Panorama

In Argentinien überwacht Mengele entwischte dem Mossad mehrmals

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Josef Mengele verübte brutale Experimente an KZ-Insassen, später floh er nach Lateinamerika.

(Foto: dpa)

Anfang der 60er Jahre entführt der israelische Geheimdienst den Nationalsozialisten Adolf Eichmann. Der Mossad hatte aber noch einen weiteren hochrangigen Nazi im Visier: Josef Mengele, den KZ-Arzt von Auschwitz. Doch die Mission scheiterte.

KZ-Arzt Josef Mengele ist dem israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad nach Angaben eines seiner ehemaligen Agenten mindestens zwei Mal entwischt. Rafi Eitan, der 1960 den Einsatz zur Festnahme des NS-Verbrechers Adolf Eichmann in Argentinien leitete, sagte im israelischen Radio: "Zur Zeit, als wir Eichmann festnahmen, lebte Mengele in Buenos Aires. Wir machten seine Wohnung ausfindig und observierten sie."

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Rafi Eitan, hier im Jahr 2016, leitete die Entführung von Eichmann.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der damalige Geheimdienstchef Isser Harel habe gewünscht, dass das Mossad-Team außer Eichmann auch Mengele ergreife. Er habe jedoch dagegen argumentiert, sagte Eitan. "Ich wollte nicht zwei Operationen gleichzeitig abwickeln. Denn wir hatten eine erfolgreiche Operation in der Tasche, und wenn Du versuchst, eine zweite vorzunehmen, gefährdest Du meiner Erfahrung nach beide."

Als Kompromisslösung blieb Eitan zur Überwachung Mengeles in Argentinien, während die übrigen Mitglieder des Mossad-Teams Eichmann mit einer El-Al-Maschine nach Israel brachten. "Mengele war nicht zu Hause, und die Nachbarn sagten, er werde in einer Woche zurück sein", sagte Eitan weiter. "Wir warteten eine Woche, doch in der Zwischenzeit ging die Nachricht von seiner (Eichmanns) Gefangennahme um die Welt, und Mengele kehrte nie in seine Wohnung in Buenos Aires zurück.

Eitan fügte hinzu, dass Mengele dem Mossad erneut entwischte, als dieser ihn Ende 1962 auf einer Farm in der Nähe von São Paulo in Brasilien aufspürte. Doch Harel sei Anfang 1963 als Mossad-Chef zurückgetreten, und seine Nachfolger hätten einem Einsatz gegen Mengele nicht zugestimmt, weil sie weltweit andere Prioritäten gehabt hätten.

Akten werden freigegeben

Die Äußerungen des heute 90-jährigen Eitan kommen nicht von ungefähr: Der Mossad gibt derzeit die Unterlagen über die Geheimdienstoperationen gegen den "Todesengel von Auschwitz" frei.

Mengele war im deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau an der Selektion der neu ankommenden Häftlinge beteiligt und schickte diejenigen, die nicht für die Zwangsarbeit geeignet schienen, in die Gaskammern. Der für seine grausamen medizinischen Experimente berüchtigte KZ-Arzt floh nach dem Zweiten Weltkrieg nach Lateinamerika. Trotz internationaler Fahndung wurde er nie gefasst. 1979 starb er im Alter von 67 Jahren bei einem Badeunfall in Brasilien. Seine Leiche wurde erst 1985 entdeckt.

Eichmann war Protokollführer der Wannseekonferenz vom 20. Januar 1942, auf der die Vernichtung der europäischen Juden koordiniert wurde. In Israel stand er nach seiner Entführung ab April 1961 neun Monate vor Gericht. Das Todesurteil gegen den Organisator der NS-Judenvernichtung wurde im Mai 1962 vollstreckt.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP