Panorama

Homeschooling kommt zurück Mehr als 3000 Schulen nicht im Regelbetrieb

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Lernen im Klassenraum - für die allermeisten Schüler geht der Unterricht in den Schulen weiter.

(Foto: dpa)

Homeschooling wegen Corona - an bundesweit mehr als 3000 Schulen ist das nach den Erfahrungen im Frühjahr auch im November schon wieder Realität. Doch die weit überwiegende Mehrheit der Schüler geht weiter regulär zur Schule.

Wegen steigender Coronavirus-Infektionszahlen unter Schülern und Lehrern in Deutschland haben laut einem Zeitungsbericht bundesweit bereits mehr als 3000 Schulen den Regelbetrieb aufgegeben. An mindestens 3240 Schulen finde der Präsenzunterricht nicht mehr vollständig statt, berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf Zahlen aus 14 Bundesländern. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es rund 40.000 Schulen mit insgesamt 11 Millionen Schülern und rund 800.000 Lehrern.

Allein in Nordrhein-Westfalen befinden sich Schülerinnen und Schüler an 552 Schulen auf Anordnung der Gesundheitsbehörden in Quarantäne und werden digital unterrichtet, wie das Kultusministerium in Düsseldorf den Funke-Blättern mitteilte. In Bayern findet dem Bericht zufolge der Präsenzunterricht an 255, in Baden-Württemberg an 273 Schulen nicht mehr regulär statt.

In Niedersachsen wurden demnach an 347 Schulen einzelne Klassen oder Jahrgänge vorübergehend aus dem Präsenzunterricht genommen und ins Homeschooling geschickt. 221 Schulen in dem Bundesland unterrichten im sogenannten Wechselmodell mit geteilten Klassen, bei dem ein Teil zum Unterricht in die Schule kommt und ein Teil zu Hause lernt, wie die Funke-Zeitungen schreiben. In Hamburg seien 213 Schulen nicht mehr im vollständigen Regelbetrieb.

In Thüringen sind dem Bericht zufolge derzeit 109 Schulen von Quarantäne-Maßnahmen betroffen, in Rheinland-Pfalz 216, in Brandenburg 170 und in Sachsen-Anhalt 120. In Mecklenburg-Vorpommern finde an 30 Einrichtungen der Schulbetrieb nur noch eingeschränkt in Präsenz statt, in Schleswig-Holstein seien 71, im Saarland 128 und in Sachsen 170 Schulen betroffen. In Berlin wurden demnach 365 Lerngruppen geschlossen. Hessen und Bremen machten laut den Funke-Zeitungen keine Angaben dazu, wie viele Schulen derzeit teilweise oder vollständig per Distanzunterricht lehren.

Gesundheitsrisiken zu hoch?

Der hessische Kultusminister Alexander Lorz sagte im ZDF, in seinem Bundesland gingen 95 Prozent der Schüler weiter regulär zur Schule. "Das ist unter den Bedingungen, die wir im Moment in dieser Pandemie vorfinden, eine große Leistung", sagte der CDU-Politiker. Fernunterricht könne Präsenzunterricht nicht vollständig ausgleichen. Es müsse abgewogen werden zwischen dem Infektionsschutz einerseits und dem Bildungsauftrag andererseits.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, Marlis Tepe, gehen die Corona-Schutzmaßnahmen in den Schulen aber nicht weit genug. Sie sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "So wie im Moment unterrichtet wird, sind die Gesundheitsrisiken für Schüler und Lehrer zu hoch." Die Klassen müssten geteilt werden. "Je eine Gruppe wäre dann in der Schule, eine zu Hause." Für die Schüler sei es besser, rechtzeitig Klassen zu teilen und so im Unterricht Abstände einzuhalten, als zu riskieren, dass immer mehr Klassen komplett in Quarantäne müssten.

Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, sagte dem RND, die Bestimmungen der Gesundheitsbehörden seien sehr unterschiedlich. "Wird in dem einen Landkreis die ganze Klasse in Quarantäne gesetzt, sind es in dem anderen nur die direkten Banknachbarn - wenn überhaupt, weil ja gelüftet wurde." Das sei nicht nachvollziehbar und führe zu Unmut und Verunsicherung. Es brauche klare und transparente Regeln, wann wer in Quarantäne müsse.

Masken auch für Grundschüler?

Am Mittwoch hatte eine Angabe des Deutschen Lehrerverbandes für Wirbel gesorgt, wonach sich derzeit mehr als 300.000 Schüler und bis zu 30.000 Lehrer in Quarantäne befinden. Tepe meinte, es gebe dazu keine verlässlichen Angaben. "Die Zahl von 300.000 ist aus der Luft gegriffen." Auch Beckmann sagte: "Wir wissen nicht, wie viele Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler in Quarantäne sind."

Veronika Grimm, Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung zur Wirtschaftsentwicklung, warnte davor, Schulen zu schließen. "Das hätte signifikante Auswirkungen auf die Zukunftschancen junger Menschen", sagte die Volkswirtin dem RND. Und sie ergänzte: "Wenn Schulen und Kindertagesstätten geschlossen sind, stehen viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer den Unternehmen nur eingeschränkt zur Verfügung. Das sei ein durchaus signifikanter Effekt im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hatte sich für eine Ausweitung der Maskenpflicht im Unterricht auch auf Grundschulen ausgesprochen. Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, sagte der "Welt", grundsätzlich sei für gesunde Kinder ab einem Alter von zwei Jahren kein Gesundheitsrisiko mit einer Mund-Nasen-Bedeckung verbunden. "Die Beschwerden, von denen wir hören, sind ein subjektives Unwohlsein - das wir als Erwachsene auch haben. Aber sie sind nicht gefährlich oder gar lebensbedrohlich." Dennoch sollten erst Kinder ab sechs Jahren Masken tragen, wenn das epidemiologisch erforderlich sei. Er plädierte aber dafür, Schülern Pausen von der Maske zu ermöglichen.

Quelle: ntv.de, jog/AFP/dpa

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