Panorama

Nummer 13 - das Unglücksblatt Materialermüdung sorgte für Boeing-Unglück

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Materialermüdung könnte zum Bruch eines Turbinenblattes geführt haben.

(Foto: REUTERS)

Die Boeing 737 gehört zu den meistgebauten Verkehrsflugzeugen der Welt. Bei einer Maschine der US-Airline Southwest bricht in einer Turbine ein Ventilatorenblatt. Das Unglück in 10.000 Meter Höhe kostet ein Menschenleben. Vieles deutet auf Verschleiß hin.

Nach dem tragischen Flugzeugunglück in den USA mit einer Toten konzentrieren sich die Ermittler auf die Schaufeln des explodierten Triebwerks. Ersten Angaben der Nationalen Behörde für Transportsicherheit (NTSB) zufolge hat sich von den 24 Schaufeln die Nummer 13 gelöst und für das Unglück gesorgt. Die Experten gehen vorerst von Materialermüdung an dem Ventilatorenblatt aus. Gut 20 Minuten nach dem Start war die Turbine der Boeing 737 in gut 10.000 Meter Höhe ausgefallen. Umher fliegende Metallteile töteten eine Passagierin. Die Pilotin konnte die Maschine notlanden. Damit rettete sie fast 150 Menschenleben - und wird gefeiert.

Nach Angaben der NTSB gingen 20 Minuten nach dem Start die ersten Notrufe und Alarmsignale im Cockpit ein. Laut Southwestern Airlines wurde das linke Triebwerk der Boeing 737 schwer beschädigt. Augenzeugen berichteten, wie Splitter des Triebwerks explosionsartig durch ein Fenster der Maschine ins Innere eindrangen. Wegen des plötzlichen Druckabfalls in der Kabine fielen Sauerstoffmasken aus der Decke. Die beiden Flugschreiber der Maschine seien zur Untersuchung in die Hauptstadt gebracht worden, sagte, NTSB-Chef Robert Sumwalt. Aufnahmen des Flugzeugs zeigten das beschädigte Triebwerk und ein kaputtes Fenster. "Wir gehen davon aus, dass Teile aus dem Triebwerk geschleudert wurden", sagte Sumwalt.

Reisende kämpfen um Leben der Verletzten

Mitreisende hatten dem Sender CNN und auf Facebook berichtet, dass eine Frau bei dem Unglück fast aus dem Fenster gerissen worden sei. Wie Mitreisende sagten, hielten andere Fluggäste die verletzte Frau fest und zerrten sie zurück in ihren Sitz auf der linken Seite des Flugzeugs. Eine Krankenschwester habe versucht, die Frau wiederzubeleben. Doch sie erlag später ihren Verletzungen. Es soll sich dabei um nach Berichten lokaler Medien um jene Frau handeln, die zuvor von den Turbinenteilen getroffen und verletzt worden war.

Bei der Toten handelt es sich um eine 43-jährige Bankangestellte und zweifache Mutter aus Albuquerque im Bundesstaat New Mexico, wie Behördenvertreter in ihrer Heimat mitteilten. Der Bürgermeister von Albuquerque, Tim Keller, die Gouverneurin von New Mexico, Susana Martinez, und der Senator aus dem Bundesstaat, Tom Udall, drückten der Familie der Verstorbenen ihr Mitgefühl aus. Sie würdigten Riordan als alllseits beliebte Bürgerin, die sich für das Gemeinwesen in ihrer Stadt engagierte. Southwest-Airlines-Chef Gary Kelly nannte den Tod des Fluggasts einen "tragischen Verlust" und sprach den Angehörigen im Namen der Fluggesellschaft sein Beileid und seine Unterstützung aus.

Herausragender Job der Pilotin

Sieben weitere Menschen wurden nach Angaben der Feuerwehr leicht verletzt, mussten aber nicht im Krankenhaus behandelt werden. Laut Fluggesellschaft Southwest waren 144 Passagiere und 5 Crewmitglieder an Bord des Fluges 1380 von New York nach Dallas.

Derweil feiern die sozialen Netzwerke die Pilotin des Fluges: Tammy Jo Shults habe einen herausragenden Job getan, die Maschine unter diesen Umständen sicher zu landen, war da zu lesen. Nach Angaben der Webseite Heavy.com war Shults unter den ersten Kampfpilotinnen der Navy, die in die zivile Luftfahrt wechselten.

Der Fernsehsender NBC hatte nach eigenem Bekunden die Kommunikation zwischen Cockpit und Bodenkontrolle veröffentlicht. "Uns fehlt ein Flugzeugteil, deshalb müssen wir etwas langsamer fliegen", sagte eine Frau, bei der es sich offenbar um die Pilotin handelt. "Vorsicht über dem Innenstadtbereich", antwortet die Bodenkontrolle. Darauf die Pilotin: "Können Sie medizinisches Personal auf der Landebahn bereitstellen? Wir haben verletzte Passagiere." Auf die Frage, ob das Flugzeug brennt, sagte die Pilotin. "Nein, es brennt nicht, aber ein Teil fehlt. Sie sagen, da ist ein Loch und jemand wurde hinausgeschleudert."

Es war das erste Unglück der kommerziellen Luftfahrt in den USA seit Februar 2009, als eine Maschine der Fluggesellschaft Colgan auf dem Weg von Newark in New Jersey nach Buffalo im Bundesstaat New York abstürzte und 50 Menschen starben. Luftfahrtexperten verglichen das Unglück vom Dienstag mit einem Triebwerksausfall auf einem Southwest-Airlines-Flug von New Orleans nach Orlando in Florida 2016. Damals musste die Boeing 737 in Pensacola notlanden. NTSB-Chef Sumwalt kündigte eine Untersuchung über einen möglichen Zusammenhang zwischen beiden Vorfällen an.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/AFP