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Buchungszahlen brechen ein Mallorca laufen die Urlauber davon

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Blick auf den leeren Strand von El Arena auf Mallorca (Bild vom 11. Juni 2019).

(Foto: picture alliance/dpa)

In den Köpfen vieler Deutscher ist Mallorca immer noch das Reiseziel schlechthin. Doch nach einer Reihe von Rekordjahren kommen immer weniger Touristen. Was läuft falsch auf der Urlaubsinsel?

Auf Mallorca gibt es dieser Tage Temperaturen um die 30 Grad und viel Sonnenschein. Herrliches Strand- und Badewetter. Aber auf der Insel kommen viele Menschen derzeit aus dem Zittern nicht heraus. Den Hoteliers, Reiseveranstaltern, Restaurantbesitzern und auch den Chefs der Tourismusbehörden wird immer wieder angst und bange, wenn sie auf die Buchungszahlen für die laufende Sommersaison blicken. Die Touristen bleiben plötzlich weg.

"Wir hatten für diese Saison zwar einen Rückgang erwartet, aber niemals den Einbruch, den wir zurzeit erleben", sagte diese Woche ein Sprecher der Hoteliers der spanischen Insel der Zeitung "Última Hora". Vor allem die Deutschen machen derzeit einen großen Bogen um ihre eigentlich liebste Urlaubsinsel.

Sogar auf dem "Ballermann", der Partymeile an der Playa de Palma östlich der Inselhauptstadt, wo man oft nur Deutsche reden, singen und grölen hört, ist das zu spüren. Der sogenannte Sauftourismus sorge zwar an den Wochenenden und an den Feiertagen weiterhin für volle Häuser, sagte ein Sprecher der Hoteliers der Playa. Aber andere, "ruhigere" Touristen, die länger bleiben und oft mehr Geld auf der Insel ausgeben, fahren inzwischen offensichtlich woandershin. "Im Juni wird die Auslastung nur bei 50 bis 60 Prozent liegen", sagt der Sprecher. Das sind bis zu 15 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

Schuld sind die Briten, die Türken und die Sonne

Doch wieso bleiben die Touristen nach einer Serie von Rekordjahren plötzlich weg? Schuld sind der Brexit und auch und vor allem das Erstarken der Tourismusregionen im östlichen Mittelmeer, etwa in der Türkei. In manch einem mallorquinischen Hotel sollen die Ausgaben in dieser Hochsaison über den Einnahmen liegen. Die Lage ist so kritisch, dass man sogar auf die Wettervorhersage in Deutschland schaut.

Eine Wiederholung des "Supersommers" 2018 in Mittel- und Nordeuropa könnte für viele diesmal fatal sein. Hitzemonate wie im Vorjahr würden sich sehr negativ auswirken, bekannte die Vizechefin des Hoteliersverbandes FEHM, María José Aguiló. Selbst Rabatte von bis zu 40 Prozent konnten die Tendenz bisher nicht umkehren. Konkurrenzdestinationen wie die Türkei, Ägypten und Tunesien haben einfach noch bessere Angebote.

Von einem "Preiskrieg" ist auf Mallorca die Rede. Der CEO der Thomas-Cook-Gruppe, Peter Fankhauser, flog Anfang des Monats auf die Insel, um die Hoteliers zu noch stärkeren Preisnachlässen aufzurufen. Die Konkurrenz im östlichen Mittelmeer biete zum Teil "mehr Qualität" für weniger Geld an. Carabellada warnt aber vor "Panikmaßnahmen". "Das wäre für viele (auf Mallorca) Selbstmord", warnt er. Man müsse die Touristen über die Qualität des Angebots zurückgewinnen.

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Qualitätsoffensive verdirbt den Spaß

Gerade da hapert es aber oft. Das Problem ist derweil nicht nur, dass die Zimmer auf Mallorca kleiner und oft weniger bequem als zum Beispiel in All-inclusive-Resorts im türkischen Antalya sind. Auch die von der linken Inselregierung vor drei Jahren in Gang gesetzte Bekämpfung der Auswüchse des Massen- und Sauftourismus ist bisher auf halbem Wege stehengeblieben.

Die 2016 eingeführte Touristenabgabe "Ökotaxe" fordere inzwischen ihren Tribut, meinten Fankhauser, Carballeda und der FEHM jüngst unisono. Gerade weniger zahlungskräftige Touristen, denen die Abgabe ein Dorn im Auge ist, stören sich zudem daran, dass die immer strengeren Benimmregeln in Palma und Umgebung ihnen den Spaß verderben.

Seit dem 1. April müssen nämlich in einem speziellen "Gebiet von besonderem touristischen Interesse" rund um die berüchtigte "Schinkenstraße" alle Biergärten eingezäunt sein. Getränke dürfen nicht mehr auf den Bürgersteig oder auf die Straße mitgenommen werden. Außerdem gilt ein Verbot von Alkohol in Schaufenstern und von Sonderangeboten wie der "Happy Hour" mit starken Drinks zu Dumpingpreisen. Bei Zuwiderhandlung drohen hohe Strafen.

Berichte über "afrikanische Mafias" häufen sich

Auf der anderen Seite geht das "Aufräumen" an der Playa den betuchteren Besuchern noch nicht weit genug. Die linke Regierung setzt auf "höherwertigen" Tourismus, fördert den Bau von Luxusherbergen. Nur: die Betreiber dieser Häuser berichten von Gästen, die sich über betrunkene und gewalttätige Touristen sowie über illegale Straßenhändler und Parkplatzverwalter beschweren. Sie fordern vom Rathaus in Palma und von den Sicherheitsbehörden ein härteres Eingreifen.

Zumal sich zuletzt die Berichte über "afrikanische Mafias" und "Frauenbanden" häufen, die nachts auch am Ballermann Dutzende von Touristen ausgeraubt haben sollen. "Palma ist in den vergangenen Jahren unsicherer und schmutziger geworden", klagt der konservative Inselpolitiker Mateo Isern. Hotelier Francisco Marín hatte deshalb lange ein Ende des "Chaos" an der Playa gefordert. Die Polizei gehe im Strandgebiet viel zu lasch gegen Störenfriede vor, klagte er immer wieder. Voriges Jahr warf der Hotelbesitzer aber das Handtuch und gab seinen Posten als Chef des Hotelierverbandes der Playa entnervt ab.

Dabei steht viel auf dem Spiel: Der Tourismus trug zuletzt mehr als 45 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der Balearen bei. In den vergangenen zehn Jahren kletterte die Zahl der Tourismusunternehmen in der Region nach amtlichen Zahlen um acht Prozent auf mehr als 18 000. Viele fürchten nun, dass sich Mallorca buchstäblich zu Tode wächst.

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Quelle: n-tv.de, Emilio Rappold, dpa

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