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Nach über zehn Jahren Millionär wegen Missbrauchs festgenommen

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Jeffrey Epstein hat viele berühmte und mächtige Freunde. Darunter Bill Clinton und Donald Trump.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Jahrelang genießt Jeffrey Epstein unbehelligt seinen enormen Reichtum. Obwohl er 2007 nur knapp einer lebenslangen Haftstrafe wegen Missbrauchs Minderjähriger entkommt. Epstein macht damals einen atemberaubenden Deal mit der Staatsanwaltschaft. Der aber scheint nun zu wackeln.

Jeffrey Epstein, verurteilter Sexualstraftäter, Multimillionär, Investor und langjähriger Freund Donald Trumps, steht offenbar wegen Menschenhandels und sexuellem Missbrauchs Minderjähriger vor Gericht. Der 66-Jährige wurde Medienberichten zufolge am Samstag bei New York verhaftet. Epstein war bereits 2008 nur durch einen undurchsichtigen Deal mit der Staatsanwaltschaft einer lebenslangen Haftstrafe entgangen.

Ihm wird vorgeworfen, zwischen 1999 und 2006 fast drei Dutzend minderjährige Mädchen in seiner Villa in Florida missbraucht zu haben. Er soll den meist 13 bis 16 Jahre alten Mädchen rund 200 US-Dollar für eine Massage gezahlt und sie dann zu sexuellen Handlungen überredet haben.

Das FBI fand damals heraus, dass er die Teenager außerdem dafür bezahlte, andere Mädchen anzuwerben. Mithilfe dieses Schneeballsystems und der Unterstützung von Angestellten konnte Epstein nach Untersuchungen der Ermittler bis zu vier Mädchen pro Tag sehen.

Trotz ausführlicher Untersuchungen des FBI und einer 53-seitigen Anklageschrift, die Epstein wohl lebenslang hinter Gitter hätten bringen können, gelang es ihm, doch noch den Kopf aus der Schlinge zu ziehen: Epstein und seine Anwälte verhandelten mit der Bundesstaatsanwaltschaft. Und dem reichen Finanzier gelang wohl der Deal seines Lebens.

Epstein durfte eigene Gefängniswärter anstellen

Im Oktober 2007 traf sich Epsteins Anwalt Jay Lefkowitz mit dem damaligen Bundesstaatsanwalt für das südliche Florida, Alexander Acosta. Am Ende des Treffens stand folgende Einigung: Epstein bekannte sich in zwei Fällen der Prostitution schuldig und musste deshalb für 13 Monate in einem privaten Flügel eines Spezialgefängnisses schlafen. Tagsüber durfte er das Gefängnis verlassen, um zu arbeiten, außerdem konnte er seine eigenen Wächter anstellen.

Im Gegenzug stellte das FBI die Ermittlungen ein, hielt seinen Bericht unter Verschluss und sicherte Epsteins Umfeld Anonymität zu. Das ist besonders brisant, weil Epstein zahlreiche Kontakte zu Prominenten wie etwa Bill Clinton, dem britischen Prinz Andrew und eben auch Donald Trump pflegte. Der US-Präsident machte mit Alexander Acosta im April 2017 den Mann zu seinem Arbeitsminister, der den Deal damals auf Seite des Staats aushandelte.

Epsteins Wohnung wohl vom FBI durchsucht

Dass der Fall nun wieder ins Rollen kommt, hat mehrere Gründe. Im vergangenen Jahr berichteten verschiedene US-Zeitungen im Zuge der #MeToo-Debatte wieder über Epsteins mutmaßliche Vergehen und den undurchsichtigen Deal mit der Staatsanwaltschaft. Der "Miami Herald" machte gar mutmaßliche Opfer Epsteins ausfindig und interviewte sie.

Im Februar diesen Jahres dann urteilte ein US-Bundesrichter, die Staatsanwälte hätten damals rechtswidrig gehandelt. Die aber entgegneten, der Epstein-Deal müsse bestehen bleiben. Am vergangenen Mittwoch dann beschloss ein New Yorker Berufungsgericht die Öffnung von bis zu 2000 Seiten Akten, die Epstein möglicherweise belasten könnten.

Nun soll Epstein am Samstag am Flughafen Teterboro in New Jersey verhaftet worden sein, meldet der "Miami Herald" unter Berufung auf eine ungenannte Quelle. Wie Zeugen des "Miami Herald" und des "Daily Beast" weiterhin berichten, ist das FBI am Samstagabend außerdem in Epsteins Wohnung in Manhattan eingedrungen, um sie zu durchsuchen. Die Zeitungen schreiben, Epstein werde am Montag einem Richter vorgeführt, der entscheiden müsse, ob Epstein auf Kaution freikommen könne. Zu diesem Termin könnten auch die möglicherweise belastenden Akten geöffnet werden, vermutet der "Herald".

Quelle: n-tv.de, lwe

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