Polizei geht von Unglück ausMehrere Dutzend Tote bei Feuer in Schweizer Skiort Crans-Montana
Im Schweizer Skiort Crans-Montana kommen laut Polizei bei einem Feuer in einer Bar mehrere Dutzend Menschen ums Leben. Viele weitere Menschen werden verletzt. Die Polizei geht von einem Unglück aus.
Im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana sind bei einem Brand während einer Silvesterparty Dutzende Menschen getötet worden. Rund 100 seien zum Großteil schwer verletzt worden, sagte der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frédéric Gisler, während einer Pressekonferenz. Das italienische Außenministerium verkündete unter Berufung auf die Schweizer Polizei, dass es von etwa 40 Todesopfern ausgehe, darunter "wahrscheinlich" auch Ausländer. Über mögliche deutsche Opfer ist noch nichts bekannt.
Die Walliser Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud schloss einen Terroranschlag aus: "Derzeit gehen wir von einem Brand aus." Die Explosionen, von denen Anwohner berichteten, hätten sich erst nach dem Brandausbruch ereignet. Das Feuer habe bei seiner Ausbreitung eine Verpuffung ausgelöst, sagte der für Sicherheit zuständige Staatsrat im Kanton Wallis, Stéphane Ganzer. Er berief sich dabei auf Zeugenaussagen und erste Ermittlungen. Die Schweizer Boulevardzeitung "Blick" verkündete unter Berufung auf Augenzeugen, dass das tödliche Feuer durch eine Wunderkerze auf einer Champagnerflasche verursacht wurde, die die Decke der Bar in Brand gesetzt habe. Die Ermittler machten noch keine Angaben und verwiesen auf ausstehende Untersuchungen.
Keine Aussagen zu den Toten
Zu den Toten wollte Gisler noch keine Aussagen treffen, auch aus Rücksicht auf die Angehörigen. Bisher ist noch kein Opfer identifiziert, wie das italienische Außenministerium mitteilte, seien viele Opfer aufgrund ihrer schweren Verbrennungen auch nicht identifizierbar. Generalstaatsanwältin Pilloud konnte auf Nachfrage keine Auskunft geben, ob die Bar über die korrekten Notausgänge verfügte und ob diese auch funktionierten.
Die Tragödie ereignete sich gegen 1.30 Uhr. Wenige Minuten, nachdem ein Anrufer den Brand gemeldet hatte, seien die ersten Einsatzkräfte vor Ort gewesen, sagte Gisler. Insgesamt seien 10 Hubschrauber, 40 Krankenwagen und 150 Rettungskräfte im Einsatz gewesen. Der Einsatz dauerte nach Polizeiangaben am Vormittag noch an.
Die meisten der zumeist Schwerverletzten wurden ins Spital Wallis gebracht - dessen Intensivstation sei nun voll, sagte Mathias Reynard, der Präsident des Regionalrats. Über Crans-Montana wurde ein Überflugverbot verhängt. Augenzeugen in Genf berichteten, dass am Universitätsspital alle paar Minuten Nothubschrauber landeten. Der Skiort ist Luftlinie gut 100 Kilometer entfernt.
Hubschrauber im Dauereinsatz
Die Schweizer Behörden bekommen Unterstützung vom Zivilschutz des Aostatals - eine italienische Region an der Grenze zur Schweiz: Ein Hubschrauber mit Spezialisten der Bergwacht und medizinischem Personal wurde von den Schweizern erbeten und ist dort seit 6 Uhr im Einsatz, wie die italienische Bergwacht mitteilte.
Wadephul "erschüttert"
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul sprach den Opfern und ihren Familien sein Mitgefühl aus. "Ich bin zutiefst erschüttert über den tödlichen Brand in Crans-Montana in der Silvesternacht", schrieb er auf X. Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin, der sein Amt erst Stunden vorher angetreten hatte, zeigte sich ebenfalls bestürzt: "Was ein Moment der Freude sein sollte, verwandelte sich am Neujahrstag in Crans-Montana in eine Trauer, die das ganze Land und weit darüber hinaus erfasst hat", schrieb er auf X.
Crans-Montana liegt im Kanton Wallis und ist als mondäner Ferienort mit vielen Prominenten bekannt. Berühmtester Einwohner war James-Bond-Schauspieler Roger Moore (1927-2017). Der Ort auf etwa 1500 Metern Höhe hat ein großes Skigebiet. Ende Januar finden dort auch Rennen des alpinen Ski-Weltcups statt.
Über die Feiertage ist der Ort in der Regel ausgebucht. Auf rund 10.000 Einwohner kommen rund 2600 Hotelbetten und Hunderte Ferienwohnungen. Bei rund einer Million Übernachtungen im Jahr kommen nach Angaben der örtlichen Tourismusbehörde etwa 20 Prozent der Gäste aus dem Ausland. Der nächste große Flughafen ist Genf.
