Panorama

Von Islamisten geköpft Militärs entdecken toten deutschen Segler

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Grausame Inszenierung einer Hinrichtung: Der entführte Deutsche kniet vor seinen Entführern (Video-Standbild).

(Foto: AP / SITE Intel Group)

Die Entführer kannten keine Gnade: In der philippinischen Islamistenhochburg Sulu finden Soldaten die Leiche des ermordeten Deutschen. Seine sterblichen Überreste werden nun zurück in die Heimat überführt.

Nach der Ermordung eines deutschen Seglers durch die philippinische Islamistengruppe Abu Sayyaf hat das philippinische Militär offenbar seine Leiche gefunden. Soldaten hätten die sterblichen Überreste des Deutschen am Samstagabend (Ortszeit) in der Abu-Sayyaf-Hochburg Sulu gut tausend Kilometer südlich von Manila entdeckt, teilte die Armee mit. Die Behörden bereiten nun die Überführung der Leiche nach Deutschland vor.

Die Armee bemühe sich nach der Entdeckung des Toten darum, "ihm die anständige Beerdigung zu gewähren, die er verdient", erklärte Armeesprecher Edgard Arevalo. Die Leiche werde in Einrichtungen eines Militärkrankenhauses in Sulu aufbewahrt, bis die Behörden die notwendigen Papiere für die Überstellung ausgestellt hätten.

70-Jähriger vor fast vier Monaten entführt

Die Bundesregierung hatte zu Wochenbeginn bestätigt, dass der entführte 70-jährige Deutsche von Abu-Sayyaf-Kämpfern "barbarisch ermordet" worden sei. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einer "abscheulichen Tat". Das US-Unternehmen Site, das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisiert ist, hatte zuvor mitgeteilt, ein Video von Abu Sayyaf zeige, wie einer der Geiselnehmer den Deutschen enthaupte.

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Bestätigte den Fund des ermordeten Deutschen: Armeesprecher Edgard Arevalo

(Foto: AP)

Der 70-jährige Deutsche war fast vier Monaten zuvor während einer Fahrt mit seinem Segelschiff entführt worden. Auf seiner Yacht wurde damals die Leiche seiner offenbar erschossenen Partnerin gefunden. Spuren eines Kampfes deuten darauf hin, dass sich die Frau offenbar gegen die Angreifern gewehrt hatte.

In einem Mitte Februar veröffentlichten Video drohte Abu Sayyaf schließlich mit der Enthauptung ihrer Geisel. Darin sagte der 70-Jährige selbst, sollte seinen Entführern nicht binnen zwölf Tagen das geforderte Lösegeld in Höhe von umgerechnet knapp 570.000 Euro gezahlt werden, werde er getötet. In der Videobotschaft bat er die Bundesregierung eindringlich um Hilfe.

2008 bereits von somalischen Piraten entführt

Nach dem Bekanntwerden seines gewaltsamen Todes entschuldigte sich der philippinische Präsident Rodrigo Duterte dafür, die Hinrichtung nicht verhindert zu haben. Zugleich rechtfertigte er die Weigerung seiner Regierung, Lösegeld an Abu Sayyaf zu zahlen, weil dies die Islamistengruppe gestärkt hätte.

Kurz vor der Ermordung des Seglers hatte die philippinische Armee mutmaßliche Stellungen von Abu Sayyaf bombardiert. Nach der Hinrichtung gab es weitere Kämpfe zwischen den Islamisten und der Armee. Dabei wurden nach Armeeangaben 14 Islamisten getötet und 18 Soldaten verletzt.

Der deutsche Segler und seine Partnerin hatten sich im Jahr 2008 schon einmal 52 Tage in der Gewalt somalischer Piraten befunden, bevor sie freikamen. Angeblich flossen damals rund 445.000 Euro Lösegeld. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP aus dem Jahr 2009 sagte der deutsche Weltenbummler, obwohl er wisse, dass es gefährlich sei, in bestimmten Gewässern zu segeln, könne er davon nicht lassen.

Abu Sayyaf hat der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) die Treue geschworen. Die philippinische Gruppe verübt seit Jahrzehnten in den Dschungelgebieten im Süden des Inselstaats Entführungen. Dabei wurden wiederholt Geiseln umgebracht, wenn die Forderungen der Entführer nicht erfüllt wurden. Zur Zeit sollen sich noch mindestens 19 Ausländer und sechs philippinische Geiseln in der Gewalt der Gruppe befinden. Entführungen sind eine wichtige Einnahmequelle für Abu Sayyaf.

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Quelle: n-tv.de, mmo/jve/AFP

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