeruch bis nach Hamburg

Für die Menschen in der betroffenen Region sind die Folgen des Moorbrandes im weiten Umkreis wahrnehmbar. Seit mehr als zwei Wochen steigt von einem Testgelände der Bundeswehr im Emsland beißender Brandgeruch auf. Hunderte Einsatzkräfte kämpfen gegen die Flammen, die durch einen Raketentest entstanden sind und die sich teils unterirdisch durch die ausgedehnten Flächen des Hochmoors fressen.

Der außergewöhnlich heiße und trockene Sommer dürften zur Entstehung des Brandes beigetragen haben: Genährt wird das Großfeuer durch ausgetrocknete Torfschichten. Angefacht durch die vorherrschenden Westwinde zog der Rauch weithin über das Land.

Auch im fast 200 Kilometer entfernten Hamburg war nach Angaben der Behörden bei bestimmten Windrichtungen teilweise Brandgeruch wahrnehmbar. Im Großraum Bremen waren bereits kurz nach Ausbruch des Moorbrandes zahlreiche Anrufe besorgter Bürger bei der Feuerwehr eingegangen. Bislang hieß es, die Grenzwerte für Feinstaub seien trotz allem seit Beginn der Brände an keiner Stelle überschritten worden, wie etwa die Umweltbehörde mitteilte. Die Luftqualität werde ständig kontrolliert.

Nach Einschätzung des Naturschutzbundes (Nabu) führte das Feuer bereits zu einem Ausstoß von 500.000 Tonnen Kohlendioxid. Der Nabu kritisierte die Schießübungen der Bundeswehr in dem ausgetrockneten Moor. Alle Moorflächen müssten auf Bewässerungen überprüft werden. Positive Beispiele an einigen Standorten zeigten, dass sich nasse Moore und eine weitere militärische Nutzung nicht ausschließen müssten.

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Quelle: n-tv.de