Panorama

Präsident des Feuerwehrverbandes "Man kann da nicht mit Gewalt rangehen"

Seit gestern Abend kämpft die Pariser Feuerwehr gegen den Brand der Kathedrale Notre-Dame. Hartmut Ziebs, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, gibt bei n-tv seine Einschätzung der Lage, äußert sich zu US-Präsident Donald Trumps Lösch-Vorschlag und dazu, ob die Kollegen Fehler gemacht haben.

n-tv: Herr Ziebs, das Feuer in Notre-Dame ist unter Kontrolle, das heißt aber, noch nicht komplett gelöscht. Wie lange wird das noch dauern?

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Hartmut Ziebs, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes.

(Foto: K. Neuhauser/DFV)

Hartmut Ziebs: Ich gehe davon aus, dass das noch mehrere Tage dauern wird, bis die letzten Brandnester abgelöscht sind.

Jetzt haben wir ein regelrechtes Großaufgebot der Feuerwehr in Paris, trotzdem fragt man sich als Zuschauer: Mitten in der Stadt brennt es, warum kann man das nicht schneller löschen?

Das bedarf sehr viel Umsicht, damit man das Gebäude nicht komplett zerstört. Man kann da nicht mit massiver Gewalt rangehen. Sondern hier ist tatsächlich sehr gefühlvolle Arbeit der Feuerwehr erforderlich, die auch sehr anstrengend ist.

Wo ist denn da der Unterschied, wenn es sich um eine Kathedrale handelt, wie in diesem Fall, oder einem anderen Gebäude? Wie geht man da vor als Feuerwehr?

Man geht eigentlich gar nicht so unterschiedlich vor. Die Arbeitsweise der Feuerwehr ist in allen Fällen gleich. Das Problem bei diesem Objekt ist vor allem die enorme Größe, diese Ausdehnung und die Höhe, in der das Feuer stattgefunden hat. Das heißt, die normalen Drehleitern reichen gar nicht bis da oben hin.

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Alles richtig gemacht: ein Pariser Feuerwehrmann beim Kampf gegen die Flammen in Notre-Dame.

(Foto: picture alliance/dpa)

US-Präsident Trump ist ja selten um Ratschläge verlegen. Er hat gestern gesagt, man sollte doch fliegende Wassertanks einsetzen. Warum war das keine gute Idee?

Damit hätte man mehrere Tonnen Wasser auf einmal auf das Gebäude geworfen, es wäre komplett zerstört worden. Man sollte mit solchen Ideen etwas zurückhaltender sein.

Jetzt handelt es sich hier um ein Gebäude, in dem sich Kunstschätze befunden haben, aber es waren keine Menschen gefährdet. Wie viel Risiko fährt die Feuerwehr in einem solchen Fall?

Jeder Feuerwehreinsatz ist nach wie vor sehr riskant. Wir riskieren auch immer die Gesundheit und das Leben unserer eigenen Leute. Aber wenn es sich nicht um die Gefährdung von Menschenleben handelt, dann fährt man das Risiko ein kleines Stück zurück, so dass es wirklich kalkulierbar ist. Wenn Menschenleben in Gefahr sind, dann gehen wir ein sehr hohes Risiko ein.

So wie Sie das jetzt beobachtet haben - hat man in Paris alles richtig gemacht gestern?

Ja, zweifelsohne. Ich würde jetzt nicht behaupten wollen, die französischen Feuerwehrleute, die Pariser Feuerwehr hätte hier irgendwelche Fehler gemacht. Das ist überhaupt nicht zu erkennen.

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Quelle: n-tv.de

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